NEWS: Kinofilm re FREISTATT (boys) u. re VINCENZHEIM (girls)

NEWS: Kinofilm re FREISTATT (boys) u. re VINCENZHEIM (girls)

Beitragvon Martin MITCHELL » So Mär 08, 2015 5:44 am

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Ein Medienbericht zum "KINOSPIELFILM" "VON JETZT AN KEIN ZURÜCK"

DEUTSCHLANDRADIO KULTUR


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Beitrag vom 07.03.2015

KINOFILM ÜBER HEIMERZIEHUNG

"Mir war es wichtig, dass es ein Zeitporträt wird"

[ Interview mit Christian Frosch ]

MODERATION: SUSANNE BURG

[ FOTO: Christian Frosch, Drehbuchautor und Regisseurs des Films "Von jetzt an kein Zurück" (Deutschlandradio Kultur/ Norbert Wassmund) ]

Ein verstörender Film: "Von jetzt an kein Zurück" kommt am Donnerstag [ 12. März 2015 ] [ deutschlandweit ] in die Kinos und erzählt von zwei Kindheiten im Heim. Im Interview spricht der Regisseur Christian Frosch darüber, was ihn an dem Thema interessiert hat und warum es für ihn bis heute so wichtig ist.

SUSANNE BURG: "Von jetzt an kein Zurück" heißt ein Film, der am Donnerstag in den deutschen Kinos anläuft. Und der Film zeigt: In der deutschen Provinz der späten 60er-Jahre aufzuwachsen, weit weg von den großstädtischen Zentren der 68er-Bewegung, war alles andere als ein Vergnügen für Jugendliche, die Beatmusik liebten und gegen alle Spießigkeit randalierten. "Von jetzt an kein Zurück" erzählt die Geschichte der beiden Schüler Martin und Ruby, die infiziert sind vom Schwung ihrer Generation, die sich lieben und die die Repressalien mit aller Härte zu spüren bekommen. Ruby, gespielt von Victoria Schulz, landet in einem geschlossenen katholischen Heim, Martin, gespielt von Anton Spieker, in der gefürchteten Erziehungsanstalt der Diakonie Freistatt.

[ ……… ]

BURG: Der Drehbuchautor und Regisseur des Films ist Christian Frosch. Und er ist jetzt hier im Studio, guten Tag!

CHRISTIAN FROSCH: Schönen guten Tag!

BURG: Ja, der Film ist lange in Ihnen gereift. Sie haben sich mit der Situation der Heimkinder schon auseinandergesetzt, bevor es zum öffentlichen Thema wurde. Wie haben Sie sich diesem Thema angenähert?

FROSCH: Na ja, die erste war wirklich eine persönliche Begegnung, dass mir jemand, der in so einem Heim war, diese Geschichte erzählt hat, und ich das wirklich nicht glauben konnte, dass in der Bundesrepublik Deutschland in den 60er-Jahren so was möglich war. Und dann fängt man an zu recherchieren und merkt, oh, das hat es alles gegeben, und zwar nicht als Randphänomen, sondern die Schätzungen von Jugendlichen, die in diese Art von Erziehung geraten sind in der Nachkriegszeit, sind so zwischen 800.000 und einer Million. Also, das ist kein so ein kleines Phänomen.

BURG: Und dann kam 2006 das Buch "Schläge im Namen des Herrn" von Peter Wensierski heraus, die Situation der Heimkinder in der Bundesrepublik war plötzlich überall in den Medien. Wie hat das Ihre Pläne für den Film beeinflusst?

FROSCH: Ja, so als Künstlerschwein ist es natürlich schon so, dass man denkt, diese Art von Aktualität brauche ich für einen Spielfilm eigentlich nicht. Ein Spielfilm muss sozusagen jenseits der Aktualität Qualitäten haben. Das Thema zum Film ist vielleicht ein Denken, was im Fernsehen funktioniert, aber das Kino muss meiner Meinung nach andere Spannungen aufbauen.

"Eine reine Heimgeschichte bringt nicht so wahnsinnig viel"

BURG: Und das heißt, Sie haben ja dann noch die Geschichte von Ruby und Martin vor ihrer Einweisung ins Heim erzählt. War das dann auch die Überlegung, diese Geschichte zu erweitern?

FROSCH: Ja, ich bin dann halt irgendwie zu dem Schluss gekommen, dass eine reine Heimgeschichte auch nicht so wahnsinnig viel bringt. Mir war dann aber wichtig, dass es ein Zeitporträt wird. Es spielt ja zwischen 67 und 77, also wirklich in der Bundesrepublik zehn wichtige Jahre, wo sehr viel passiert ist. Diese politischen Dinge spielen nur am Rand rein, aber sie sind eigentlich doch präsent. Und mir wurde dann halt wichtiger zu zeigen, dass es ein Vorher, Nachher, einen Kontext gibt. Man könnte auch sagen, der Film geht um die Wiedergabe des Traumas, oder Weitergabe des Traumas.

BURG: Des Traumas der Elterngeneration, die aus dem Zweiten Weltkrieg nach Hause gekommen sind und eigentlich damit nie gelernt haben umzugehen und das dann auch an ihre Kinder weitergegeben haben.

FROSCH: Genau. Das ist irgendwie ... mir eigentlich ... Ich bin 66 geboren, also, es ist nicht so wahnsinnig weit weg, aber mir ist es eigentlich – und das ist eigentlich ein bisschen peinlich – in der Recherche erst auch bewusst geworden, wie nahe der Krieg ist. Also, dass das so ein paar Jahre sind letztendlich. Und irgendwie hat man immer so ein Gefühl, die 60er-Jahre sind schon ganz weit weg vom Zweiten Weltkrieg. Und dass das so nahe ist, das ist mir erst mal so richtig emotional bewusst geworden. Und ich glaube, das ist auch in dem Film eine wichtige Schiene, dass man spürt, der Krieg und der Nachkrieg sind noch präsent.

Ob Katholizismus oder Protestantismus - "genauso brutal"

BURG: Sie schneiden die Erfahrungen von Ruby und Martin abwechselnd so gegeneinander, als sie dann im Heim sind. Sie ist eben im katholischen Heim, muss bügeln und singen, er ist in Freistatt, muss im Moor Torf stechen. Die körperlichen Torturen sind vor allem für Martin enorm, auch die Jungs untereinander sind unglaublich brutal. Bei den Mädchen geht es körperlich nicht ganz so brutal zu, aber wie vergleichbar sind die Systeme dieser Züchtigung dennoch?

FROSCH: Na ja, ich würde mal sagen, die protestantische Tradition oder ein Teil der protestantischen Tradition hat ja so einen Verdammnisaspekt, also jemand, der verdammt ist und deshalb auch hart angefasst werden muss. Das Katholische kennt das in der Form nicht, hat sozusagen immer so einen vermeintlich pädagogischen Ansatz oder Rettungsansatz, Seelenansatz. Letztendlich kommt es auf dasselbe hinaus, letztendlich ist es genauso brutal.

BURG: Nun kann man sich fast diese Enge der Welt, diese Züchtigung in den Heimen heute kaum mehr vorstellen. Sie machen es dann in einzelnen Szenen deutlich, indem Sie zum Beispiel Ruby beim Essen zeigen: Sie bekommt das Essen vorgesetzt, sie kriegt es nicht runter, eine Nonne steht neben ihr und zwingt sie, Ruby erbricht das Essen in den Teller hinein und die Nonne verrührt es dann seelenruhig, stellt den Teller wieder vor Ruby. Diese Szene geht gefühlt relativ lange. Wie viel wollten Sie dem Zuschauer denn auch bewusst, ich sage mal, mitquälen, um diese Atmosphäre nachfühlbar zu machen?

