DIAKONIE - Fürsorgehölle ANSTALT FREISTATT im Wietingsmoor.

DIAKONIE - Fürsorgehölle ANSTALT FREISTATT im Wietingsmoor.

Beitragvon Martin MITCHELL » Do Sep 25, 2014 4:21 am

.
Moorlager - Bethel-eigene Anstalt Freistatt im Wietingsmoor - Diakonie Freistatt - Bethel im Norden - Freistatt, Kreis Diepholz - Freistatt Torfproduktion - Torfgewinnungsunternehmen 1899-1995 - Arbeitszwangslager - Freistatt, Aussenstelle der v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel - Diakonie.


Das Bethel-eigenene HAUS "NEUWERK", eine vorwiegend geschlossene Abteilung in ANSTALT FREISTATT IM WIETINGSMOOR (zwischen Diepholz und Sulingen, in Niedersachsen), die seinerzeit (zusammen mit auch verschiedenen anderen solchen geschlossenen und nach außen abgeschotteten Abteilungen in ANSTALT FREISTATT / DIAKONISCHE HEIME FREISTATT / DIAKONIE FREISTATT / jetzt BETHEL IM NORDEN ) industrielle Torfgewinnung mit zwangsarbeitenden Jugendlichen betrieb (und als solche Zwangsarbeitsstätte - HAUS "NEUWERK" - von mindestens 1962-1979 existierte, aber möglicherweise sogar bis in die späten 1980er Jahre als solche Zwangsarbeitsstätte existierte und betrieben wurde), schuldet wohl auch seinen Namen - "NEUWERK" - der von Pastorin Antje Vollmer hoch gepriesenen „NEUWERKBEWEGUNG“, zu der sie auf der letzten Sprengelversammlung am 14. Mai 2014 in Schlüchtern im Main-Kinzig-Kreis im Südosten Hessens einen bewegenden Vortrag hielt.

»Vor etwa 40 Jahren hatte
Dr. Vollmer zum Thema “Die Neuwerk-Bewegung 1919 – 1935, Ein Beitrag zur Geschichte der Jugendbewegung, des religiösen Sozialismus und der Arbeiterbildung” ihre Dissertation geschrieben.«

Siehe Artikel vom 20.05.2014 bezüglich dem »Vortrag von
Dr. Antje Vollmer über die Neuwerkbewegung« ( vom 14.05.2014 ) @ http://evkis.de/2014/05/vortrag-vollmer-neuwerkbewegung/

Ich selbst war in dieser industriellen Torfgewinnung als zwangsarbeitender Jugendlicher für Bethel, eingesperrt im HAUS "NEUWERK" in ANSTALT FREISTATT IM WIETINGSMOOR, in den frühen 1960er Jahren tätig, bis es mir Ende 1963 im Alter von 17½ Jahren gelang dieser Hölle zu entrinnen und nach Australien auszuwandern, und ich wußte bisher nichts von der Geschichte der „NEUWERKBEWEGUNG“ oder das Antje Vollmer, (2009-2010) Schirmherrin am »Runden Tisch Heimerziehung«, in ihrer Ausbildungszeit / Weiterbildungszeit, »vor etwa 40 Jahren«, eine Dissertation DAZU geschrieben hatte.

.
Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; Freiheit bedarf ständiger Wachsamkeit.“ MM
Benutzeravatar
Martin MITCHELL
 
Beiträge: 1786
Registriert: So Jun 02, 2013 8:47 am
Wohnort: Adelaide, Süd Australien

DIAKONIE - Fürsorgehölle ANSTALT FREISTATT im Wietingsmoor.

Beitragvon Martin MITCHELL » Di Nov 25, 2014 11:15 am

.
Evangelisch-lutherische Fürsorgehölle Anstalt Freistatt.

Bethel – da war doch mal was! ( Bethels Anstalten! )


Der Evangelische Pfarrer i.R. Dierk Schäfer, Diplom-Pädagoge und Diplom-Psychologe in seinem Blog, dem Dierk Schaefers Blog, unter der Überschrift »Bethel – da war doch mal was!« @ http://dierkschaefer.wordpress.com/2014/11/24/5764/#comments, am Mo. 24.11.2014, um 18:14 Uhr, macht darauf aufmerksam:

.
Bethel – da war doch mal was!

Ein Bettel-Brief aus Bethel. Selbst wenn heute alles anders ist, anders sein sollte, – die Kinderhöllen der Bethel’schen Anstalten leben im Bewußtsein fort. Und die Opfer warten heute noch auf eine Entschädigung.

.
[Ein Bettel-Brief ausgehend von ] Pastor Ulrich Pohl - BETHEL
Vorsitzender des Vorstandes
Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel
[ zuvor Bodelschwinghsche Anstalten Bethel genannt ]
Quellenhofweg 25, 33617 Bielefeld.
Telefon: 0521 144-3600. Fax: 0521 144-5138.


21. November 2014


Liebe Mitmenschen im Rheinland gesucht.


Liebe Leserin, lieber Leser,

Sie und ich wissen, wie glücklich es macht, jemandem eine Freude zu bereiten. Sicherlich erinnern Sie sich gern daran, wie schön es war, als Ihnen selbst unerwartet Gutes widerfahren ist. Dieses Glück und diese Freude können Sie heute selbst bereiten: mit Ihrer Spende für die Menschen von Bethel. Dazu möchte ich Sie heute herzlich einladen.

Denn bei uns in Bethel stehen kranke und behinderte Kinder und Erwachsene im Mittelpunkt, die für jede Freude dankbar sind. Kinder wie Justin, für den jeder neue Tag ein Geschenk ist. Oder Jungen wie der kleine Alexander, der viel zu früh auf die Welt kam. Nur die Behandlung in unserem Kinderzentrum konnte ihm helfen. Heute ist Alexander ein gesundes und fröhliches Kind.

Unsere Liebe und Zuwendung gilt auch denjenigen, die im Alter auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sind. Frauen wie Helga Wittstadt, die in jungen Jahren nach Bethel kam, später in der Hauswirtschaft Arbeit fand, und heute einen würdevollen Lebensabend genießt. „Bethel ist mein Zuhause“, sagt sie lächelnd.

Die Hilfe für kranke und behinderte Kinder, Frauen und Männer in Deutschland, lebt davon dass so viele Menschen wie möglich unser Anliegen unterstützen. Das was zählt, ist die gute Tat. Darum bitte ich Sie: Helfen Sie mit Ihrer Spende.

Ich danke Ihnen von Herzen und wünsche Ihnen eine gesegnete Adventszeit.

Ihr
Ulrich Pohl
Ulrich Pohl
Pastor

.

Ich als Theologe warte auf eine Erklärung, wie Bethel heute theologisch steht zu Demütigung, Ausbeutung und Mißhandlung seiner Schutzbefohlenen.

Es reicht nicht, zu sagen, dass heute alles anders ist, dass Bethel in den Fonds [Heimerziehung-WEST] eingezahlt hat, der zudem nicht für ehemalige Heimkinder mit Behinderung zuständig ist. Ich erwarte eine klare Verurteilung der Personen, die dafür verantwortlich waren und der Theologie, die Grundlage von alldem gewesen ist.

Fangen wir doch einmal bei der Arbeitstherapie und dem protestantischen Arbeitsethos an. Beide kannten keine Rücksicht auf Kinder und ihre Rechte, Kind zu sein.

Aber die heute Verantwortlichen kennen das Rechtsinstitut der Verjährung krimineller Handlungen.

.

[ Und sie machen auch, diesbezüglich, in allen damit in Zusammenhang stehenden zivilrechtlichen Angelegenheiten rege von dieser – AusredeEinrede der Verjährung Gebrauch. ]
.
QUELLE: Dierk Schaefers Blog @ http://dierkschaefer.wordpress.com/2014/11/24/5764/#comments
.
Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; Freiheit bedarf ständiger Wachsamkeit.“ MM
Benutzeravatar
Martin MITCHELL
 
Beiträge: 1786
Registriert: So Jun 02, 2013 8:47 am
Wohnort: Adelaide, Süd Australien

DIAKONIE - Fürsorgehölle ANSTALT FREISTATT im Wietingsmoor.

Beitragvon Martin MITCHELL » Mi Nov 26, 2014 12:13 pm

.
Evangelisch-lutherische Fürsorgehölle Anstalt Freistatt.

