Die ev. Heime in der DDR sind ein noch unerforschtes Gebiet

Die ev. Heime in der DDR sind ein noch unerforschtes Gebiet

Beitragvon Martin MITCHELL » Fr Dez 04, 2015 4:23 am

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Ich berichtete schon zu diesem Thema an anderer Stelle im Internet, im März 2012, wie folgt:

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Falls die Ministerin glaubt „Es gab keine kirchlichen Heime in der DDR“


ERSTENS

Auszug aus einem Interview mit Sozialministerin von Mecklenburg-Vorpommern Manuela Schwesig in der Schweriner Volkszeitung vom 23.03.2012


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"Keine Heimkinder zweiter Klasse"

Wer in DDR-Kinder- und Jugendheimen Unrecht erlitten hat, soll nachträglich Hilfe bekommen. Am Montag soll in Berlin ein Hilfsfonds Heimkinder Ost vorgestellt werden. Mit Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin und SPD-Bundesvize Manuela Schwesig sprach unser Mitarbeiter Andreas Frost.

Frau Schwesig, warum brauchen wir diesen Fonds?

Schwesig: Leider haben viele Kinder und Jugendliche in Ost und West Gewalt und Unrecht in Kinderheimen erfahren. Viele der heute Erwachsenen leiden immer noch unter den Folgen. Wir haben die Verantwortung, dieses Unrecht aufzuarbeiten und Hilfen zu geben. Nachdem der Fonds mit 120 Millionen Euro für die Entschädigung ehemaliger Heimkinder im Westen eingerichtet wurde, habe ich gesagt, es darf im Osten keine Heimkinder zweiter Klasse geben. Ich will auch betonen, dass es ehemalige Heimkinder gibt, die sagen, es sei ihnen dort gut gegangen. Aber den anderen, denen wollen wir helfen.

Mit wie viel Geld wird der Fonds ausgestattet?

Der Bund und die neuen Bundesländer geben jeweils 20 Millionen Euro. Mecklenburg-Vorpommerns Anteil beträgt 2,4 Millionen Euro.

Die Kirchen beteiligen sich, anders als im Westen, nicht daran. Warum?


Im Westen hatten die Kirchen Kinderheime, in der DDR nicht.

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QUELLE: Schweriner Volkszeitung vom 23.03.2012 @ http://www.svz.de/nachrichten/home/top-thema/article/keine-heimkinder-zweiter-klasse.html ( Zeitungsredaktion: „Der gewünschte Artikel steht leider nicht mehr zur Verfügung“ )

WIKIPEDIA: „Manuela Schwesig (* 23. Mai 1974 in Frankfurt (Oder)) ist eine deutsche Politikerin der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und Ministerin für Arbeit, Gleichstellung und Soziales in Mecklenburg-Vorpommern. Seit dem 13. November 2009 ist sie eine der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der SPD.


ZWEITENS

Hier die Wahrheit bezüglich den „Kirchen“ und ihren „Einrichtungen“ in der „DDR“

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Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR (BEK) Stand: 1986

8 Gliedkirchen mit 6435000 Mitgliedern (~ 38,7% der Bevölkerung)
in 7347 Gemeinden mit 4161 Geistlichen

Die acht evangelischen Landeskirchen in der DDR waren bis zum Jahre 1969 mit den evangelischen Kirchen in der Bundesrepublik in der EKD zusammengeschlossen. Wegen anhaltender Spannungen mit der Partei- und Staatsführung der DDR, die mit Inkrafttreten der neuen Verfassung von 1968 grenzübergreifende Kirchenorganisationen für verfassungswidrig zu erklären drohte, gründeten die evangelischen Kirchen in der DDR am 10. Juni 1969 den Bund der Evangelischen Kirchen (BEK).

Ihm ist auch die Evangelische Brüder-Unität Herrnhut mit rund 3000 Mitgliedern angeschlossen. Das Sekretariat des Kirchenbundes hat seinen Sitz in Ost-Berlin. Oberstes Leitungsgremium ist neben der Synode die Konferenz der Evangelischen Kirchenleitung mit einem fünfköpfigen Vorstand.