FROSCH: Ich habe keine Horrorshow ... Die hätte man auch machen können. Es passieren in diesen Heimen so wahnsinnig viel Sachen, man könnte da eine Aneinanderreihung von Sadismen machen, das wollte ich nicht. Ja, ich glaube, die Szene tut weh, aber die war notwendig.

BURG: Sie sagten eben, Sie wollten keine Horrorshow daraus machen. Es ist ja auch interessant, was Sie nicht zeigen. Also, beim Höhepunkt des Films, ich will jetzt nicht verraten, wie der aussieht, aber so abstrakt gesagt, wo Repression und Ausbruchsversuch kulminieren, brechen Sie radikal ab und arbeiten dann mit Sounds und mit roten, blinkenden Bildern. Wie haben Sie entschieden, was Sie zeigen und was nicht?

FROSCH: Ich habe die ganze Schiene des sexuellen Missbrauchs nicht erzählt. Das ist so noch mal ein ganz eigenes, sehr sensibles Feld, das wollte ich nicht auch noch reinpacken. Und dann, an dem Höhepunkt abzubrechen, das hat damit zu tun, dass im dritten Akt das Trauma aktiv wird. Da springt die Zeit auch permanent. Und Traumata sind ja irgendwie Ereignisse aus der Vergangenheit, die sich eine Gegenwart verschaffen. Und diesen Ansatz habe ich formal realisiert im dritten Akt. Deshalb gibt es da plötzlich so eine gewisse zeitliche Desorientierung.

"Es kann kein Happy End geben"

BURG: Genau, diesem Teil, dem räumen Sie eigentlich gar nicht so viel Zeit ein. Und da geht es eben, genau, um diese Traumata. Das ist 1977, die beiden sind älter geworden und man merkt irgendwie so, sie haben Schwierigkeiten, mit ihrem Leben klarzukommen. Ich habe mich gefragt, kann man diese Wunden denn tatsächlich auch darstellen, die die Heimkinder davongetragen haben?

FROSCH: Also, für mich war es klar – und jetzt verrate ich auch wieder was –, dass es kein Happy End geben kann. Also, dass sie zum Schluss – Romeo und Julia – sich finden und war nicht so schlimm und unsere Liebe rettet uns, das kam mir doch verlogen vor.

BURG: Martin radikalisiert sich, das zeigen Sie, beginnt, sich terroristisch zu engagieren. Ulrike Meinhof hat ja 1970 ein Drehbuch zum Film "Bambule" geschrieben, in dem es auch um die autoritären Methoden bei der Heimerziehung in einem Mädchenheim geht, und im Film wird auch in gewisser Weise zum Klassenkampf aufgefordert. Wie sehr wollten Sie auch diesen Bezug zur Radikalisierung der Linken in der Zeit darstellen?

FROSCH: Wenn man eine Geschichte im Heim erzählt in den späten 60er-Jahren, da war das sozusagen eine wirkliche Bewegung von der APO, und auch die spätere RAF hat sich wahnsinnig engagiert gegen diese geschlossene Erziehung. Also, da gab es Heimkinder, die dann zur RAF gingen, wie Boock oder so. Also, nach dem, was Martin durchmacht, dass er zu dem Punkt kommt, dass er nur mehr in Gewalt eine Möglichkeit sieht, ist jetzt nicht an den Haaren herbeigezogen, weil er nichts anderes erlebt hat. Genauso wie Ruby eigentlich gläubig ist und die Nonnen ihr den Glauben austreiben. Das ist die Ironie des Films.

BURG: Der Film ist mit ziemlich kleinem Budget gedreht, vor allem, wenn man bedenkt, dass es ja auch ... dass der Film eine große Zeitspanne einnimmt, dass er viele Statisten hat, auch ein historisches Ambiente rekreiert. Wie schwierig war es, das umzusetzen?

FROSCH: Also, Leidensgeschichten von Filmemachern sind das Uninteressanteste, was es gibt. Es war die Hölle und ich hatte halt wirklich Leute, die mitgemacht haben und Unmögliches wahr gemacht haben. Das klingt jetzt auch wie ein blödes Klischee, aber in dem Fall war das so.

Auf die Handkamera vertraut

BURG: Sie haben beschlossen, dann vor allem auch auf die Handkamera zu vertrauen.

FROSCH: Ja, das war sicher auch eine Budgetgeschichte. Das andere war, dass ich wollte, dass der Film eine gewisse Rauigkeit hat und auch erinnert an 60er-Jahre-Filme. Wenn man jetzt so eine historische Geschichte macht, gibt es sozusagen zwei Möglichkeiten: Entweder man steckt alles in die Ausstattung, oder man versucht, den Geist und das Formale auch wiederzugeben. Und das ist eine Budgetgeschichte. Ich musste mich sozusagen für die formale Lösung entscheiden.

BURG: Was daraus geworden ist, das kann man sich jetzt im Kino anschauen ab nächstem Donnerstag. "Von jetzt an kein Zurück", so heißt der Film, und der Drehbuchautor und Regisseur ist Christian Frosch. Vielen Dank für Ihren Besuch!

FROSCH: Ich danke!

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QUELLE: http://www.deutschlandradiokultur.de/kinofilm-ueber-heimerziehung-mir-war-es-wichtig-dass-es-ein.2168.de.html?dram%3Aarticle_id=313609
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NEWS: Kinofilm re FREISTATT (boys) u. re VINCENZHEIM (girls)

Beitragvon Martin MITCHELL » Mo Mär 09, 2015 4:56 am

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Mann weigert sich auch weiterhin – in diesen beiden Heimkinderforen-OST: [ die Heimkinder-Community ] http://www.imheim.net und [ das Seppel-Forum / Treffpunkt ehemaliger Heimkinder / Regenbogenstadt ] http://www.kinder-heim.de – dem neuen "KINOSPIELFILM" von Christian Frosch, "VON JETZT AN KEIN ZURÜCK", der von der repressiven bundesrepublikanischen Heimerziehung der späten 1940er, der 1950er, der 1960er und der 1970er Jahre handelt, und der ab dem 12. März 2015 deutschlandweit in allen Kinos erscheinen wird, auch nur die geringste Aufmerksamkeit zu schenken / auch nur mit einem Wort zu erwähnen.
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Beitragvon Martin MITCHELL » Di Mär 10, 2015 8:19 am

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In einem anderen Heimkinderforum im Internet meint ein ehemaliges Heimkind-OST (männlich) ich wüßte ja warum die zwei von mir namentlich genannten Heimkinderforen-OST nichts mit dem "KINOSPIELFILM" über Heimkinder-WEST zu tun haben wollen, und dass mein Hervorheben dieser Tatsache „Hetze“ sei und das Ganze „nicht besser mache“. In dem gleichen Heimkinderforum meint ein anderes ehemaliges Heimkind-OST (weiblich), dass ich doch „bitte“ diese meine „eigene“ / „einzigartige“ / „ungewöhnliche“ / „aufdringliche Art“ der „Formatierung“ der „Schriftsätze“ meiner „Beiträge“ „ändern“ solle, dann würden meinen Beiträge auch gelesen werden. – Jeder darf natürlich seine eigene Meinung DAZU haben, und diese auch vertreten; ich brauche diese Meinung aber nicht unbedingt teilen; und in diesem Fall teile ich sie eben nicht.