Bethel – da war doch mal was! ( Bethels Anstalten! )


.
Helmut Jacob sagte, am 24. November 2014 um 23:45 Uhr

im Dierk Schaefers Blog @
http://dierkschaefer.wordpress.com/2014/11/24/5764/#comment-6238


.
Mein Blogeintrag:

Bethel auf BetteltourErinnerungsschreiben an Pastor Pohl: Sie haben noch Leichen im Keller

Die Bethelschen Anstalten haben einen Bettelbrief losgelassen. Dierk Schäfer, evangelischer Pfarrer i.R. hat ihn in seinem Blog veröffentlicht:


http://dierkschaefer.wordpress.com/2014/11/24/5764/#comments

Ein markanter Satz in diesem Bettelbrief sprang sofort in die Augen und darum habe ich an Pastor Pohl geschrieben:


.
Sehr geehrter Herr Pastor Pohl,

in Ihrem Bettelbrief an die „liebe[n] Mitmenschen im Rheinland“ schreiben Sie unter anderem: „Unsere Liebe und Zuwendung gilt auch denjenigen, die im Alter auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sind.“ Bravo, möchte ich Ihnen zurufen, das sollte Aufgabe einer Behinderteneinrichtung sein. In diesem Zusammenhang muss ich Ihnen aber auch schreiben: Sie haben noch Leichen im Keller. Es sind jene ehemaligen Heimbewohner, die in Häusern Ihrer Einrichtung in den zweieinhalb Nachkriegsjahrzehnten misshandelt und als Arbeitssklaven gehalten wurden. Googlen Sie einfach mal nach Martin Mitchell, Dierk Schäfer, „Verein ehemaliger Heimkinder“ und „Blick über den Tellerrand“ auf der HP http://www.gewalt-im-jhh.de. Dort werden Sie einen riesigen Sündenkatalog Ihrer Vorgänger finden. Ein Skandal ist es, dass die Rechtsnachfolger der Einrichtungen für behinderte Menschen, in denen jahrzehntelang Verbrechen an Heimbewohnern stattfanden, sich hinter dem 'Fonds für ehemalige Heimkinder' verschanzen und selbst keine Anstalten machen, eine angemessene Entschädigung, die den Namen auch verdient hat, zu entrichten. Meinen Sie nicht auch, sehr geehrter Herr Pohl, dass es moralisch verkommen ist, für die Verbrechen nicht opferwürdig einzutreten? Falls Sie noch nicht wissen, was die Opfer auch Ihrer Einrichtung fordern: 300,-€ Opferrente monatlich bis zum Lebensende oder eine Einmalzahlung von 54.000,-€. Gemessen an den Taten und den sich daraus ergebenden Entschädigungsansprüchen stellen diese Forderungen geradezu ein Klimpergeld dar. Immerhin hat Ihre Einrichtung Existenzen zerstört, Menschen in die Armut getrieben und ein würdiges Leben auf diesem Planeten unmöglich gemacht.

Dieser Makel wird Ihnen anhängen, sehr geehrter Herr Pohl, solange noch Opfer Ihrer Einrichtung leben, die in der Lage sind, das Erfahrene Leid anzuprangern und solange es noch Menschen und Organisationen gibt, die den Umgang mit diesen Verbrechen verurteilen und dies öffentlich zum Ausdruck bringen.

Stellen Sie Ihre Glaubwürdigkeit wieder her, indem Sie:
1. sich überzeugend und nicht floskelhaft bei den Opfern entschuldigen
2. dafür sorgen, dass die Entschädigungsforderungen umgesetzt werden
3. den Opfern ein bleibendes Denkmal beispielsweise an Ihrer Zionskirche und in Freistatt einrichten.
4. dafür sorgen, dass Ihre Opfer einen Lebensabend in Würde erleben.

Mit freundlichem Gruß
Helmut Jacob

.
.
.

.
Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; Freiheit bedarf ständiger Wachsamkeit.“ MM
Benutzeravatar
Martin MITCHELL
 
Beiträge: 1786
Registriert: So Jun 02, 2013 8:47 am
Wohnort: Adelaide, Süd Australien

DIAKONIE - Fürsorgehölle ANSTALT FREISTATT im Wietingsmoor.

Beitragvon Martin MITCHELL » Di Jan 27, 2015 7:38 am

.
SR - Saarländische Rundfunk @ http://www.sr-online.de/sronline/extrawebs/max_ophuels_preis_2015/neues_vom_festival/interview_rosenkoetter_wolfgang_zeitzeuge_freistatt_mop100~print.html
[ Letzte Aktualisierung: 23.01.2015 - 15:56:28 Uhr (MEZ) ]


.
„Wir mussten nur arbeiten, arbeiten, arbeiten“

[ bezüglich dem westdeutschen evangelisch-lutherischen Bethel-eigenen Arbeitslager "FREISTATT im Wietingsmoor", in dem auch ich in den 1960er Jahren ein jugendlicher Zwangsarbeiter war, bevor es mir gelang im Alter von 17½ Jahren nach Australien zu entfliehen. ]

Unterdrückung, Gewalt, Verzweiflung – in der Diakonie Freistatt, einem Heim für Schwererziehbare, sollten Jugendliche zu „anständigen Jungen“ werden. Dabei hatten sie nichts zu lachen. Erziehungsmethode war schwere Arbeit und gewaltsame Züchtigung. Wolfgang Rosenkötter war einer dieser Jungen. Sein Leben ist Grundlage des Films „Freistatt“, der am Donnerstagabend [ 22. Januar 2015 ] beim Max Ophüls Preis Premiere feiert.

(21.01.2015) Der Film thematisiert den Widerstand des 14-jährigen Wolfgangs gegen ein System der Unterdrückung und Gewalt in der Diakonie Freistatt, einem Heim für Schwererziehbare.

Das Drehbuch zum Film basiert auf den Erinnerungen des Zeitzeugen Wolfgang Rosenkötter. Rosenkötter war insgesamt 14 Monate in der Diakonie Freistatt, in der den Jugendlichen Gewalt angetan wurde und sie schwere Arbeit leisten mussten: „Wir mussten nur arbeiten, arbeiten, arbeiten – von morgens bis abends, sechs Tage die Woche. Sonntags Kirche und das war es. Schule gab es nicht.“ Er unternahm drei Fluchtversuche – bei allen kam er immer bis nach Hause, wurde aber vom Vater immer wieder zurück gebracht. Nach dem dritten Mal resignierte er und blieb dann bis zur Entlassung.


Max Ophüls Preis 2015

Rezension: Freistatt
[ @ http://www.sr-online.de/sronline/extrawebs/max_ophuels_preis_2015/filme/freistatt100.html ]
[ Letzte Aktualisierung: 23.01.2015 - 15:56:28 Uhr (MEZ) ]


Über die SR-Koproduktion "Freistatt"
[ http://sr-mediathek.sr-online.de/index.php?seite=7&id=30335 ]


Im Film übernimmt Louis Hofmann die Rolle von Wolfgang Rosenkötter, der am Premierenabend seinen 70. Geburtstag feiert. Wir haben bereits vorher mit ihm über Vergangenheitsbewältigung und den Film gesprochen.

––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––------------------------------

SR-Online: Herr Rosenkötter, wie viel Wahres ist dran am Film?

Wolfgang Rosenkötter: Was im Drehbuch steht, ist alles wahr. Allerdings war meine Lebensgeschichte nur ein Anhaltspunkt und ein roter Faden für das Drehbuch. Natürlich mussten die Filmemacher wegen der Dramaturgie ein bisschen Action reinbringen, aber die Inhalte sind alle so passiert. Es ist nichts beschönigt, nichts überzeichnet. Alles ist so geschehen, aber nicht unbedingt mir.

SR-Online: Regisseur Brummund ist 2009 mit seiner Filmidee an Sie herangetreten. Wie haben Sie reagiert?

Rosenkötter: Ich war natürlich mit dem Film einverstanden. Es hat gut getan, dass jemand da war, der Interesse daran hatte, die Dinge, die uns damals geschehen sind, zu zeigen. Ich fand das sehr gut. Wir haben uns dann über 1,5 Jahre etwa alle zwei Monate einen ganzen Tag lang zusammengesetzt. Ich habe einfach meine Geschichte erzählt, Herr Brummund hat aufgeschrieben. Daraus ist mit Nicole Armbruster [Buch] dann zusammen das Drehbuch entstanden.

SR-Online: Ist es Ihnen nicht schwer gefallen über ihre Erlebnisse in Freistatt zu sprechen?

Rosenkötter: Die Gespräche mit dem Regisseur waren eine Aufarbeitung. Das war schon manchmal sehr heftig für mich; es hat mir aber trotzdem geholfen. Der Film bedeutet für mich eine Anerkennung in der Form, dass gezeigt wird, was wir erleben mussten, welches System damals geherrscht hat.