Soziale Dienste

Diakonisches Werk — Innere Mission und Hilfswerk — der Evangelischen Kirchen in der DDR

(Stand 1986):

● 44 Krankenhäuser mit 6244 Betten,
● 105 Heime für geistig und körperlich Behinderte,
● 200 Alten- und Altenpflegeheime mit rund 11000 Plätzen,
● 32 Tagesstätten für Behinderte,
● 19 Kinderheime,
● 310 Gemeindepflegestationen,
● 278 Kindergärten und Horte.


Katholische Kirche in der DDR Stand: 1986

6 Jurisdiktionsbezirke mit rd. 1,1 Millionen Mitgliedern (= 6,2 % der Bevölkerung)
in rd. 1040 Pfarreien und anderen Gottesdienst-Stationen mit ca. 1300 Geistlichen.

Die sechs Bezirke unterscheiden sich untereinander in Größe, kirchenrechtlicher Stellung und territorialer Zugehörigkeit. Nur die Diözese Dresden/Meißen liegt ganz auf dem Gebiet der DDR. Die Diözese Berlin umfasst neben Teilen der DDR die gesamte Stadt Berlin, also den westlichen und den östlichen Teil; sie wird von einem in Ost-Berlin residierenden Bischof geleitet, der Mitglied der (west-) "Deutschen Bischofskonferenz" und der Berliner Bischofskonferenz (DDR) ist.

Die Bezirke Schwerin, Magdeburg und Erfurt/Meiningen gehören kirchenrechtlich zu den Diözesen Osnabrück, Fulda und Würzburg bzw. zur Erzdiözese Paderborn. Die Bischöfe, die diese Bezirke leiten, wurden 1973 zu Apostolischen Administratoren ernannt.

Die Apostolische Administratur Görlitz entstand 1972 aus dem Restteil der ehemaligen Erzdiözese Breslau; sie ist ebenso wie die Diözesen Berlin und Dresden/Meißen dem Vatikan direkt unterstellt.

Gegenwärtig gibt es in der DDR und Ost-Berlin elf Bischöfe, darunter vier mit dem Rang eines Apostolischen Administrators und vier Weihbischöfe. Sie haben sich zur "Berliner Bischofskonferenz" mit Sitz in Ost-Berlin zusammengeschlossen. Diese Konferenz, das oberste Leitungsgremium der Katholiken in der DDR, besitzt Selbständigkeit und die Funktion anderer Bischofskonferenzen entsprechend den Bestimmungen des II. Vatikanischen Konzils.

Soziale Dienste

Caritas, den jeweiligen Ortsbischöfen unterstellt. Sie hat in den einzelnen Bezirken zentrale Direktionen und zahlreiche Nebenstellen in den Dekanaten und Pfarreien.

Die Caritas betreibt z. Zt.:

(Stand 1986)

● 33 Krankenhäuser mit rund 5000 Plätzen,
● 108 Altenheime mit rund 3500 Plätzen (davon 345 Plätze in Pflegeheimen),
● 152 Kindergärten, -krippen und -horte mit rund 7700 Plätzen,
● 22 Säuglings- und Kinderheime sowie Wohnheime für Jugendliche mit 745 Plätzen,
● 21 Heime und Tagesstätten für geistig Behinderte mit 1000 Plätzen,
● 27 Erholungsheime mit 630 Plätzen,
● 4 Kurheime mit 322 Plätzen,
● 54 Ausbildungsstätten mit 1351 Plätzen,
● 2 Seminare (in Magdeburg und Karl-Marx-Stadt) für den kirchlich - caritativen Dienst. Beschäftigte: 7500 hauptberufliche Beschäftigte, (darunter ca. 1300 Ordensschwestern), 7300 ehrenamtliche Mitarbeiter.



DIE QUELLE ALL DIESER INFORMATION: „Kirchen Ost und West im Zahlenspiegel“ @ http://www.kleiner-grenzverkehr.de/Kirchen_Zahlenspiegel.htm ( „DDR“ - rechte Spalte )
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Die ev. Heime in der DDR sind ein noch unerforschtes Gebiet

Beitragvon Martin MITCHELL » Fr Dez 04, 2015 4:32 am

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( SPD ) Manuela Scheswig. - Diese Frau ist jetzt, seit dem 13. Dezember 2013, „Bundesministerin für Familie Senioren, Frauen und Jugend.“ im Gottes-Staat Deutschland.
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Die ev. Heime in der DDR sind ein noch unerforschtes Gebiet