Ich lege die Situation wie folgt aus:


Die automatisierte Aufführung im Portal des Forums – in jedem Forum – der „Zugriffe“ / "Views" ist eine gute Indikation ob etwas in einem bestimmten Thread – in jedem jeweiligen Thread – gelesen wird, oder nicht. Ich kann mich diesbezüglich durchaus zufrieden geben. Und wenn es hier nicht gelesen wird, wird es halt anderswo gelesen (ich sorge wie immer vor).

Beitrag von Ehemaliges Heimkind Martin MITCHELL / »martini« vom Montag, 9. März 2015 (früh morgens):

Martin MITCHELL hat geschrieben:.
Mann weigert sich auch weiterhin – in diesen beiden Heimkinderforen-OST: [ die Heimkinder-Community ] http://www.imheim.net und [ das Seppel-Forum / Treffpunkt ehemaliger Heimkinder / Regenbogenstadt ] http://www.kinder-heim.de – dem neuen "KINOSPIELFILM" von Christian Frosch, "VON JETZT AN KEIN ZURÜCK", der von der repressiven bundesrepublikanischen Heimerziehung der späten 1940er, der 1950er, der 1960er und der 1970er Jahre handelt, und der ab dem 12. März 2015 deutschlandweit in allen Kinos erscheinen wird, auch nur die geringste Aufmerksamkeit zu schenken / auch nur mit einem Wort zu erwähnen.
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Die Betreiber dieser beiden Heimkinderforen-OST sind gebürtige Ostdeutsche und identifizieren sich wenig bis garnicht mit Ehemaligen Heimkindern-WEST.

Die Erziehungsanstalt für Jungen „FREISTATT im Wietingsmoor“ auch „DIAKONIE FREISTATT“ genannt, betrieben mit sich freiwillig zu diesem Dienst meldenden Diakonen, und auch das Mädchenerziehungsheim „Dortmunder Vincenzheim“, betrieben mit sich freiwillig diesem Dienst hingebenden Nonnen, liegen nicht im OSTEN, sondern im WESTEN.

„FREISTATT im Wietingsmoor“ auch „DIAKONIE FREISTATT“ genannt, und das „Dortmunder Vincenzheim“ waren keine 'Jugendwerkhöfe' und auch keine 'Spezialkinderheime' (wie solche vergleichbaren 'Heime' damals im OSTEN genannt wurden).

Diejenigen, die die Kinder und Jugendlichen damals im WESTEN misshandelten waren keine Kommunisten und SED-Parteigenossen, sondern KIRCHENLEUTE und verstanden sich alle als GUTE CHRISTEN.

Der jugendliche Hauptdarsteller in diesem "
KINOSPIELFILM", heißt zufällig „Martin“ und nicht „Seppel“, und die jugendliche Hauptdarstellerin in diesem Film heißt zufällig „Ruby“ und nicht „Angel“.

Und weil ich selbst, bevor ich noch als Teenager nach Australien entfliehen konnte, als Jugendlicher zufällig in genau diesem „FREISTATT“ eingesperrt war und dort gezwangarbeitet wurde und mein Vorname zufällig „Martin“ ist, glauben manche Leute im OSTEN – und wohl auch diese ostdeutschen Heimkinderforen-Betreiber: „Seppel“ und „Angel“ – dass dieser Film meine Geschichte erzählt, die Geschichte eines „damals westdeutschen Heimkindes“ erzählt, der sich „nach Australien davon gemacht hat“ und heute „Ausländer ist“.

Und „für diesen Ausländer und seinen Film und diese Heimkinder-WEST-Geschichte machen wir hier im OSTEN keine Werbung“.

So ungefähr werden wohl deren Gedankengänge sein.

Nachvollziehen kann ich deren diesbezügliche ablehnende Gedankengänge und Haltung trotzdem nicht; nur weiß ich, dass sie sich selbst und ihren Forenmitgliedern – Ehemaligen Heimkindern – mit solch einer Attitude keinen Gefallen tun.

Der Drehbuchautor und Regisseur dieses "
KINOSPIELFILMS" "VON JETZT AN KEIN ZURÜCK", Christian Frosch, bevor er erstmalig am Sa. 14.02.2015 Kontakt mit mir aufnahm, und ich, kannten uns zuvor nicht. Und dieser sein jetziger "KINOSPIELFILM", nur weil er von Heimkindern im WESTEN handelt, und nicht von Heimkindern im OSTEN handelt, ist daher noch lange keine Verschwörung gegen Ehemalige Heimkinder-OST und ihr vergleichbar schweres Leid zu DDR Zeiten.

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Zuletzt geändert von Martin MITCHELL am Mi Sep 09, 2015 2:33 pm, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Martin MITCHELL » Do Mär 12, 2015 3:11 am

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KINOFILM über die damalige Heimerziehung in der BRD (beginnt 12. März 2015)

"KINOSPIELFILM" "VON JETZT AN KEIN ZURÜCK"

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Start bundesweit am 12.03.2015 in 16 Städten und ausgewählten Programm-Kinos:
● Augsburg: Savoy
● Berlin: Moviemento, Central Kino, Kino in der Kulturbrauerei, Tilsiter Lichtspiele, Filmkunst 66, Kino in der Brotfabrik;
● Dresden: Kino im Dach
● Dortmund: sweetSixteen-Kino
● Düsseldorf: Bambi-Filmstudio
● Erfurt: Kinoklub am Hirschlachufer
● Frankfurt/Main: Mal sehn Kino
● Freiburg/Breisgau: Friedrichsbau_Apollo
● Hamburg: 3001 Kino
● Hannover: Kino im Künstlerhaus
● Köln: Filmhauskino
● Leipzig: Schaubühne Lindenfels
● Lüneburg: Scala Programmkino
● Mannheim: Cineplex Mannheim
● München: Monopol Kinos
● Nürnberg: Casablanca Filmkunsttheater

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QUELLE: hpd - Humanistischer Pressedienst @ http://hpd.de/veranstaltungen?action=cal&id=1239&tab=cal_single [ Film-Terminansage erstmalig veröffentlicht hier Anfang März 2015 ]

Von den christlichen Kirchen um deren damalige Erziehungseinrichtungen es sich ja in diesem "
KINOSPIELFILM" handelt, hört man DAZU bisher garnichts.

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Beitragvon Martin MITCHELL » Fr Mär 13, 2015 5:37 am

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KINOFILM über die damalige Heimerziehung in der BRD (beginnt 12. März 2015)

"KINOSPIELFILM" "VON JETZT AN KEIN ZURÜCK"

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Franziska01 – am 25.02.2015

Empfehlung

Hatte den Film in Oldenburg beim Festival gesehen und finde Victoria Schulz hat den Preis für die beste Schauspielerische Leistung mehr als verdient. Ein deutscher Film, der einem nicht nur zu Herzen geht, sondern sich in jeder Beziehung vom üblichen Fernsehbrei und Till Schweiger Nonsense abhebt.