SR-Online: Welche Wirkung beim Publikum erhoffen Sie sich von dem Film?

Rosenkötter: Der Film soll bewirken, dass das Publikum darüber nachdenkt, was geschehen ist, das auf sich wirken lässt und daraus den Schluss zieht, dass so etwas nie wieder passieren darf. Dass man Kinder und Jugendliche nicht einfach ins Heim stecken und vergessen darf, sondern, dass man mehr tun muss.

SR-Online: Sie selber haben den fertigen Film bisher noch nicht gesehen, sind Sie aufgeregt oder vielleicht sogar ängstlich?

Rosenkötter: Ängstlich bin ich auf keinen Fall. Ich empfinde eher Vorfreude bzw. Spannung, besonders nachdem ich einige Ausschnitte gesehen hab, ist die Spannung noch größer geworden. Und ich habe natürlich den Wunsch, dass der Film prämiert wird. Das wäre natürlich das Schönste.

SR-Online: Das damalige Freistatt heißt heute Bethel im Norden. Dort wohnen Jugendliche in Wohngruppen. Sie arbeiten dort als Vertrauensperson für die Jugendlichen. Wieso haben Sie diese Aufgabe übernommen?

Rosenkötter: Ich habe sofort zugesagt, weil wir früher niemanden hatten, an den man sich mit seinen Sorgen und Nöten wenden konnte. Ich finde es wichtig, dass die Jugendlichen einen Ansprechpartner haben, der das selber erlebt hat und im Heim war, der das dann vielleicht ein bisschen besser verstehen kann, wie man sich fühlt, wenn man von zu Hause weg ist. Es ist wichtig, dass man sich aussprechen kann.

SR-Online: Sie sind regelmäßig vor Ort, um mit den Jugendlichen zu sprechen und auch bei den Dreharbeiten für den Film haben Sie den Schauplatz Ihrer Vergangenheit wieder besucht. Ist das nicht unglaublich belastend?

Rosenkötter: Zu Anfang war es natürlich schwer. Inzwischen kann ich damit gut umgehen. Ich habe von 2006 bis 2009 eine Therapie gemacht. Ich wollte die Vergangenheit aufarbeiten. Das ist auch gut gelungen. Jetzt sind das natürlich immer noch Erinnerungen und diese sind auch schmerzhaft, aber ich kann damit umgehen.

SR-Online: Hatten Sie nach ihrer Zeit in Freistatt jemals wieder Kontakt zu Ihren Peinigern?

Rosenkötter: Viele Diakone sind mittlerweile verstorben. Die meisten haben das wahrscheinlich genauso wie wir verdrängt. Es ist ja nicht angenehm damit konfrontiert zu werden. 2006 gab es eine Lesung des Buches „Schläge im Namen des Herren“ zur Geschichte der Heimkinder in Deutschland. Bei der Lesung waren nur noch zwei ehemalige Diakone da, die auch zu meiner Zeit in Freistatt waren. Einer davon hat sich anschließend bei mir entschuldigt. Die Entschuldigung habe ich angenommen, weil mir klar war, dass er damals auch ein junger Diakon war. Die Diakone waren zum Teil strafversetzt und mussten sich auch dem System unterordnen und haben das gemacht, was man ihnen gesagt hat. Eine Entschuldigung vom Hausvater und seinem Stellvertreter hätte ich aber nicht angenommen. Die haben mich so gequält. So etwas kann man nicht verzeihen.

SR-Online: Sie werden am Premierenabend 70 Jahre alt. Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Rosenkötter: Ich wünsche mir viele gute Jahre, andere Jahre als bisher. Mein neues Leben hat erst relativ spät, nämlich 2006 angefangen. Das vorherige Leben war einfach geprägt durch die Zeit im Heim.

(Das Gespräch führte Lisa Tüch)

.

.
Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; Freiheit bedarf ständiger Wachsamkeit.“ MM
Benutzeravatar
Martin MITCHELL
 
Beiträge: 1786
Registriert: So Jun 02, 2013 8:47 am
Wohnort: Adelaide, Süd Australien

DIAKONIE - Fürsorgehölle ANSTALT FREISTATT im Wietingsmoor.

Beitragvon Martin MITCHELL » Do Apr 30, 2015 8:20 am

.
Die Kreiszeitung gehört zu den fünf größten Tageszeitungen in Niedersachsen. Sie erscheint in der Stadt Syke (Landkreis Diepholz) etwa 20 Kilometer südlich von Bremen, wo sie der größte private Arbeitgeber ist.“ ( WIKIPEDIA @ http://de.wikipedia.org/wiki/Kreiszeitung )

.
Kreiszeitung.de @ https://www.kreiszeitung.de/lokales/diepholz/kirchdorf-ort120456/ausstellung-haus-moorhort-zeigt-leben-fuersorgezoeglinge-freistatt-4838049.html

Ausstellung im Haus Moorhort zeigt das Leben der Fürsorgezöglinge in Freistatt

Blick in die Geschichte

20.03.2015

Freistatt - Von Sylvia Wendt. Wer das Buch als Dekoration auf die Ablage gelegt hat, bewies ein hohes Maß an Humor: „Glückliche Kinder“ von Johanna Spyri liegt im als Büro hergerichteten Raum. Doch: Glückliche Kinder hat das gesamte Haus Moorhort nie gesehen. Das dunkle Kapitel der Fürsorgezöglinge, die bis 1974 nach Freistatt geschickt wurden, kann ab sofort in Moorhort in Freistatt in Ansätzen nachempfunden werden.

Für die Dreharbeiten zu Marc Brummunds preisgekröntem Film „Freistatt“, der im Sommer in die Kinos kommt, stellt Bethel im Norden 2013 das Haus Moorhort bereit. Einst gab es vier baugleiche Häuser für die Zöglinge, übrig ist nur noch Moorhort – und zwar sehr authentisch, viel verändert an der Bausubstanz wurde in den Jahren nicht. Das Team richtet die Räumlichkeiten her und etliche der Kulissen dienen jetzt dazu, dem Besucher der Ausstellung einen Einblick zu geben, wie die Jungs zwischen 1945 und 1974 dort lebten.

Nicht schön. Die karge Ausstattung, die fehlende Privatsphäre gipfeln nach vielen Treppenstufen, im Wortsinn, in den Besinnungszellen mit Guckloch unter dem Dach in der dritten Etage. Jugendhilfe hat sich verändert: Wie sie heute aussieht, skizzierte Rüdiger Scholz, Bereichsleiter der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe von Bethel im Norden. Heute gebe es ein Leistungsgesetz, man arbeite in Sozialräumen und sehe Kinder und Jugendliche in einem ganz anderen gesellschaftlichen Kontext. „Eigentlich müssten oft die Eltern untergebracht werden und nicht die Kinder“, übt Scholz Kritik am System. Besonders im Hinblick auf die vielen medial verbreiteten Schicksale von Kleinkindern: „Da fehlt eine Eingreifbehörde. Da müsste auch der öffentliche Träger versuchen, mehr Flagge zu zeigen.“ Bethel im Norden trage den Anforderungen Rechnung, verdichte die personelle Betreuung und setze auf Spezialisierung der Fachkräfte.

[ Bilderstreifen: 28 Bilder insgesamt ]

Bethel im Norden präsentiere sich als offener Ansprechpartner, das betont Geschäftsführerin Luise Turowski. Sie erinnert an die Anfänge der Diskussion mit ehemaligen Zöglingen, die den Blick zurück überhaupt erst eingefordert hätten. Um Erlittenes verarbeiten zu können. Um Ausgleich zu verlangen.

Warum die Ausstellung erforderlich ist, erklärt der ehemalige Zögling Wolfgang Rosenkötter: „Damit unsere Geschichte ein Gesicht kriegt.“ Durch die Ausstellung in Moorhort sei die Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit möglich, das Haus müsse als Erinnerungsstätte erhalten bleiben, für „die Dinge, die wir erlebt und erlitten haben. Denn so etwas darf nie wieder passieren.“

Auch Pastor Ulrich Pohl, Vorstandsvorsitzender der von-Bodelschwingschen Stiftung Bethel, erlebt Moorhort als Chance, einen „tiefen Eindruck zu bekommen“: Man könne sich nicht distanzieren. Er sagt, man könne Erlittenes nicht wieder gut machen, aber Unterstützung geben, Hilfestellung und um Entschuldigung bitten. 22389 Mal: Soviele Jungen und junge Männer waren zur Fürsorgeerziehung bis 1974 in Freistatt.

Moorhort kann nach Anmeldung besichtigt werden.

.