Beitragvon Martin MITCHELL » Fr Dez 04, 2015 4:48 am

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Wie aus meinem Eröffnungsbeitrag dieses Threads hervorgeht, ging es und geht es um die Aussage der heutigen „Bundesministerin für Familie Senioren, Frauen und Jugend“, Manuela Scheswig, – um ihre offizielle öffentliche Aussage vom 23.03.2012 – , dass es im Osten ( in der ehemaligen DDR ) „keine kirchlichen Heime“ „in der DDR“ „gab“ und dass das der Grund dafür ist dass die Kirchen nicht in den »Hilfsfonds Heimerziehung Ost« einzahlt, bzw. eingezahlt hat.
Genau dieser Fonds ist jetzt [ Ende 2012 ] pleite und man will ihn daher in einen »Hilfsfonds Heimerziehung Ost-LIGHT« umfunktionieren.

Zur Zeit als sie, Manuela Scheswig, diese offizielle öffentliche Aussage am 23.03.2012, gemacht hat, war sie hoch offiziell „Sozialministerinin Mecklenburg-Vorpommern, d.h.Ministerin für Arbeit, Gleichstellung und Soziales“.

Das
diese ihre Aussage vom 23.03.2012 die sie nie korrigiert hat , völlig falsch ist, habe ich ebenso belegt, ebenso in meinem einleitenden Beitrag ( oben - hier in diesem Thread ), sowohl wie auch an anderer Stelle im Netz.

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Die ev. Heime in der DDR sind ein noch unerforschtes Gebiet

Beitragvon Martin MITCHELL » Fr Dez 04, 2015 4:55 am

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»Die vergessenen Kinderheime in der DDR«

„Der Film behandelt die konfessionielle Heimerziehung der DDR. Dabei werden sowohl katholische als auch evangelische Einrichtungen vorgestellt.“

Veranstaltungsrezension von Rose Salzmann
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http://gedenkbibliothek.de/download/Peter_Grimm_Die_vergessenen_Kinderheime_in_der_DDR_-_vom_27._10._2015.pdf (auf insgesamt drei digitalen Seiten)


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Veranstaltungsrezension

Der Dokumentarfilmer Peter Grimm zeigte am 27. Oktober 2015 in der Gedenkbibliothek seinen 2014 entstandenen Film:

Die vergessenen Kinderheime in der DDR

Peter Grimm wies vor der Filmaufführung die Zuschauer explizit darauf hin, dass dieser Film zu den kirchlichen Kinderheimen in Ostdeutschland im MDR in ergebnisoffener Arbeit entstanden sei, d.h. man recherchierte zum Thema und stellte die Ergebnisse im Film zusammen. Eine Vorgehensweise, die logisch und selbstverständlich erscheint. Jedoch weit gefehlt: ergebnisoffene Arbeit ist ein Luxus – zur Ausnahme geworden, wie Grimm und andere im Saal anwesende Filmemacher zu berichten wussten und dies nicht nur beim MDR!

Die kirchlichen Kinderheime im SED-Staat sind ein noch unerforschtes Gebiet. Bekannt ist lediglich, dass 200 konfessionelle Kinderheime bis 1987 existierten, darunter 12 katholische Heime.
Grimms Verdienst ist es, exemplarisch ehemalige Insassen dieser Heime aus: Calbe/Saale, Frankfurt/Oder, Herrenhut, Neuzelle und Königsbrück/Sachsen aufgespürt und interviewt zu haben. Und was kann mehr für den Erfolg dieser Heime sprechen als die Tatsache, dass zwei der ehemaligen Heimkinder beruflich den Betreuungs- bzw. Heimbereich gewählt hatten.
Ein weiterer Glücksgriff ist die Präsentation des ehemaligen Heimleiters des katholischen St. Elisabeth Heimes in Calbe, Martin Patzelt, der als 25jähriger 1972 die Leitungsverantwortung für die 50 Plätze übernahm. Patzelt konnte anschaulich und exemplarisch über die Entwicklungen und Widrigkeiten berichten, denen ein katholisches Kinderheim im SED-Staat ausgeliefert war, aber auch über seinen Einfallsreichtum, um Freiräume für seine Schützlinge und familiäre Atmosphäre zu schaffen im geschützten Raum der kirchlichen Heime und nicht zuletzt mit der finanziellen Unterstützung aus dem Westen.