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QUELLE: http://www.cinema.de/film/von-jetzt-an-kein-zurueck,6408188.html ( bitte dort runter scrollen )


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"KINOSPIELFILM" "VON JETZT AN KEIN ZURÜCK"

Event in Berlin

Richard-Sorge-Straße 25a, Berlin-Friedrichshain

Samstag, 14 März 2015, 20:30 Uhr

Organisiert von: Tilsiter Lichtspiele

Kino in Friedrichshain seit 1908! - Das über 100 Jahre alte Berliner Kultkino mit Kneipe versorgt euch jeden Abend mit Filmkunst und selbstgebrautem Bier. Tilsiter Käse gibt es keinen, nur den Namen von der früheren Tilsiter Straße. Gehört zur Kino-Troika Friedrichshain TILSIT - POMPEJI - ZUKUNFT.

"
VON JETZT AN KEIN ZURÜCK"
http://www.vonjetztan-film.de
14. März in Anwesenheit von Regisseur Christian Frosch und Hauptdarsteller Anton Spieker

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QUELLE: http://www.wherevent.com/detail/Tilsiter-Lichtspiele-VON-JETZT-AN-KEIN-ZURUeCK-in-Anw-von-Regisseur-Christian-Frosch-und-Anton-Spieker


Die TAGESSPIEGEL Redakteurin, Christiane Peitz (Jg. 1959), die das Kulturressort des Tagesspiegels leitet, kürzlich, summierte den FILM wie folgt:

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Gut, dass der FILM erneut das Schweigen über die Heimkinder bricht. Nicht gut, dass er seine Helden auf den Opferstatus reduziert. Ruby, die alkoholsüchtige Schlagersängerin in den Siebzigern, Martin, der bei der RAF und im Knast landet – sie sind verloren. Ist der Mensch nicht mehr als das Ergebnis seiner Erziehung?
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QUELLE: DER TAGESSPIEGEL @ http://www.tagesspiegel.de/kultur/schwarz-weiss-film-von-jetzt-an-kein-zurueck-wer-ins-heim-kommt-ist-ein-nichts/11490796.html
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Beitragvon Martin MITCHELL » Fr Mär 13, 2015 9:15 am

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Ich persönlich habe beim TAGESSPIEGEL zum "KINOSPIELFILM" "VON JETZT AN KEIN ZURÜCK" folgenden Leserkommentar abgegeben:

Beitrag getätigt von MartinMITCHELL am Fr. 13.03.2015, um 04:31 Uhr

@
http://www.tagesspiegel.de/kultur/schwarz-weiss-film-von-jetzt-an-kein-zurueck-wer-ins-heim-kommt-ist-ein-nichts/11490796.html ( bitte dort ganz weit nach unten scrollen )


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Wer ins Heim kommt, ist ein Nichts

Ich als ex-FREISTÄTTER der frühen 1960er Jahre bin folgender Meinnung: Dieser Kinospielfilm "
VON JETZT AN KEIN ZURÜCK" ist mit ziemlich kleinem Budget gedreht und hat auch nicht unbedingt den Zuspruch der Kirchen. Zumindest ist dieser Kinospielfilm aber realitätsnah und nicht an der Wahrheit vorbei. Diese verbrecherische Art von Umgang mit Kindern und Jugendlichen in der Heimerziehung in den Nachkriegsjahrzehnten in Westdeutschland – sowohl wie auch in der DDR – hat tatsächlich vielfach ihr weiteres Leben zerstört; und nur dadurch sind sie zu Opfern geworden; und auch viele leben daher schon lange nicht mehr; und wieder andere von ihnen fristen daher heute nur noch ihr Dasein (auch weil Kirche und Staat, und die an ihrer Zwangsarbeit beteiligten Firmen, Landwirte und Großgrundbesitzer, sie einfach nicht „angemessen entschädigen“ wollen). Es ist also nicht, dass die Opfer ihren „Opferstatus“ feiern. Es kann einfach nicht unter diesen hunderttausendfachen gleichlautenden Umständen und Biographien ein »Happy End« geben. Der Film ist »exactly on the mark«.
Dieser Beitrag wurde verfasst und getätigt von Martin MITCHELL in Australien, der im Alter von 17½ Jahren, unmittelbar aus FREISTATT kommend, im März 1964 nach Australien entfliehen konnte.

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Zuletzt geändert von Martin MITCHELL am Mi Mär 18, 2015 12:36 pm, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Martin MITCHELL » Fr Mär 13, 2015 11:35 pm

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KINOFILM über die damalige Heimerziehung in der BRD (beginnt 12. März 2015)

"KINOSPIELFILM" "VON JETZT AN KEIN ZURÜCK"

DIE WELT @ http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article138313929/Die-Brutalitaet-einer-Generation-ist-die-Verrohung-der-naechsten.html

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DIE WELT

12.03.2015

Von Reiner Reitsamer [
http://about.me/reiner.reitsamer ]


Die Brutalität einer Generation ist die Verrohung der nächsten

Der Kinofilm "Von jetzt an kein zurück" schickt ein Liebespaar in die Schrecken der christlichen Heimerziehung

Freddy Quinn verliert fast die Fassung. "Ihr lungert herum in Parks und in Gassen, wer kann eure sinnlose Faulheit nicht fassen? Wir!", brummt er. "Wer ist so gelangweilt, so maßlos verblendet? Ihr! Ihr! Ihr!" So wettert der Schlagersänger gegen Nichtstuer und Gammler, gegen all die jungen Menschen, die in seinen Augen "nur protestieren, bis nichts mehr da ist zum protestieren".

Mit Quinns Lied "Wir" beginnt dieser Film. Es erschien 1966. Quinn, damals selbst erst 35, stellte sich damit auf die Seite der Generation, die Deutschland nach dem Krieg aufgebaut hatte. Recht und Ordnung waren wieder hergestellt, die Wirtschaft blühte. Da drohten die eigenen Kinder, alles wieder umzuwerfen. Sie rauchten Hasch und proklamierten freie Liebe. Kein Wunder, dass es die Eltern mit der Angst zu tun bekamen.

In der westdeutschen Provinz regieren 1967 noch Zucht und Moral. Doch auch hier schleichen sich erste subversive Elemente ein: lange Haare, kurze Röcke, lärmende Beatmusik. Rosemarie (gespielt von Victoria Schulz) ist schon davon angesteckt. Sonntags singt sie im Kirchenchor, unter der Woche arbeitet sie heimlich im Plattenladen. Sie nennt sich Ruby und steht auf den krachenden Garagen-Rock der Monks. Klar, dass jemand wie sie sich in Martin (Anton Spieker) verliebt. Der philosophiert im Unterricht über Rimbaud und schreibt renitente Gedichte für Ruby: "Beiß in den Apfel, Schneewittchen, willst du ewig mit Zwergen leben?"

Martin hat selbst allen Grund auszubrechen: Seine Mutter hat die Familie verlassen, sein Vater ist als psychisches Wrack aus dem Krieg heimgekehrt. Bei Ruby sieht es nicht rosiger aus. Ihr Vater regiert den Haushalt mit strenger Hand. Martin und Ruby beschließen, zusammen abzuhauen. Doch das Vorhaben misslingt: Nach einem Unfall werden die beiden von der Polizei aufgegriffen. Das Jugendamt steckt sie ins Heim. Begründung: "drohende sexuelle Verwahrlosung" und "Arbeitsbummelei". Martin kommt in die Erziehungsanstalt der Diakonie Freistatt, Ruby landet statt bei den Monks bei den Barmherzigen Schwestern. Dort geht der Terror erst richtig los: Die Nonnen schikanieren die "gefallenen Mädchen". In einer zermürbenden Szene wird Ruby gezwungen, ihr Mittagessen hinunterzuwürgen. Als sie sich übergibt, verrührt die aufsichtshabende Schwester das Erbrochene im Teller und befiehlt ihr, weiterzuessen.