QUELLE: @ https://www.kreiszeitung.de/lokales/diepholz/kirchdorf-ort120456/ausstellung-haus-moorhort-zeigt-leben-fuersorgezoeglinge-freistatt-4838049.html
.
Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; Freiheit bedarf ständiger Wachsamkeit.“ MM
Benutzeravatar
Martin MITCHELL
 
Beiträge: 1786
Registriert: So Jun 02, 2013 8:47 am
Wohnort: Adelaide, Süd Australien

DIAKONIE - Fürsorgehölle ANSTALT FREISTATT im Wietingsmoor.

Beitragvon Martin MITCHELL » Fr Mai 01, 2015 6:50 am

.
Zusätzlich zu der von mir im unmittelbar vorhergehenden Beitrag veröffentlichten Bekanntgebung entdeckte ich auch gerade auf der Facebookseite des Vereins ehemaliger Heimkinder e.V. folgende weitere kurze Bekanntgebung bezüglich einem Ehemaligen-Treffen nächste Woche in Freistatt:

.
Kam mir heute auf Umwegen auf den Tisch geflattert. Das Treffen findet am [ Dienstag ] 05.05.2015 um 15:00 Uhr im Haus Moorhort statt.

»In diesem Jahr lade ich (Rüdiger Scholz, Bereichsleiter von „Bethel im Norden“, H.D.) Sie nach Freistatt ein und zwar in das Haus Moorhort. Hier ist ein Erinnerungshaus entstanden und dort wurde ein Kinofilm gedreht“ ….. „Natürlich ist das Treffen gedacht für diejenigen, die in Freistatt waren. Aber selbstverständlich kann auch gerne jemand kommen, der nicht in Freistatt war“. Damit wir besser planen können, freuen wir uns, wenn Sie sich per Mail oder Telefon kurz bis zum 03.05.2015 anmelden unter Tel. 05448/88580 oder E-Mail:
ruediger.scholz@bethel.de «

.

.
Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; Freiheit bedarf ständiger Wachsamkeit.“ MM
Benutzeravatar
Martin MITCHELL
 
Beiträge: 1786
Registriert: So Jun 02, 2013 8:47 am
Wohnort: Adelaide, Süd Australien

DIAKONIE - Fürsorgehölle ANSTALT FREISTATT im Wietingsmoor.

Beitragvon Martin MITCHELL » Di Mai 26, 2015 11:48 am

.
Freistatt Diakonie Freistatt Bethel ( eigentlich „Antalt Freistatt im Wietingsmoor“ genannt ). ----- Jetzt kommt der Spielfilm ausschließlich über diese Erziehungsanstalt.

FREISTATT (TRAILER OFFICIAL) YouTube
Hochgeladen von EditionSalzgeber

https://www.youtube.com/watch?v=b72pSA7aGyY (Länge 2 Min. und 27 Sek.)


Der damit in Zusammenhang stehende Kommentar der Person/Organisation, die es hochgeladen hat:

.
Published on Apr 29, 2015

FREISTATT
ein Film von Marc Brummund
Deutscher Kinostart: 25. Juni 2015
mit Louis Hofmann, Alexander Held, Max Riemelt, Katharina Lorenz, Stephan Grossmann, Uwe Bohm u.a.
D 2015, 104 Minuten, deutsche Originalfassung
UA: Max Ophüls Preis Saarbrücken, Wettbewerb

KURZINHALT

Sommer 1968. Der Wind der Veränderung ist in den norddeutschen Kleinstädten allerhöchstens als Brise zu spüren. Mit selbstverständlicher Aufmüpfigkeit begegnet der 14-jährige Wolfgang seinem Alltag, seiner Mutter und vor allem seinem Stiefvater. Als er von seiner Familie in die abgelegene, kirchliche Fürsorgenanstalt FREISTATT abgeschoben wird, findet er sich in einer Welt wieder, der er nur mit noch unbändigerem Freiheitsdrang begegnen kann: Verschlossene Türen, vergitterte Fenster, militärischer Drill während der als Erziehung verbrämten täglichen Arbeitseinsätze in den Mooren der Umgebung. Doch für Wolfgang ist eins klar: Seine Sehnsucht nach Freiheit wird er so schnell nicht im Moor begraben.

Category
Film & Animation

License
Standard YouTube License

.

.
Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; Freiheit bedarf ständiger Wachsamkeit.“ MM
Benutzeravatar
Martin MITCHELL
 
Beiträge: 1786
Registriert: So Jun 02, 2013 8:47 am
Wohnort: Adelaide, Süd Australien

DIAKONIE: Fürsorgehölle ANSTALT FREISTATT Wietingsmoor et al

Beitragvon Martin MITCHELL » Fr Jul 10, 2015 3:08 am

.
Heimerziehung in der Nachkriegszeit
ein schwieriges Kapitel kirchlicher Zeitgeschichte


Text erschienen im Loccumer Pelikan 2/2009 (ISSN 1435-8387)

Loccumer Pelikan 19 2009 02 (Diakonie, Bildung und soziale Gerechtigkeit). Religionspädagogisches Magazin für Schule und Gemeinde, Seite 66-68.

Dr. Kerstin Gäfgen-Track [Jg. 1959], Oberlandeskirchenrätin der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers [seit 2003]

ERKLÄRUNG VOM STANDPUNKT DER EVANGELISCHEN THEOLOGIE

@ http://www.rpi-loccum.de/material/pelikan/pel2-09/theo_gaefgentrack

.
Heimerziehung in der Nachkriegszeit
ein schwieriges Kapitel kirchlicher Zeitgeschichte


Dr. Kerstin Gäfgen-Track [ Oberlandeskirchenrätin der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers ]

Nachdem im Jahr 2006 das Buch von Peter Wensierski „Schläge im Namen des Herren“
1 erschienen war, das zum Teil auf dramatische Weise die auch grausamen Erfahrungen von Heimkindern in der Nachkriegszeit dokumentiert, hat die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers bereits im selben Jahr gemeinsam mit dem Diakonischen Werk der Landeskirche eine Studie in Auftrag gegeben, um zu klären, unter welchen Bedingungen damals in kirchlichen Heimen untergebrachte Kinder und Jugendliche gelebt und gearbeitet haben. Mittlerweile wurden im gesamten Bereich der EKD weitere solcher Studien in Auftrag gegeben und erste Ergebnisse sind veröffentlicht. Mit Beginn des Jahres 2009 haben sowohl der Bundestag als auch die niedersächsische Landesregierung einen Runden Tisch zur Aufarbeitung des Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen in deutschen Heimen eingesetzt. Es soll dabei sowohl um Aufklärung als auch um konkrete Hilfe für die Betroffenen gehen. Die Kirchen, Diakonie und Caritas beteiligen sich selbstverständlich an diesen Runden Tischen.

Ein Grund dafür, dass das Leiden vieler Heimkinder so lange nicht öffentlich wurde, liegt in der Scham vieler Opfer begründet und auch ihrem Versuch, durch Verdrängung mit den leidvollen Erfahrungen leben zu können. Nachdem einige Betroffene ihre Erfahrungen und ihr Leid öffentlich gemacht haben, haben nun immer mehr Opfer den Mut, ihre Geschichte zu erzählen und nach Hilfe zu suchen. Das Diakonische Werk Hannover hat deshalb eine Hotline geschaltet, die stark genutzt wird. Hier wird neben einer Beratung auch konkrete Hilfe, z.B. durch Therapien angeboten.

Die bereits vorliegenden Ergebnisse belegen unzweifelhaft: Es wurde auch mit körperlicher und seelischer Gewalt in kirchlichen Heimen erzogen. Es kam dabei vermutlich nur in einzelnen Fällen zu Menschenrechtsverletzungen wie Freiheitsentzug, und auch zu sexuellem Missbrauch. Die Untersuchungen zeigen, dass zwischen den Heimen deutliche Unterschiede im Umgang mit den anvertrauten Kindern und Jugendlichen bestanden. Die Fälle von körperlicher und seelischer Gewalt sind nicht auf kirchliche Heime beschränkt, sondern traten in den Heimen unterschiedlicher Träger auf. Die Kinder und Jugendlichen in den Heimen mussten vielfach arbeiten. Harte Arbeit wurde als pädagogische Maßnahme gewertet, aber auch aus ökonomischen Gründen mussten die Kinder und Jugendlichen arbeiten, da der Pflegesatz extrem niedrig war. Die Kirchen, Diakonie und Caritas unterhielten im Vergleich mit anderen sehr viele dieser Heime
2 , gerade aufgrund der geringen Sätze, die die Kommunen oder Länder für die Heimunterbringung zahlten. Der Zeitraum, in dem es zu inakzeptablen Zuständen in den kirchlichen Heimen kam, lässt sich klar auf die fünfziger und sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts begrenzen. Konkrete Zahlen von Opfern lassen sich weiterhin nur schwer ermitteln. Aber jeder einzelne Missbrauch, jede einzelne Menschenrechtsverletzung hätte nicht passieren dürfen. Es gilt hier insgesamt nichts zu beschönigen, zu verharmlosen oder zahlenmäßig klein zu reden.