Nach dem Krieg gab es so viele Waisenkinder, da war jede Unterbringung recht, die konfessionellen Heime wurden in der sowjetischen Besatzungszone toleriert, durften auch von den Ordensschwestern weiter geführt werden.
Bereits Anfang der 50er Jahre hatte sich das geändert, so erfährt man im Film. Nach dem Ende der gesamtdeutschen Politik Stalins 1952 nahm die rote Propaganda zu, und im Zuge der Hetzkampagne gegen die Jungen Gemeinden wurden auch die Nonnen vertrieben, Propagandalügen über die konfessionellen Kinderheime verbreitet und in Ulbrichts Auftrag diese Heime geschlossen. Doch nach dem 17. Juni 1953 durften die Nonnen wiederkommen, und das Kinderheim in Bad Saarow wurde der Kirche zurückgegeben.

Im Film wird herausgearbeitet, dass es bis in die 60er Jahre wohl kaum Unterschiede zwischen den Heimen in Ost und West gab bzgl. Bestrafung, Arbeitszwang oder Missbrauch.
Danach änderte sich der Betreuungsstil grundlegend, und die existentiellen Probleme der Heime traten in den Vordergrund, ja sie wurden in der atheistischen Diktatur bekämpft und bemühten sich, dem Staat keine Handhabe zu ihrer Schließung zu liefern. Dies schließt natürlich Unterschiede in der Betreuung nicht aus. So erschien beispielsweise das Heim im sächsischen Königsbrück restriktiver: kaltes Duschen am Morgen, Stubenarrest und Fernsehverbot als Sanktionen. Auch ein internes Problem der Einrichtungen wurde angesprochen wie der Umgang der Heimkinder untereinander, eine Hierarchie, die herrschte u.ä.

Grimm zeichnet in seinem Film durchaus ein facettenreiches Spektrum der Heimerfahrungen. Es reicht von strenger Erziehung und fehlender Zuwendung bis hin zu Freiräumen im Heim in Calbe, die selbst „Externe“ gern mit nutzten, da sie diese so in ihrem Elternhaus nicht erfuhren. Der geistliche Vorgesetzte, der einem sehr jungen Mann wie Patzelt diesen Aufgabenbereich überantwortete, hat mit seiner Wahl eine außerordentlich glückliche Hand bewiesen und war dadurch segensbringend für die Kinder tätig.

Außerdem wertschätzten die ehemaligen Heimkinder, dass sie die Zwangsmitgliedschaft bei den Pionieren und in der FDJ leichter umgehen konnten, ja sogar aus Schutz vor politischer Verfolgung in den Bildungseinrichtungen beispielsweise das Kinderheim der Herrnhuter Brüdergemeine wählten, um dort eine „Weltläufigkeit“ zu erleben, die im restriktiven ideologisierten staatlichen Bildungssystem weder vorgesehen noch erwünscht war.

Daher verwundert es kaum, dass der SED-Staat diese Heime loswerden wollte. Also griff man zu perfiden subtilen Mitteln, da eine offizielle Schließung nicht so einfach erschien: Es erfolgten keine staatlichen Einweisungen mehr durch das Jugendamt in kirchliche Heime, bzw. eingewiesene Kinder wurden abgezogen, wenn die Eltern nicht explizit von ihrem Recht Gebrauch machten und über den Aufenthaltsort ihres Kindes selbst bestimmten. Außerdem wurden die Verpflegungssätze gering gehalten, man bemühte sich, die Einrichtungen finanziell „auszutrocknen“, sie waren also für den Träger ein Zuschussgeschäft.
Die Kirche sollte sich um Behinderte kümmern und nicht in die Erziehungsarbeit involviert sein, denn für allseits gebildete sozialistische Persönlichkeiten kam nur die Indoktrinierung durch den dialektischen Materialismus in Frage.

In diesem Zusammenhang ist es durchaus richtig, dass der Film auch kurz auf die restriktiven, jeglichen Freiraum einschränkenden Erziehungsmaßnahmen der staatlichen Kinderheime eingeht. Kein Wunder, wenn von 1951-54 und von 1957-77 ein Eberhard Mannschatz, Förderer der Jugendwerkhöfe, als Leiter der Abteilung Jugendhilfe im Ministerium für Volksbildung des SED-Staates verantwortlich für die Kinderheime war.