Währenddessen muss Martin in Freistatt Torf stechen. Im Moor patrouillieren die Erzieher mit Peitsche und Pistole wie KZ-Aufseher. Wenn die Zöglinge nicht parieren, werden sie geschlagen oder in die Isolierzelle gesteckt.

Bis in die frühen 70er-Jahre ging es Hunderttausenden Jugendlichen wie Martin und Ruby. Schon ein Verdacht auf einen unsittlichen Lebenswandel konnte dazu führen, dass junge Menschen über Jahre hinweg in einer der rund 3000 Erziehungsanstalten der Bundesrepublik verschwanden. Unter dem Vorwand, sie als nützliche Mitglieder der Gesellschaft mit christlichen Werten zu rehabilitieren, wurden sie misshandelt und als billige Arbeitskräfte ausgebeutet. Viele trugen bleibende Schäden davon. Manchmal gingen psychisch gestörte Straftäter wie der Kindermörder Jürgen Bartsch aus den Heimen hervor.

Jahrzehntelang war wenig über das volle Ausmaß des Missbrauchs bekannt. Erst als der "Spiegel"-Journalist Peter Wensierski das verdrängte Kapitel 2006 in seinem Buch "Schläge im Namen des Herrn" aufrollte, begann eine öffentliche Diskussion darüber, die dazu führte, dass ein Hilfsfonds von 120 Millionen Euro für die Opfer eingerichtet wurde.

Bereits 1970 hatte die Journalistin Ulrike Meinhof ein Drehbuch über die Missstände in Fürsorgeheimen geschrieben: In "Bambule" organisieren die Insassinnen eines Heims eine Revolte gegen die Erzieherinnen. Zehn Tage, bevor der Film am 24. Mai 1970 in der ARD gezeigt werden sollte, beteiligte sich Meinhof an der gewaltsamen Befreiung des inhaftierten Andreas Baader. Meinhof wurde selbst zur Gesuchten, "Bambule" verschwand bis 1994 im Archiv.

Der Österreicher Christian Frosch ("Weiße Lilien") ist nun der erste Regisseur, der das Schicksal der deutschen Heimkinder in einem Kinofilm verarbeitet hat. Die mit der Handkamera gedrehten Schwarz-Weiß-Bilder erinnern an den dokumentarischen Stil von "Bambule". Inhaltlich hat "Von jetzt an kein zurück" mehr mit Michael Hanekes "Das weiße Band" gemeinsam: Beide Filme erzählen wie die Brutalität einer Generation zur Verrohung der nächsten führt. Bei Haneke reifen jene heran, die den Ersten Weltkrieg auslösen. Bei Frosch werden die Kinder zu Alkoholikern und Terroristen herangezüchtet. "Es hilft nur Gewalt, wo Gewalt herrscht", lautet die Erkenntnis, die der anfangs so einfühlsame Martin im Heim gewinnt.

Als er Ruby nach Jahren wiedersieht, ist nichts mehr übrig von den romantischen jungen Menschen, die sie einmal waren. Er verspottet sie, weil sie ihre Liebe für Rock `n` Roll einer Karriere als Schlagersängerin geopfert hat. Sie kontert, indem sie eines seiner Gedichte verhunzt. Die Neulinge Schulz und Spieker spielen ihre Rollen sehr natürlich, besonders in dieser Szene, die eine der glaubwürdigsten im ganzen Film ist.

An anderen Stellen wirkt "Von jetzt an zurück" etwas plakativ. Ben Becker ist als Rubys polternder Vater so vorhersehbar besetzt wie Erni Mangold als hexenhafte Oberschwester. Die Antagonisten bleiben eindimensional, das Drehbuch gesteht ihnen nur zwei Charaktereigenschaften zu: Sadismus und Feigheit.

"Von jetzt an kein zurück" ist dennoch einfühlsam und spannend erzählt. Es ist ein ehrenwerter Versuch, einem wichtigen Thema gerecht zu werden.

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QUELLE: DIE WELT @ http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article138313929/Die-Brutalitaet-einer-Generation-ist-die-Verrohung-der-naechsten.html

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Und siehe auch den gleichen Artikel noch einmal in DIE WELT, unter einer noch anderen Überschrift und Einleitung, in der Rubrik, „KULTUR“ und „HEIMERZIEHUNG“, am 13.03.2015:

DIE WELT @ http://www.welt.de/kultur/kino/article138345160/Gewalt-kennt-keine-Generationengrenzen.html

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DIE WELT

13.03.2015

Von Reiner Reitsamer [
http://about.me/reiner.reitsamer ]


Gewalt kennt keine Generationengrenzen

Der Film "Von jetzt an kein Zurück" schickt ein Liebespaar zurück in die Sechzigerjahre und die Schrecken der christlichen Heimerziehung. So weit zurück reicht die Debatte. Nun kommt sie ins Kino.
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NEWS: Kinofilm re FREISTATT (boys) u. re VINCENZHEIM (girls)

Beitragvon Martin MITCHELL » So Mär 15, 2015 4:09 am

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KINOFILM über die damalige Heimerziehung in der BRD (beginnt 12. März 2015)

"KINOSPIELFILM" "VON JETZT AN KEIN ZURÜCK"

Eine Film-Kritik veröffentlicht in der

Berliner Morgenpost

Thomas Abeltshauser [ Freier Filmjournalist ] [ http://www.filmjournalist.de/ ]

12.03.2015DRAMA @
http://www.morgenpost.de/printarchiv/top-bmlive/article138314295/Raus-aus-der-Spiessigkeit.html


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Raus aus der Spießigkeit

Tragische Liebesgeschichte gegen alle Widrigkeiten: "Von jetzt an kein Zurück"

Von Thomas Abeltshauser

Ruby heißt eigentlich Rosemarie. Ihr ist der Mief in der deutschen Provinz im Jahr 1968 zu erdrückend, sie will ein anderes Leben. Größer, freier, wilder. Ein neuer Name ist ein Anfang, ein funkelndes Versprechen in der grauen, alles gleichmachenden Trübnis. Sie singt im Kirchenchor, träumt aber von der Karriere als Rocksängerin.

Mit ihrem Freund Martin (Anton Spieker) kann sich Ruby (Victoria Schulz) nur heimlich treffen, der katholisch-tyrannische Vater (Ben Becker) verbietet ihr den Umgang mit dem "Asozialen" ebenso wie Beatmusik und vermeintlich zu kurze Röcke. Martin lebt mit seinem durch den Krieg traumatisierten Vater und der Großmutter in erbärmlichen Verhältnissen, im Unterricht zitiert er den Skandaldichter Rimbaud und will selbst Schriftsteller werden. Zu große Lebensträume in der engstirnigen, autoritätshörigen Nachkriegs-BRD. Mit ihrem unbedingten Freiheitsdrang ecken die beiden immer wieder an. Bei ihren Eltern, den Lehrern, überall.

Als sie die Spießigkeit nicht mehr aushalten, brennen sie zusammen durch. Doch die Flucht endet jäh. Ruby kommt in ein Heim der "Barmherzigen Schwestern", Martin in das berüchtigte Erziehungsheim der Diakonie in Freistatt. Getrennt voneinander versuchen sie in einem Umfeld zu überleben, das nur ihren Willen brechen will. Zehn Jahre später zieht Ruby eine bittere Bilanz.