Es gilt nach den Gründen zu fragen, warum in Heimen allgemein mit Gewalt erzogen wurde und warum viele kirchliche Heime hier keine Ausnahme bildeten. Wie in der Gesellschaft insgesamt galt auch in der Kirche die Prügelstrafe oder andere körperliche Züchtigungen als normal. Institutionelle Gewalt wurde als Teil des Erziehungssystems verstanden. Die Soziologie und die Pädagogik haben für diese Form der Erziehung mit Gewalt, körperlicher und seelischer Bestrafung, mit Einschüchterung sowie seelischer Demütigung den Begriff der „Schwarzen Pädagogik“ geprägt.
3 Das vielfach gesetzte Ziel war schon in der Antike, im Mittelalter und bis in die 6oer Jahre des vergangenen Jahrhunderts, den Menschen nach einem ganz bestimmten Menschenbild zu formen und zu bilden. Um dieses Menschenbild zu verwirklichen, sahen es viele Pädagogen als notwendig an, den Willen des Kindes zu brechen, seine Eigensinnigkeit und seine Bedürfnisse zu eliminieren sowie seine vermeintlich schädlichen Triebe zu bändigen. Kinder und Jugendliche sollten so zu einem gesellschaftlich legitimierten Handeln und Verhalten erzogen werden. Diese pädagogischen Grundüberzeugungen waren um so mehr bei „auffällig“ gewordenen, nicht angepassten Kindern und Jugendlichen durchzusetzen. Wenn die Eltern nicht der Lage waren, ihr Kind zu diesem Handeln und Verhalten zu erziehen, wurde die Einweisung in ein Heim als ein angemessenes Mittel betrachtet. So waren Diebstahl, Schwangerschaft oder Weglaufen aus dem prügelnden Elternhaus, aber auch Widerworte gegen eine allein erziehende Mutter bzw. „Schwererziehbarkeit“ im weitesten Sinn Gründe für die Einweisung in ein Heim.

Gehorsam gegen Eltern, Lehrer und politische Obrigkeit war Jahrhunderte lang unbestrittenes Ziel von Erziehung. Gerade der Nationalsozialismus hatte diesen Gedanken des Gehorsams extrem verstärkt, so dass er in der Nachkriegszeit unvermindert wirksam war. Auch deshalb war das Schlagen in der Schule erlaubt und gängiges Erziehungsmittel. In der DDR wurde bereits 1949 die körperliche Züchtigung an Schulen verboten, in der Bundesrepublik Deutschland erst 1973 und erst im Jahr 2000 kam es in Deutschland zum Verbot der elterlichen Züchtigung.

Die „Schwarze Pädagogik“, geprägt und verstärkt durch den Zeitgeist, beeinflusste die Pädagogik nicht nur in kirchlichen Heimen, sondern durchaus auch in christlichen Elternhäusern. Sie galt als angemessene Reaktion auf die Sünde bzw. Erbsünde des Menschen. Die theologischen Topoi von Sünde und Erbsünde dienten auch zur theologischen Legitimation einer schwarzen Pädagogik. Von der Schwarzen Pädagogik haben wir uns heute als Kirche klar und deutlich distanziert. Sie war und ist untragbar, ist zutiefst unevangelisch und hatte furchtbare Folgen auch in der Heimerziehung.

Die Rede von der Sünde ist angemessen zu interpretieren: sie trägt die Gesamtheit der Realität in die christliche Anthropologie ein. Menschen werden schuldig gegenüber sich selbst, anderen Menschen und Gott. Das nennt die Bibel Sünde. Der Begriff der Erbsünde, d.h. dass das Sündersein und das dem entsprechende Handeln grundsätzlich vererbt wird, ist theologisch problematisch, denn der Gedanke einer Erbsünde lässt sich weder schöpfungstheologisch noch anthropologisch oder christologisch halten, aber er besitzt ein bleibendes Wahrheitsmoment: Obwohl es nicht zwangsnotwendig oder auch nicht genetisch vererbt ist, zeigt sich doch immer wieder, dass Menschen schuldig werden und auf die Vergebung Gottes angewiesen sind. Das ist eine zutiefst evangelische Erkenntnis. Diese menschliche Wirklichkeit ist in den Blick zu nehmen. Der Begriff der Sünde steht für die dunkle Seite im Leben, für Aggression, das Nichternstnehmen anderer Menschen und für einen verantwortungslosen Umgang mit der Macht. Sündigwerden heißt auch, die Existenz Gottes zu negieren, die eigene Geschöpflichkeit nicht anzuerkennen und das Leben nicht an der Botschaft des Evangeliums zu orientieren.

Mit den Mitteln der Schwarzen Pädagogik wollte man die Sünde unterdrücken und bekämpfen, auch weil diese Ängste auslösen kann. Angst vor dem eigenen Dunkel und dem Dunkel des anderen, der Aggression, aber auch Angst vor einem Gott, der den Sünder in Ewigkeit straft und verdammt. Eine Angst, von der Luther grundsätzlich theologisch befreit hat, die aber damit offensichtlich nicht grundsätzlich verschwunden ist. Die Pädagogik in den kirchlichen Heimen in den 50er und 60er Jahren ging davon aus, dass es gut ist, wenn Gott verzeiht, aber um des menschlichen Zusammenlebens, gerade um seiner Ordnung willen gilt es die Sünde im Leben zu unterdrücken und zu bekämpfen. Begründet wurde diese überwiegende Orientierung in der christlichen Pädagogik an der Sünde auch mit biblischen Zitaten wie „Wen der Herr lieb hat, den züchtigt er.“ (Heb 12,6) oder „Wer seine Rute schont, der hasst seine Kinder.“ (Spr 13,24). Sünde und Vergebung wurde nicht zusammengedacht. Es war für diese christliche Pädagogik nicht relevant, dass Gott sich für den Weg der Liebe und nicht der Strafe entschieden hat.

Die Auswahl solcher Bibelstellen nimmt das biblische Zeugnis nur eklektisch wahr. Dafür, dass Gott selbst auf Strafe verzichtet und Liebe übt, steht als biblische Schlüsselgeschichte die des Propheten Jona. Hier wird der Abschied von einem Gottesbild genommen, das davon ausgeht, Gott strafe für Sünde und Schuld. Gott straft die böse, korrupte Stadt Ninive aus lauter Liebe und Güte nicht. Noch deutlicher und unhintergehbar wird dieser Abschied von der Strafe durch Gott in Jesus Christus, der sichtbar macht und bis in den Tod hinein lebt, dass Liebe und Versöhnung das Handeln Gottes an den Menschen bestimmen. Liebe und Versöhnung sind zugleich prägend für ein menschliches Leben, das sich am Evangelium Jesu Christi orientiert und gerade darin gelingt. Zugleich gilt es auch hier die Realität der Sünde ernst zu nehmen. Martin Luthers Aufforderung „sündige fröhlich“ oder „sündige kräftig“ nimmt die Realität ernst, dass Menschen offensichtlich immer wieder schuldig werden. Gleichzeitig macht er Ernst damit, dass Gott in Jesus Christus Menschen dennoch immer wieder Schuld vergeben will.

Zugleich gilt es dieser Aufforderung Luthers mit Luther selbst zu widersprechen. Leben gelingt erst, wenn es in Verantwortung und im Gegenüber zu Gott gelebt wird und an der Botschaft des Evangeliums orientiert ist. Es ist eine der wichtigsten Einsichten Martin Luthers, die er aufgrund seiner Paulus- und Augustinus-Studien gewonnen hat, dass der Mensch simul justus et peccator (Sünder und Gerechter zugleich) ist. Jeder Mensch hat auch viele Gaben, Fähigkeiten und Potentiale, die nach christlichem Verständnis von Gott geschenkt sind und die er helfend, heilend, versöhnend im Sinne der Liebe einsetzen kann. Es gibt gelingendes Leben, wenn es gelingende Beziehung gibt. Gott selbst zeigt, dass gelingende menschliche Beziehungen auf einer existentiellen Beziehung zu Gott und auf Liebe, Gottes- und Nächstenliebe beruhen: „Du sollst den Herren, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Mt 22, 37; 38) Die Liebe verändert Menschen, nicht die Strafe und nicht die Schläge.