Ausgerechnet Herr Mannschatz, ein glühender Verehrer sowjetischer Erziehungsmethoden und geistiger Vater der Jugendwerkhöfe, wurde von der evangelischen Hochschule, das Rauhe Haus in Hamburg, 1995 zu einem Vortrag eingeladen, und sein Redebeitrag fand unkommentiert Eingang in einem Lehrbuch für Sozialpädagogen und Diakone.
Erst die gemeinsamen Proteste von Lutz Rathenow, Opferverbänden und Aufarbeitungsinitiativen bis hin zu Unionsfraktionschef Volker Kauder im Juni 2012, dass „Mannschatz in Lehrmaterialien einen rechtfertigenden und verharmlosenden Rückblick auf die DDR-Heimerziehung werfen dürfe“, führten wenigstens dazu, dass Vertreter der evangelischen Hochschule die Gedenkstätte des „Geschlossenen Jugendwerkhofs Torgau“ besuchten und eine Wanderausstellung zu den sogenannten Spezialheimen der DDR in das Rauhe Haus holten. Ob die 3-wöchige Ausstellung zur Geschichte repressiver Heimerziehung in der DDR „Ziel: Umerziehung“ und der Besuch des Jugendwerkhofs ausreichend waren, um den idealisierten Blick auf die DDR-Vergangenheit zu korrigieren und einen Gesinnungswandel herbeizuführen, bleibt fraglich.

Der geschlossene Jugendwerkhof in Torgau glich einem Kindergefängnis, in dem für das damalige System unangepasste Persönlichkeiten gebrochen wurden. Dies mit einem Kinderheim gleichsetzen zu wollen, wie es im Mitteilungsblatt des Rauhen Hauses verharmlosend ausgeführt wurde, ist wahrscheinlich nur durch die schreiende Unkenntnis der Wirklichkeit und die ideologisch bedingte Verleugnung der Realität zu erklären.
Wenn die Verantwortlichen bei der evangelischen Kirche in den „Genuss“ eines 2-3jährigen Heimaufenthaltes gekommen wären und den „Torgauer Dreier“ geübt hätten, wären sie vermutlich nicht mehr in der Lage gewesen, ihre heutige Position auszufüllen, denn „viele ehemalige Heimkinder konnten nach ihrer Entlassung nie wieder richtig im Leben Fuß fassen und sind schwer traumatisiert.“

Sei es aufgrund der staatlichen Restriktionen oder aus Personalmangel aufgrund der geringen Entlohnung, viele kirchliche Kinderheime haben es nicht bis zur Wende geschafft, mussten irgendwann aufgeben. Das im Film gezeigte Heim in Calbe/Saale besteht jedoch noch immer und ist ein schönes Beispiel für das gelungene Engagement einzelner fähiger Christen in einer Kleinstadt, etwas abgelegen von der direkten staatlichen Kontrolle und mit ihrem Zusammenhalt der Menschen untereinander.
Grimm äußerte sich zu Beginn der Veranstaltung unzufrieden über die Wahl des Filmtitels und verwies auf die Verantwortung eines Gremiums beim MDR - Zugeständnisse, die der finanziellen Unterstützung geschuldet sind.

Besonders geglückt bzw. aussagekräftig erscheint der Filmtitel nicht. Treffender wäre vielleicht:

„Inseln im roten Meer – kirchliche Kinderheime im SED-Staat“

Rose Salzmann

Lit.: „Ex-Honecker-Mitarbeiter: Die DDR-Pädagogik landet in Kichenlehrbuch“
DIE WELT vom 11.06.2012,
http://www.welt.de//106488861
„Rauhhäusler Bote“ vom Erntedank 2012, S.2
„Geschlossene Unterbringung und repressive Heimerzeihung gehören in Ost wie West zu den dunklen Kapiteln in der Geschichte der Jugendhilfe“

Anzusehen unter
http://www.ardmediathek.de/tv/Reportage-Dokumentation/Die-vergessenen-Kinderheime-in-der-DDR/Das-Erste/Video?documentId=28659732&bcastId=799280 [ Dort jedoch wird man informiert: „Der gewünschte Beitrag ist nicht mehr verfügbar.“ ]

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Aber auch anderswo steht der Film nicht mehr zur Verfügung (zumindest ist nirgens im Internet etwas dazu angegeben).

Wer von Euch war wo in einem evangelischen Heim in der DDR ?
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