"Von jetzt an kein zurück" ist eine tragische Liebesgeschichte über das Drama des Erwachsenwerdens in den alles Freiheitliche erstickenden Nachkriegsjahrzehnten, erzählt als soziopsychologischer Horrorfilm. Regisseur und Drehbuchautor Christian Frosch bleibt in seiner autobiographisch geprägten, penibel recherchierten Perspektive bis zuletzt unversöhnlich. Formal lehnt sich sein Film mit der nervösen Handkamera, dem elliptisch-assoziativen Erzählen und visuellen Wechseln an die Nouvelle Vague der 60er-Jahre an und liefert damit ein wohltuendes Gegenbild zum dominierenden Fernsehformat deutscher Kinofilme. So rigoros sein Stilwille, ist ihm die Geschichte dramaturgisch jedoch immer wieder arg didaktisch und schwarzweiß geraten.

Herausragend sind die beiden Hauptdarsteller, allen voran die Berlinerin Victoria Schulz, die gerade auf der Berlinale in "Dora oder die sexuellen Neurosen unserer Eltern" in der Rolle einer geistig Behinderten begeisterte. Sie ist die eigentliche Entdeckung dieses Films.

Drama: D/Ö 2013, 108 min., von Christian Frosch, mit Victoria Schulz, Anton Spieker, Ben Becker

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QUELLE: http://www.morgenpost.de/printarchiv/top-bmlive/article138314295/Raus-aus-der-Spiessigkeit.html
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NEWS: Kinofilm re FREISTATT (boys) u. re VINCENZHEIM (gi

Beitragvon Martin MITCHELL » Mo Mär 16, 2015 7:05 am

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Und auch der hpd - Humanistische Pressedienst evaluiert den neuen "KINOSPIELFILM" von Christian Frosch "VON JETZT AN KEIN ZURÜCK"

Evaluation: alles auf einer Seite @
http://hpd.de/artikel/11416?nopaging=1


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Deutschland deine Kinder (23)

"Von Jetzt an kein Zurück"

Von Evelin Frerk [ http://www.evelinfrerk.de/index.php?bereich=VITA ]

13. März 2015

BERLIN. (hpd) Ein Spielfilm sagen die einen, andere Drama oder Melodrama. Der Film führt in die 60er Jahre, beginnt 1968 in einer Provinzstadt im Irgendwo der noch jungen Bundesrepublik Deutschland. Dieser Bericht bezieht sich auf die Premiere in Berlin und den Film an sich.

Die Voranmeldungen zur Premiere überstiegen die Erwartungen der Produzenten und des Verleihs. Ein größerer Saal musste angemietet werden. Auch da reichten die Plätze reichten nicht aus, so wurden aus dem Foyer weitere bequeme Sitzmöbel in den Saal gezogen und standen für spät kommende Gäste bereit. Zu ihnen gehörte Ben Becker, er blieb zurückhaltend und erst pragmatisch auf der Treppe sitzen. An Reaktionen von 20- bis 30-jährigen Gästen wurde gleich zu Beginn der Vorführung deutlich, wie fremd ihnen die Lebenswirklichkeit ihrer Eltern- und Großeltern-Generation geworden ist.

Vorangestellt ein Satz aus der Bibel, die Sprüche Salomons, 13.24: "Wer seine Rute schont, der hasst seinen Sohn; wer ihn aber lieb hat, der züchtigt ihn beizeiten." Im Volksmund: "Wer sein Kind liebt, der züchtigt es." Und einen Satz aus dem Munde der "Omi": "Die sind alle bekloppt."

Die Handlung

Teil 1: Der Film zeigt zwei Familien, sie leben in sauber aufgereihten Siedlungshäusern, sozusagen nur einen Häuserblock von einander entfernt.

Da gibt es Martin. Er lebt mit seinem Vater, 1922 geboren, und dessen Mutter, also Martins "Omi" in einem Haushalt. Der Vater ist alleinerziehend, kriegstraumatisiert und bekommt eine Invalidenrente. Er ist evangelisch. Die drei Generationen leben in einer Art kumpelhaften Verhältnis und tolerieren einander. Der begabte Martin rebelliert im Klassenzimmer gegen Biederkeit und die sogenannte Anständigkeit. Die Schulleitung ermahnt, dennoch wird er von der Schule verwiesen und über das Amtshilfeverfahren des Jugendamtes gegen den Willen des Vaters in das Erziehungsheim der Diakonie in Freistatt eingeliefert. Dafür fährt ein Polizeiwagen vor und übernimmt diesen Akt.

Die katholische Familie, Vater, Mutter und zwei Töchter funktioniert nach traditionellen Regeln. Der Vater arbeitet, die Mutter hat zu Hause zu bleiben.

Ruby, die älteste Tochter, als Rosemarie getauft und so gerufen, spielt neben Martin die zweite Hauptrolle. Rubys Vater liebt seine Tochter, ihre Stimme im Kirchenchor zu hören macht ihn stolz. Er befindet sich in einer Doppelrolle. Er spricht sich die Verantwortung zu, auf Rosemarie aufzupassen, damit sie “anständig” bleibt. Ruby setzt sich mit kurzen Rock dagegen zur Wehr, hört Beat-Musik, arbeitet heimlich, nachdem der Vater sie gegen ihren Willen vom Gymnasium abgemeldet hat, in einem Plattenladen. Ruby voll der Musik, der Rebellion gegen Macht und Rechte der Eltern.

Ruby und Martin, Nachbarskinder, treffen sich im Aufbruch gegen den Anspruch der Institutionen, gegen Unterdrückung. Neben der Zuneigung zueinander ist das die Verbindung der beiden. Liebe kann ein Wort dafür sein. Der Film zeigt gemeinsam erlebte Freude und vorsichtige Annäherung.

"Bist Du Jungfrau, ich will es wissen, bist Du Jungfrau….?" ein Schrei des Vaters an Ruby, versteckt die Frage: "bringst Du Schande über die Familie?" Ebenso drückt sich seine Gewalttätigkeit aus, seine Doppelrolle, Ruby zurückzubringen, "anständig", "jungfräulich" und mit dieser Ehre, Ehefrau zu werden.

Die Eltern "überstellen" durch das Jugendamt ihre Tochter der geschlossenen Erziehungseinrichtung, dem katholischen Heim "Bei den Barmherzigen Schwestern". Der Grund: Verwahrlosigkeit.

Ruby wird ebenso wie Martin über den Polizei-Apparat in das Heim transportiert. Der Vater weint, die Mutter von Ruby ist am Fenster des elterlichen Schlafzimmers zu sehen, sie öffnet den Knoten ihrer bisher gezähmten Haarpracht. Das Leben nimmt seinen Lauf. Es ist ein Film, der kein Beichtgeheimnis bewahrt, er offenbart dieses.

Teil 2: In dem katholischen Erziehungsheim für Mädchen herrscht Mutter Benedikta und ihre "Schwestern". In "Freistatt", dem evangelischen Heim der Diakonie, spricht die Führung sich mit "Bruder" und "Vater" an. Gezeigt werden Facetten im Mädchen-Heim, weibliche Freundschaften. Im Gegensatz dazu spezifisch männliche "Jungs"-Rituale.