Von daher bestimmt sich gegenwärtig christliche Pädagogik, die vom Menschen als simul justus et peccator ausgeht und deren Ziel es ist, dass Menschen sich bilden, ihre Identität entfalten und Verantwortung übernehmen und deren Grundlage Liebe, Versöhnung und Gerechtigkeit sind. Christliche Pädagogik ist potentialorientiert, will aber darin einüben, mit Schuld und Scheitern konstruktiv umzugehen. Wenn Leben trotz der Realität des menschlichen Sündigens gelingen soll, ist ein Schuldeingeständnis notwendig. Schuld ist beim Namen zu nennen. Sie darf nicht weg argumentiert werden oder weg interpretiert werden. Es kommt darauf an, Schuld einzugestehen, Schuld klar zu benennen und dann konstruktiv nach Wegen der Versöhnung zu suchen. Christliche Pädagogik tritt ein für die Achtung und den Respekt vor der Würde jedes Menschen, will zur Feindesliebe anregen und empfiehlt in letzter Konsequenz, auch die linke Wange hinzuhalten, wenn auf die rechte Wange geschlagen wird. Sie will eine christliche Daseins- und Handlungsorientierung für ein gelingendes Leben vermitteln. Dafür sind auch Geschichten vom gelingenden Leben notwendig, gerade auch für die Eltern, die in Erziehungsfragen unsicher geworden sind. Christliche Pädagogik braucht, um dies leisten zu können, eine hohe Selbstreflexion und muss auch extern immer wieder kritisch geprüft werden.

Eine solche potentialorientierte, nicht die Sünde in den Mittelpunkt stellende Pädagogik bestimmt heute die Erziehung in evangelischen Kindertagesstätten, Schulen, Kirchengemeinden und anderen Einrichtungen. Die misslungene Heimerziehung in evangelischen Einrichtungen in der Nachkriegszeit, die so viel Leid über Heimkinder gebracht hat, beruhte maßgeblich auf einer fragwürdigen Theologie, die mit dem Zeitgeist und der gesellschaftlich vorherrschenden Pädagogik eine unheilvolle Symbiose einging. Sie macht deutlich, dass Kirche immer Kirche in der Zeit ist. Die evangelische Kirche muss sich immer wieder fragen, inwiefern sie ihrer Aufgabe nachkommt, kritisch und wenn nötig sogar widerständig zu sein, z.B. gegenüber pädagogischen Ansätzen und Entwicklungen. Die Situation in den kirchlichen Heimen steht auch deshalb im Mittelpunkt der Medienberichterstattung, weil nicht nur die evangelische Kirche den Anspruch hat, dass ihr Handeln sich am Evangelium Jesu Christi orientiert. Dies ist ein hoher Anspruch, an dem Kirche konkret immer wieder scheitert und an dem sie sich aber bleibend messen lassen muss. Es ist ein Anspruch, der Kirche vorgegeben ist, den sie nicht aufgeben kann, weil es Gott so will. Aber Vertreterinnen und Vertreter von Kirche müssen sich selbst eingestehen, dass sie diesem Anspruch oft nicht gerecht werden in dem Wissen darum, dass gerade dieses Ringen mit dem eigenen kirchlichen Anspruch und dem Scheitern daran evangeliumsgemäß ist. So hat Kirche als lernende Institution Demut zu üben. Die Botschaft der Christinnen und Christen ist diesen selbst weit voraus. Sie gilt es zu vertreten in dem Wissen darum, dass Christinnen und Christen es in Sternstunden unzweifelhaft schaffen, dem Anspruch Gottes gerecht zu werden und in den Schatten der Nacht kläglich daran scheitern.

Deshalb ist das, was damals in den evangelischen Heimen geschehen ist, klar Sünde zu nennen. Als Kirche müssen wir hier bekennen, dass Menschen Unrecht und Gewalt geschehen ist, ihre Würde nicht geachtet und geschützt wurde sowie in manchen Fällen ihre Menschenrechte verletzt oder sie sexuell missbraucht wurden. Wir sind als Institution mit diesem Versagen behaftet, haben als Institution Schuld auf uns geladen und müssen heute versuchen, konstruktiv damit umzugehen. Schuld ist klar beim Namen zu nennen, die Opfer sind anzuhören, wir haben uns dem Leid der Opfer zu stellen und mit ihnen nach Lösungen zu suchen. Auch hier gibt es heute keine „Gnade der späten Geburt“. Wir haben aus dieser leidvollen Geschichte der Opfer gelernt, so dass heute schon bei Verdacht auf Missbrauch die Maxime „zero tolerance“ gilt. Es braucht dieses Schuldeingeständnis, damit Leben der Opfer neu weitergehen kann und das kirchliche Handeln sich bleibend ändert. Nur so kann Neues wachsen, auch neues Vertrauen. Es ist aus dieser leidvollen Geschichte weiter zu lernen, dass wir als Kirche auch Widerstand gegen den Zeitgeist zu leisten haben, wenn es um der Menschen und um Gottes Willen notwendig ist. Das haben wir in der kirchlichen Heimerziehung in der Nachkriegszeit versäumt, deshalb sind wir an vielen Heimkindern schuldig geworden. Dafür entschuldige ich mich auch persönlich als eine Vertreterin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.

Anmerkungen
1. Peter Wensierski: Schläge im Namen des Herrn. Die verdrängte Geschichte der Heimkinder in der Bundesrepublik, München 2006.
2. Auch heute unterhalten kirchliche Träger viele Förderschulen, insbesondere für Kinder und Jugendliche mit emotionalem und sozialem Förderbedarf, die sich selbst hohe Qualitätsstandards gegeben haben, regelmäßig evaluiert werden und ihre Arbeit transparent machen.
3. Grundlegend dafür ist Katharina Rutschky (Hg.): Schwarze Pädagogik. Quellen zur Naturgeschichte der bürgerlichen Erziehung, Frankfurt a. Main u. a. 1977.

.

QUELLE: Loccumer Pelikan 19 2009 02 (Diakonie, Bildung und soziale Gerechtigkeit). Religionspädagogisches Magazin für Schule und Gemeinde, Seite 66-68; evangelische Theollogin Dr. Kerstin Gäfgen-Track [Jg. 1959] @ http://www.rpi-loccum.de/material/pelikan/pel2-09/theo_gaefgentrack
.
Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; Freiheit bedarf ständiger Wachsamkeit.“ MM
Benutzeravatar
Martin MITCHELL
 
Beiträge: 1786
Registriert: So Jun 02, 2013 8:47 am
Wohnort: Adelaide, Süd Australien

DIAKONIE - Fürsorgehölle ANSTALT FREISTATT im Wietingsmoor.

Beitragvon Martin MITCHELL » Mi Jul 15, 2015 2:09 pm

.
Gleichlautender Beitrag wie (anderswo) hier in diesem Forum, von Boardnutzer »martini« / Martin MITCHELL, vom Mi. 15.07.2015, um 15:20 Uhr (MEZ/CET) im Thread »Freistatt Diakonie Freistatt Bethel ( eigentlich „Anstalt Freistatt im Wietingsmoor“ genannt ).« auch im HEIMKINDER-FORUM.DE :

Martin MITCHELL hat geschrieben:.
Erklärung der Diakonie Deutschland zum „großen Versagen“ „der evangelischen Heimerziehung in den“ Nachkriegsjahrzehnten.

.
Diakonie Deutschland

[ @ http://www.diakonie.de/freistatt-der-film-16376.html ]

29.06.2015 - "
FREISTATT" erinnert an das große Versagen auch der evangelischen Heimerziehung in den Nachkriegsjahren, so Diakonie-Präsident Ulrich Lilie zum Kinostart des Films am 25. Juni in einer Erklärung.

[ ein Bild der
FILMSZENE, wo der Erzieher den Zögling mit dem Torfspaten gegen den Kopf schlägt und der Zögling darufhin längshin in den Morast fällt ]

Aus Anlass des aktuellen
KINOFILMS "FREISTATT" erklärt Diakonie-Präsident Ulrich Lilie [ der neue Diakonie-Präsident seit März 2014 ]:

Der Film "
FREISTATT" erinnert uns an das große Versagen auch der evangelischen Heimerziehung in den Nachkriegsjahren. „Dass Kinder und Jugendliche in unseren evangelischen Heimen schweres Leid und Unrecht erfahren haben, beschämt uns immer noch zutiefst. Der Mut der Betroffenen, ihre Erlebnisse und Traumata öffentlich zu benennen, hat uns die Augen geöffnet. Die Einrichtungen der Diakonie haben Verantwortung für die Geschehnisse der Vergangenheit übernommen und gemeinsam mit den ehemaligen Heimkindern einen Prozess der Aufarbeitung, der persönlichen Begleitung und des Dialogs aufgenommen.

Auch wenn wir uns bewusst sind, dass materielle Hilfe das erfahrene Leid und die verlorenen Lebenschancen der betroffenen Menschen nicht wiedergutmachen kann, beteiligen wir uns in aller Konsequenz am Heimkinderfonds und dessen Aufstockung. Wir setzen uns zudem seit langem für einen Fonds für Betroffene ein, die als Kind in Einrichtungen der Behindertenhilfe und Psychiatrie Leid und Unrecht erfahren haben. Viele diakonische Träger bieten weitere individuelle Hilfen an. 2011 haben EKD und Diakonie die ehemaligen Heimkinder öffentlich um Verzeihung gebeten.

Auch mir ist es ein Anliegen, unser Versagen und unsere Schuld zu bekennen und die Menschen um Verzeihung zu bitten, die in unseren Heimen großes Leid und Unrecht erfahren haben. Das, was dort passiert ist, steht im deutlichen Widerspruch zu unseren christlichen Überzeugungen. Es beschämt mich, dass der Umgang mit den anvertrauten Kindern und Jugendlichen nicht von christlicher Liebe geprägt war.

Heute gilt es Vorkehrungen zu treffen, damit Missbrauch und Gewalt in Einrichtungen der Diakonie nicht mehr geschehen. Dazu zählen z.B. Schutzkonzepte, neutrale Vertrauenspersonen für Kinder und Jugendliche, Rechtekataloge, Informationen und Qualifizierungen der Mitarbeitenden. Mittlerweile gehören diese Maßnahmen zum Standard diakonischer Einrichtungen.“

Der Spielfilm "
FREISTATT" [ siehe @ http://www.freistatt-film.de ], der am 25. Juni bundesweit in den Kinos angelaufen ist, thematisiert die Fürsorgeerziehung in Heimen in der Nachkriegszeit. Freistatt gehört zu den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Dort wurden damals Jungen und junge Männer auf Anordnung der Jugendämter und Gerichte oder auch auf Betreiben der jeweiligen Familien aufgenommen.

Bethel [ siehe @ http://www.bethel.de/ ] hat die Dreharbeiten für den Film maßgeblich unterstützt. Bereits bei der Erarbeitung des Drehbuchs gab es zahlreiche Gespräche und Recherchen in der Ortschaft Freistatt und einen Austausch mit ehemaligen Fürsorgezöglingen, die mit Freistatt auch vorher schon in Kontakt standen. Ganz wesentlich bezieht sich "FREISTATT"-Regisseur Marc Brummund auf die wissenschaftliche Aufarbeitung zur Fürsorgeerziehung in Freistatt, die 2009 im Bethel-Verlag erschienen ist.

Copyright der Bilder auf dieser Seite:
Salzgeber & Co. Medien GmbH


Literaturliste zur evangelischen Heimerziehung nach 1945 (PDF. 11KB) [ http://www.diakonie.de/media/Literatur-evHeimerziehung-nach-1945.pdf
]
.

QUELLE: Diakonie Deutschland / Bethel / Freistatt / Diakonie Freistatt / Bethel im Norden / Diakonie Präsident @ http://www.diakonie.de/freistatt-der-film-16376.html

Und damit soll es dann auch getan sein, meint zumindest die Diakonie Deutschland / die Evangelische Kirche in Deutschland / Bethel ( das „Haus Gottes“ ).
.

Beitrag / Stellungnahme dazu von Boardnutzer »brötchen« vom Mi. 15.07.2015, um 17:36 Uhr (MEZ/CET) im Thread »Freistatt Diakonie Freistatt Bethel ( eigentlich „Anstalt Freistatt im Wietingsmoor“ genannt ).« im HEIMKINDER-FORUM.DE :

[ @
http://heimkinder-forum.de/v4x/index.php/Thread/460-Freistatt-Diakonie-Freistatt-Bethel/?postID=465510#post465510 ]

.
Ich hatte folgende Sätze hier im Februar 2013 mal gepostet. Passiert ist seither mit diesem ehemaligen Verantwortlichen von Freistatt nix. Stattdessen postet die Diakonie eine nichtssagende, schwammige Pressemitteilung. Sie – diese Bodelschwingh-Pastoren – haben sich wie andere Verantwortliche eine goldene Nase auf Kosten der Heimkinder verdient. Hier nochmal meine Sätze von vor zwei Jahren:

"Freistatt war, wie bekannt, eine Einrichtung der von Bodelschwinghschen Anstalten mit der Zentrale in Bielefeld. Der Hauptverantwortliche dort war immer ein von Bodelschwingh. Und was macht nun der jetzige Bodelschwingh? Lesen wir:

.
"Mittlerweile gesteht die Diakonie das Unrecht ein, das sie in Freistatt in der Vergangenheit begangen hat, und beteiligt sich aktiv an seiner Aufarbeitung, allerdings nur so weit, wie sie für die Diakonie keine größeren Kosten verursacht. Das heißt, eine Entschädigung der Opfer für die lebenslangen psychischen, sozialen, teils auch körperlichen Folgeschäden, sowie eine Nachzahlung aufgrund von Zwangsarbeit nicht abgeführter Rentenversicherungsbeiträge fand bisher nicht statt. Ebenso wurden keine Täter und Verantwortliche (die sogenannten “Erzieher”, “Hausväter” und Diakone) für ihre Untaten zur Rechenschaft gezogen." (Aus: "Freistatt und seine Anstalten")
.

Stattdessen kümmert sich der jetzige von Bodelschwingh um Kinder in Tschernobyl: http://www.welt.de/regionales/duesseldorf/article112182308/Lebensweg-war-vorgezeichnet-dann-kam-Tschernobyl.html

Wenn Du also ein ehemaliges Heimkind bist, dass in Freistatt soviel Leid erfahren hat und du wissen möchtest, warum sich Herr von Bodelschwingh als der Verantwortliche für Freistatt nicht darum kümmert, dass Dir endlich Gerechtigkeit widerfährt, dann ruf ihn an und frag ihn das!

von Bodelschwingh, Dietrich
Carl-Diem-Str. 31
32257 Bünde
Tel.: (0 52 23) 9 85 99 46

.

Dietrich von Bodelschwingh (Jg. 1940) war sogar mal Heimleiter, bzw. „Theologischer GeschaftsführervonDiakonische Heime Freistatt“ / „Anstalt Freistatt“ / „Diakonie Freistatt“ / „Bethel im Nordenvom 31.08.1990 bis 01.06.1999; und während der ersten 4-5 Jahre dieses Zeitraums seiner Tätigkeit dort, war dasBethel-eigene Freistätter Torfwerkebenso noch in Betrieb.
.
Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; Freiheit bedarf ständiger Wachsamkeit.“ MM
Benutzeravatar
Martin MITCHELL
 
Beiträge: 1786
Registriert: So Jun 02, 2013 8:47 am
Wohnort: Adelaide, Süd Australien

DIAKONIE - Fürsorgehölle ANSTALT FREISTATT im Wietingsmoor.

Beitragvon Martin MITCHELL » Fr Jul 17, 2015 5:59 am

.
Die Arbeit in den Mooren war schon immer eine schlecht bezahlte Knochenarbeit. Nur wer wirklich keine andere Möglichkeit sah, sein Leben zu fristen, ging freiwillig ins Moor.

Kriegsgefangene wurden bereits im 1. Weltkrieg in die zahlreichen Moore Norddeutschlands geschickt. Streng bewacht und oftmals misshandelt, kultivierten sie große Flächen für die deutsche Landwirtschaft und bauten gleichzeitig den Torf ab, der in erster Linie als Brenn- und Energiemittel zum Einsatz kam.

In Nazi-Deutschland wurden hauptsächlich Kriegsgefangene und KZ-Insassen und natürlich Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen zu Moorarbeiten herangezogen. Streng bewacht, unterernährt, misshandelt, ließen viele ihr Leben im Moor.

Berühmt-berüchtigt wurde das Börgermoor bei Papenburg durch das Lied „Die Moorsoldaten“:


.
„Hier in dieser öden Heide
ist das Lager aufgebaut,
wo wir fern von jeder Freude
hinter Stacheldraht verstaut.
Wir sind die Moorsoldaten
und ziehen mit dem Spaten
ins Moor.