Die zur Besserung in die Heime weg gesperrten Jugendlichen, hören nicht auf, sich gegen den Machtapparat zur Wehr zu setzen. Die Unbarmherzigkeit von Menschen, die selber meinen, dass sie religiös einem Gott zu dienen haben und in seinem Sinne handeln, setzen sich selbst den Jugendlichen gegenüber an die Stelle ihres vermeintlichen Gottes. Verachtend, perfide und gewalttätig setzen sie ihre Macht um zu quälen, zu drangsalieren.

Teil 3: Deutschland 1977 - Ruby und Martin, aufgrund ihrer Volljährigkeit sind sie aus der Heimerziehung entlassen, aber nicht befreit davon.

Prolog

Geschehen ist dieser Missbrauch in Einrichtungen, unter der Prämisse "Lobet den Herren". Christian Frosch, Drehbuch und Regie sagt: "Von Anfang an war klar, die Vorgänge im Heim müssen authentisch erzählt werden. Erfindungen und Übertreibungen verbieten sich."

Ein Film für Zweifler. Weil … das, was man sieht, das möchte man nicht wahrhaben. Die Bilder scheinen zu bestechen – wollen sagen, das ist doch "nur" ein Film. Die Bilder sind so gut, die Schauspieler sind so gut., der Schnitt, die Geschichte wird so klar erzählt, die Verursacher und Leidensgeber bemitleiden sich selber.

Der Film ist so unerträglich, man kann nicht wegsehen. Ein sehenswerter Film.

Victoria Schulz wurde auf dem Internationalen Filmfest Oldenburg 2014 für ihre "eindringliche schauspielerische Leistung" als Ruby mit dem "Seymour Cassel Award" für die besten Schauspielerin ausgezeichnet.

Von jetzt an kein Zurück, Regie: Christian Frosch, Deutschland/Österreich 2014, 108 Minuten, Farbe Schwarzweiß, Deutscher Kinostart: 12. März 2015

Trailer [
http://www.filmstarts.de/personen/1500-Andreas-Seifert.html ]
Offizielle Homepage [
http://www.vonjetztan-film.de/ ]

Kino-Zeit mit Bildern Trailer und Text [
http://www.kino-zeit.de/filme/von-jetzt-an-kein-zurueck ]

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Christian Froschs neuer Spielfilm "Von jetzt an kein Zurück" war am 10. Februar 2015 im Rahmen der LOAL Vornominierungen auf der Berlinale zu sehen.

Frank Amann, Kamera

Darsteller:
Victoria Schulz - Ruby
Anton Spieker - Martin
Ben Becker - Rubys Vater
Ursula Ofner - Rubys Mutter
Thorsten Märten - Martins Vater
Helga Boettiger - "Omi"
Timo Hillebrand - Harry
Ivo Kortlang - Xaver
Michael Prelle - Direktor Newald
Kirsten Hildisch - Deutschlehrerin
Andreas Seifert - Priester
Ernie Mangold - "Mutter" Benedikta
Wallfriede Schmitt - "Schwester" Agathe
Cora Frost - "Schwester" Martha
Axel Olsson - Hausvater
Kristof Gerega - Bruder Udolf
Markus Hering - Bruder Rossmann
Jan Breustedt- Kapo Horst
Tim-Daniel Drexler - Kapo Knut
Niklas Löffler - Kapo Uwe
Peter Meinhardt - Arzt
Thomas Birklein - Einarmiger Lieferant
Eva Maria Jost - Gisela
Nell Pietrzyk - Susanne
Malika Ziouech - Plattenverkäuferin
Jost Hering - Fürsorgebeamter
Eva Reichle - Katja 13
Helen Woigk - Katja 19

Produzent: Jost Hering (Jost Hering Filme), Co- Produzenten: Viktoria Salcher, Mathas Forberg (Prisma Film, Wien) mit Unterstützung von Cine+ und weltfilm

Förderer:
Hamburg/SWH Nordmedia BKM DFFF ÖFI Niederösterreich Kultur
Drehbuchentwicklung unterstützt durch EQUINOXE GERMANE

Schlagworte: Film, Missbrauch, Heimkinder

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QUELLE: hpd - Humanistische Pressedienst @ http://hpd.de/artikel/11416?nopaging=1
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Zuletzt geändert von Martin MITCHELL am Do Mär 19, 2015 5:11 am, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Martin MITCHELL » Mi Mär 18, 2015 12:35 pm

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Martin MITCHELL hat geschrieben:.
Ich persönlich habe beim TAGESSPIEGEL zum "KINOSPIELFILM" "VON JETZT AN KEIN ZURÜCK" folgenden Leserkommentar abgegeben:

Beitrag getätigt von MartinMITCHELL am Fr. 13.03.2015, um 04:31 Uhr

@
http://www.tagesspiegel.de/kultur/schwarz-weiss-film-von-jetzt-an-kein-zurueck-wer-ins-heim-kommt-ist-ein-nichts/11490796.html ( bitte dort ganz weit nach unten scrollen )


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Wer ins Heim kommt, ist ein Nichts

Ich als ex-FREISTÄTTER der frühen 1960er Jahre bin folgender Meinnung: Dieser Kinospielfilm "
VON JETZT AN KEIN ZURÜCK" ist mit ziemlich kleinem Budget gedreht und hat auch nicht unbedingt den Zuspruch der Kirchen. Zumindest ist dieser Kinospielfilm aber realitätsnah und nicht an der Wahrheit vorbei. Diese verbrecherische Art von Umgang mit Kindern und Jugendlichen in der Heimerziehung in den Nachkriegsjahrzehnten in Westdeutschland – sowohl wie auch in der DDR – hat tatsächlich vielfach ihr weiteres Leben zerstört; und nur dadurch sind sie zu Opfern geworden; und auch viele leben daher schon lange nicht mehr; und wieder andere von ihnen fristen daher heute nur noch ihr Dasein (auch weil Kirche und Staat, und die an ihrer Zwangsarbeit beteiligten Firmen, Landwirte und Großgrundbesitzer, sie einfach nicht „angemessen entschädigen“ wollen). Es ist also nicht, dass die Opfer ihren „Opferstatus“ feiern. Es kann einfach nicht unter diesen hunderttausendfachen gleichlautenden Umständen und Biographien ein »Happy End« geben. Der Film ist »exactly on the mark«.
Dieser Beitrag wurde verfasst und getätigt von Martin MITCHELL in Australien, der im Alter von 17½ Jahren, unmittelbar aus FREISTATT kommend, im März 1964 nach Australien entfliehen konnte.

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Ich habe den Drehbuchautor und Regisseur des "KINOSPIELFILMS" "VON JETZT AN KEIN ZURÜCK" / "ROUGH ROAD AHEAD" natürlich auch auf meinen eigenen öffentlichen Kommentar zur Film-Kritik zu seinem Film im TAGESSPIEGEL (12.03.2015: Christiane Peitz) sowohl wie auch auf meine private Kommunikation mit dem Verfasser der Film-Kritik in DIE WELT (13.03.2015: Reiner Reitsamer) aufmerksam gemacht, und ihn auch auf den Beitrag DAZU (vom Sa. 14.03.2015, um 00:35 Uhr) im HEIMKINDER-FORUM.DE von Boardnutzer »Burghard1« hingewiesen ( @ http://heimkinder-forum.de/v4x/index.ph ... -KINOFILM-über-die-damalige-Heimerziehung-in-der-BRD-beginnt-12-März-2015/?postID=456543#post456543 ), worauf er, Christian Frosch, mir dann auch sogleich IN BEZUG AUF ALL DIES wie folgt geantwortet hat:

… und ich möchte, und ich darf mit Christian Frosches voller Zustimmung, Euch alle auch DARAN teilhaben lassen.


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Lieber Martin Mitchell,

Vorneweg die Reaktion von Ihnen und den EX-Heimkindern interessiert mich nicht nur - sie ist mir das Wichtigste!

Es ist schon erstaunlich, was Kritiker sehen oder wohl besser nicht sehen wollen.

Zum Vorwurf, dass Rubys Vater eindimensional sei: Wir erfahren von ihm, dass er kriegstraumatisiert ist. Im Gegensatz zu Martins Vater trägt er aber die Erziehungs-”ideale” die ihn prägten - weiter. Er ist ein gebrochener Mann und man sieht wie er depressiv und geschlagen nach Hause kommt und wie er sein eigenes Unglück in das Gesicht seiner Kinder schlägt. Gleichzeitig hat er eine zärtliche Liebe zu Ruby, die fast schon inzestuösen Charakter hat. Trotzdem zeichne ich ihn nicht als einen jener Väter, die sich an ihren Kindern vergehen.

Es ist noch verwickelter.

Er hält sich an der katholischen Moral fest, die Sexualität als das Böse verdammt. Und sein Missbrauch, den er gemeinsam mit Rubys Mutter begeht, besteht darin, dass er ihre Jungfräulichkeit beschützen will. Diese Perversion ist für mich tief begründet in der katholischen Moral.

Einerseits wird Sexualität verleugnet und gleichzeitig wird alles pervers sexualisiert.

Die fatale Rolle der Mutter, einerseits Opfer der Gesetze und ihres Mannes, anderseits ist sie aber diejene, die Ruby opfert, um sich selbst zu befreien. Sie will Rubys Schwester und sich ein besseres Leben ermöglichen. Was zeigt: Täter und Opfer nicht immer klar zu trennen.

Der andere Vorwurf die Nonnen seien lediglich sadistische Hexen.

Gerade Mutter Benedikta, gespielt von Erni Mangold, ist für mich eine durchaus rätselhafte Figur. (Erni und ich haben sie uns als Mystikerin vorgestellt, die sich im Geheimen selbst auspeitscht für ihre Sünden). Eine Frau, die hart gegen sich und noch härter gegen andere ist. Sie wirft der Mitschwester, der dicken Nonne ja vor,
dass sie zu lebensbejahend, nicht hart genug gegen sich sei. „Wir bräuchten Felsen in der Brandung, doch du bist Pudding!“ Die dicke Schwester wäre wahrscheinlich unter anderen Umständen eine gutmütige Person. Doch sie denkt, dass Härte gegen die Mädchen gottgefällig sei, auch wenn es ihr selbst weh tut.

Was alle Kritiker übersehen haben, dass es ja Mutter Benedikta ist, die Ruby heimlich fördert. Wenn Ruby sich nicht für ihre “gefallene” Freundin Gisela eingesetzt hätte, wäre sie der Hölle durch Mutter Benediktas Protektion entkommen, hätte sie sogar ein Stipendium für eine kirchliche Schule erhalten.

Passt das zum Bild der eindimensionalen Hexe?

Angesichts der grausamen Realität ist das sicher keine besonders einseitige Zeichnung der "Barmherzigen" Schwestern.

All das wird von den Kritikern bewusst oder unbewusst übersehen.
Warum? Wollen sie sich insgeheim mit den Tätern identifizieren? Werfen sie dem Film nicht unbewußt vor, dass den Tätern keine Sympathie entgegen gebracht wird? Denn Hinweise, warum sie tun, was sie tun gibt es es zahlreiche.

Denn eines ist doch klar, egal wie tief die Gründe sind warum Täter zuschlagen, dem Opfer kann es egal sein.

Sie/er muss den Schmerz ertragen.

Zum Abschluß noch der für mich absurdeste Vorwurf einer Kritikerin.

Nicht gut, dass er seine Helden auf den Opferstatus reduziert. Ruby, die alkoholsüchtige Schlagersängerin in den Siebzigern, Martin, der bei der RAF und im Knast landet – sie sind verloren. Ist der Mensch nicht mehr als das Ergebnis seiner Erziehung?

Schon erstaunlich, dass in Zeiten in der Jugendliche sich in Castingshows demütigen lassen um ein bißchen Berühmtheit zu erlangen,
Rubys Lebensweg als Schlagerstar, nur auf ihren Opferstatus verweisen soll. Ich wollte ja zeigen, dass Ruby es äußerlich schafft.
Wenn die Mutter ihr sagt, „sag selbst - wärst du ohne das Heim dort, wo du jetzt bist?“
Sagt sie doch nur das, was Heimerziehungsopfern gesagt wird, die es wie durch ein Wunder geschafft haben, ein “normales” Leben hinzubekommen.

Dass Ruby unter der schönen Oberfläche aber ein zerstörter Mensch ist – und innerlich nichts gut ist – erschien mir wichtig.

Ruby ist am Ende des Films Mitte zwanzig und das Schlußlied, das eigens für den Film komponiert wurde, erzählt ja von ihrer möglichen Befreiung in der Zukunft.
Mehr Happy End wäre für mich verlogen gewesen.

Und dann gibt es ja noch die Figur von Gisela, die man nun schwerlich als jemand bezeichnen kann, der sich als Opfer gefällt.

Sie ist eine jener wenigen Menschen, die eine innere Stärke haben, die auch durch die Hölle gehen ohne, dass ihr innerer Kern wirklich verletzt wird.
Aber dies ist eher ein Sonderfall, als die Regel.

Und nun zu Martin: Erstens ist er am Ende nicht bei der RAF, sonst würde er in einem Knast verschimmeln.
Aber er war im Umfeld von denen die zur Waffe gegriffen haben. Und es gab ja nicht nur die RAF, sondern auch den „2. Juni“ etc.
Er findet nach dem Knast nicht mehr zurück ins Leben. Auch Politik ist für ihn letztlich kein Weg.

Er bleibt aber konsequent in seiner Auflehnung – aber sie führt ihn zur Selbstzerstörung.

Ich habe mit Ruby und Martin versucht zwei verschiedene Wege aufzuzeigen wie man unter unmenschlichen Verhältnissen versucht sein selbst zu bewahren.

Martin rebelliert um jeden Preis bis in die letzte Konsequenz und Ruby versucht mit Täuschung und vermeintlicher Anpassung ihren inneren Kern zu bewahren. Beide scheitern, denn es gibt keine reine Lösung des Problems. Traumata verschwinden nicht einfach so.

Dies alles könnte man in dem Film entdecken, wenn man sich die Mühe macht hinzusehen.

Aber Wegsehen ist immer der einfachere Weg.

Aber Ihr „Exactly on the mark“ ist mir weit mehr wehrt, als Streicheleinheiten von Kritikern, die wohl eher Kontakt zur Selbstverwirklichungsgruppen haben, als mit Menschen Kontakt hatten, die so was durchgemacht haben.

In diesem Sinne

Alles Liebe und Gute

Ihr

Christian Frosch

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Zuletzt geändert von Martin MITCHELL am So Mär 22, 2015 6:25 am, insgesamt 1-mal geändert.
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