.

( Dies ist die 2. Strophe des Liedes, die hier von mir zitiert wird; der ganze Text ist hier zu finden @ http://www.diz-emslandlager.de/moorlied.htm )

In der Nachkriegszeit wurden sofort Kinder und Jugendliche aus den umliegenden Heimen (besonders „Johannesburg“ und „Freistatt“) in den Mooren zur Arbeit herangezogen. Auch für diese galt: härteste Arbeit, unzureichende Ernährung, kein Lohn für die Knochenarbeit, strengste Bewachung, schlechte Unterbringung, schlechte Kleidung, Misshandlungen durch die “Aufseher”.

Wie dies in den Nachkriegsjahrzehnten für westdeutsche Heimzöglinge in westdeutschen Heimen aussah, spiegelt sich jetzt sehr realitätsnah im aktuell in deutschen Kinos laufenden KINOSPIELFILM "FREISTATT" wider.

Wer sich hier weigert, von Zwangsarbeit zu reden, ist entweder geschichtsblind oder schlicht bösartig!


Torfgewinnung und Torfverarbeitung in deutschen Mooren und Torfwerken - ORTE DER ZWANGASARBEIT
(mit nahegelegenen staatlichen und kirchlichen Heimen/Erziehungseinrichtungen/Anstalten/Lagern zu diesen Torfabbau- und Torfproduktionsstellen)

( Diese Liste ist nicht unbedingt vollständig! )


.
Torf-Werke, Turba, Teufelsmoor; bremische Teufelsmoor
Toten Moor, Neustadt am Rübenberg; Torfwerk Neustadt: im Toten Moor bei Neustadt am Rübenberge
Großmoor: Geschiche des Torfabbaus im Toten Moor
Firma Torfverwertung Poggenmoor und Torfoleumwerk Poggenhagen, Neustadt am Rübenberge, Eduard Eugen Dyckerhoff GmbH, Eduard Eugen Dyckerhof auch Eigentümer der Moorflächen
Geschichte der Saline/Alpentorfwerke Rosenheim, Bayern
Geschichte des größten südostbayrischen Hochmoores - den "Kendlmühlfilzen"
"Kollerfilzen" und "Sterntalerfilzen" bei Raubling (Michael Nickl)
zum Torfwerk Raubling-Nicklheim
Torfwerk Raubling (nahe Rosenheim)
the small torfwerk at Wielhiem in southern Germany
das Torfwerk Schussenried im Wilden und Henauer Ried
Torfbahnhof Rottau
das Torfwerk "Kendlmühlfilz" bei Rottau
1919 gegründeten Verband der Landestorfwerke GmbH, Bayern
Deutsche Torfverwertung GmbH (German Peat Processing Co. Ltd.)
Fabrik für Torfverwertung im … (in Schleswig-Holstein)
Torfwerk Meiners, Schülp bei Nortorf, Rendsburg-Eckernförde, Schleswig-Holstein
Torfwerk Brinkmann; Torfwerk Brinkmann GmbH & Co KG. Hauptstraße 343. 26683 Saterland-Scharrel, zwischen Papenburg und Oldenburg, Niedersachsen
Torfwerk Brinkmann in Skäddel
Torfwerk Brinkmann KG, Scharrel/Oldenburg
Saterland-Scharrel Torfwerk Edewecht GmbH
Edewecht-Husbäke Torfwerk Einfeld, Neumünster
Torfwerk Edewecht in Edewecht
W.A.S. Brenntorfwerk GmbH & Co. KG, Schwaneburger Str. 66, 26169 Friesoythe
Schwaneburgermoor auch Friesoythe-Schwaneburgermoor genannt, Landkreis Cloppenburg
Torfwerk Wittemoor (Nähe Kanalstraße), Oldenburg
Torfwerk Klasmann-Deilmann GmbH, Saterland-Sedelsberg
Torfwerk Klasmann; Torfwerk Klasmann-Deilmann, Surwold-Börgermoor,
100 Jahre Heseper Torfwerk der Firma Klasmann-Deilmann
Gemeinde Geeste, Ortsteil Hesepe der Stadt Bramsche im Osnabrücker Land, im niedersächsischen Landkreis Emsland
Emsland … LÖNINGEN Lastrup 63 Torfwerk Hahnenmoor
Torfwerk Hahnenmoor Grafelder Straße 44
Torfwerke und Humuserzeugnisse: Klasmann-Deilmann GmbH in Saterland, Moorgutsweg 2
Torfwerk Klasmann & Deilmann is next to Sedelsberg
von dem inzwischen stillgelegten Torfwerk Klasmann, das über 50 Jahre hindurch die Abtorfung des Weißen Venns durchgeführt hat
Die Klasmann-Deilmann GmbH ist 1990 aus der Fusion der 1913 gegründeten Klasmann Werke GmbH und der 1920 entstandenen Torfbetriebe der C. Deilmann AG hervorgegangen.
wie der Arbeitsablauf beim Torfwerk Klasmann vonstatten ging und unter welch schwierigen Umständen die Torfarbeiter ihren kargen Lohn verdienen mussten
Torfwerk Klasmann, Werk Vehnemoor, Edewechterdamm
Edewechterdamm-Vehnemoor
Vehnemoor GmbH
Torfwerk Klasmann in Mappen
Torfwerk Klasmann-Deilmann, Werk Twist-Schöningsdorf
Torfwerk Bernhard Hülskamp
50 Jahre Torfindustrie in Velen
Torfgewinnung Velen-Ramsdorf
Torfwerk Klostermoor
Torfwerk Tiste
Torfwerk Klasmann, Velen-Ramsdorf
Torfwerk Klostermoor
Torfwerk Möllenberg, Edewecht
Torfwerk Union, Scharrel
Torfwerk Wirsing, Edewecht
Torf-Werke, Sauensiek
Lager der Torfwerke in Uchte, Landkreis Nienburg/Weser
Zwangsarbeit in Uthlede … Torfwerk
Gefangenenlager am Torfwerk im Himmelmoor
dem Torfwerk des Landesvereins für Innere Mission (in Schleswig-Holstein)
Geschäftsführer des Torfwerkes Moorkultur Ramsloh, ... der Zwangsarbeit auf dem Moorgut Ramsloh
Hoeveler & Dieckhans, Aschendorfer Moor
ins Celler Zuchthaus gekommen und durch die Zwangsarbeit in Torfwerken so schwer …
Die Schweger Moorzentrale im Dammer Moor galt als das größte Torfwerk
In der Region Ravensburg waren dies beispielsweise das Torfwerk in …
Michael Nickl sein Torfwerk in der Kollerfilze
Torfwerk Brinkmann KG
Torfwerk Einfeld
Steinburg … Gelände des Torfwerks
Torfwerkes im Quickborner
in Oberteisendorf und am Forstamt Teisendorf bzw. im Torfwerk Ainring
Arbeiter im Torfwerk Oldendorf
Torfwerk Aschhorn
Das Torfwerk war nachher in Stotel
Gelderblom-Hameln (Rotenburg/Wümme), wo sie in einem Torfwerk arbeiten mussten
Haidgauer Torfwerk
im Torfwerk im Landkreis. Vechta
a 14-year-old Polish girl worked in Torfwerk in Sedelsburg (Sedelsbwerk)
das neuerbaute Torfwerk in Neu Valm
in Feilnbach ein Torfwerk
Torfwerk Haspelmoor bei München
Torfwerk Ainring
Neumarkter Torfverwertung GmbH, Krakau, Kdo, Plaszow
(
1975) [kam ich] mit 15 anderen Gastarbeitern [aus der Türkei] in einem Torfwerk, in der Nähe des kleinen Dorfes Esterwegen im nördlichen Emsland unter: „Man hat uns diese Arbeit gegeben, weil die Deutschen sie nicht wollten.
[2003 meint jemand] „Nach meinem Wissensstand gibt es in Schleswig-Holstein noch genau fünf Torfwerke mit aktiven Feldbahnen“

.

Bei der Zusammenstellung dieser Liste habe ich mich jetzt einfach nur mal auf die kurzen GOOGLE-Index-Zitate – bzw. Zitat-Brocken – beschränkt.
.
Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; Freiheit bedarf ständiger Wachsamkeit.“ MM
Benutzeravatar
Martin MITCHELL
 
Beiträge: 1786
Registriert: So Jun 02, 2013 8:47 am
Wohnort: Adelaide, Süd Australien

VorherigeNächste

Zurück zu evangelische Kinderheimhöllen in Westdeutschland / evangelische Kinderheimhöllen in der Bundesrepublik Deutschland

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron