NEWS: Kinofilm re FREISTATT (boys) u. re VINCENZHEIM (girls)

NEWS: Kinofilm re FREISTATT (boys) u. re VINCENZHEIM (girls)

Beitragvon Martin MITCHELL » Sa Mär 21, 2015 5:53 am

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KINOFILM über die damalige Heimerziehung in der BRD (ist am 12. März 2015 in Deutschland in die Kinos gekommen).

Neues zu dem "KINOSPIELFILM" "VON JETZT AN KEIN ZURÜCK" von dem österreichischen Filmemacher Christian Frosch.

Diesmal sind es News über die Österreich-Premiere des Films, am 18.03.2015, in Graz.

ORF.at - ORF Online und Teletext GmbH & Co KG mit Sitz in Wien
Stiftung öffentlichen Rechts - Österreich
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http://orf.at/diagonale/stories/2269792/


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Zu den Nonnen statt zu den Monks

Drangsalierte Jugend im Schatten des Kalten Krieges: Lange unterdrückt und unterspielt wurden die Grausamkeiten in kirchlichen „Erziehungsheimen“ in Deutschland, Christian Frosch vermittelt diese in seinem schwungvollen Jugenddrama „Von jetzt an kein Zurück“.

Mit viel Applaus bedacht wurde am Mittwochabend [ 18.03.2015 ] die Österreich-Premiere von „Von jetzt an kein Zurück“, Christian Froschs Drama über ein Pärchen jugendlicher romantischer Rebellen in der alten Bundesrepublik Deutschland des Jahres 1967, die, von Jugendamt und Eltern eingewiesen, durch die autoritären Mühlen geschlossener „Erziehungsheime“ geschliffen werden. Und es gab eine überraschende Volte bei der Premiere der deutsch-österreichischen Koproduktion nach einem Hinweis und aus Anlass des Tages: ein spontanes Geburtstagsständchen des Publikums.

Sturm und Drang ... und Einweisung

Ein harmonischer Abend am Ende einer äußerst langen Entstehungsgeschichte, wie Frosch erzählte: Das Thema beschäftigte ihn seit langem, lange hielt er Kontakt zu ehemaligen Heimkindern, die oft wegen läppischer Delikte zwecks „Fürsorge“ eingesperrt wurden - und zwei Drittel jener Heime wurden von den Kirchen geführt.
Sechs Jahre zog sich die Entwicklung des Films hin, es hagelte serienweise Absagen.

Die Geschichte, die niemand fördern wollte
, ist im Grunde EIN KLASSISCHES STURM-UND-DRANG-MELODRAMA:

[ ……… ]

[ ……… ]

„Schwarze Pädagogik“ mit Freunden und Gegnern

„Von jetzt an kein Zurück“ mit dem Etikett Historienfilm abzuheften, wäre zu bequem, dazu sind Freiheitswüsche junger Leute zu zeitlose Selbstverständlichkeit – Frosch dazu: „Die beiden Jungen sind ja die einzig Normalen unter lauter Verrückten.“ Für eine Kindererziehung mittels Drucks und Zwangs, die das Faustrecht fördert, die neben einzelnen soziopathischen „Führerfiguren“ vor allem eine Menge angstvoller Jasager erzeugt, gibt es seit den 1970er Jahren den Begriff der „Schwarzen Pädagogik“.

Schön wär’s, wären deren Verfechter seither Geschichte. In den 1960er Jahren wurde der Popmusik die Schuld gegeben, wenn bei Jugendlichen „drohende bzw. beginnende Verwahrlosung“ festgestellt wurde, heute ist es das Internet, und schon haben Erziehungs-„Experten“ wieder Oberwasser, die „Disziplinierung“ und „wahre Werte“ mit Zwangsmaßnahmen durchsetzen wollen. Ohnedies haben viele Firmen ein Faible für Mitarbeiter, die durch eine „Schwarze Pädagogik“ gingen - denn die sind ja so schön marktkonform.

Revolte, „Bambule“, „Heimkampagne“

Proteste gegen die Heimerziehung gab es bereits früher, und zwar markante: In dem TV-Film „Bambule“ von 1970 proben Insassinnen eines Mädchenheims in Berlin den Aufstand. Er wurde aber kurz vor seiner Ausstrahlung zurückgezogen und für Jahrzehnte ins Archiv verbannt, weil sich Drehbuchautorin Ulrike Meinhof zu dem Zeitpunkt bereits zu sehr radikalisiert hatte. Im Jahr davor gab es die sogenannte „Heimkampagne“, Initiativen, eine Revolte, ein großer gelungener Ausbruchsversuch - ein Auslöser für die Liberalisierung in paar Jahre danach.

Weil aus den Studenten hinter der Kampagne aber Prominente der terroristischen RAF wurden – neben Meinhof etwa Andreas Baader und Gudrun Ensslin -, geriet jede Kritik an der militärischen Struktur von Heimen in den Verdacht der Linksradikalität, eine Debatte versandete. Und die Kirchen schwiegen ohnedies zu ihrer in der Nachbetrachtung peinlichen Rolle als Einpeitscher „christlicher Werte“.

Schrittweise Aufarbeitung

Eine breitflächige Aufarbeitung des Themas erfolgte im deutschen Sprachraum nämlich mit recht auffälliger Verzögerung etwa im Vergleich zu Großbritannien: 2002 war bei den Filmfestspielen von Venedig Peter Mullans „
The Magdalene Sisters“ mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet worden, ein Leidensdrama zweier weiblicher Teenager in einem Heim jenes katholischen Ordens, auf den Leonhard Cohen in seinem Debütalbum mit einem Liedtitel anspielte, nach dem sich wiederum die Gothic-Rock-Band The Sisters of Mercy benannte.

In Deutschland erschien ein paar Jahre darauf, 2006, ein Buch des „Spiegel“-Journalisten Peter Wensierski, „
Schläge im Namen des Herrn. Die verdrängte Geschichte der Heimkinder in der Bundesrepublik“, welche sich mit dem Westdeutschland in den Jahren zwischen 1945 und 1970 befasste. Als eine Konsequenz der aufrüttelnden Veröffentlichung äußerte der deutsche Bundestag dann 2008 ein hochoffizielles Bedauern über „erlittenes Unrecht und Leid, das Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Kinder- und Erziehungsheimen (...) widerfahren ist“ und richtete einen Entschädigungsfonds in neunstelliger Höhe ein.

Alte Zielgruppe, junge Zielgruppe

Wensierskis Buch und seine Folgen wurde bereits für einen TV-Film aufbereitet: In „
Und alle haben geschwiegen“ (Regie: Dror Zahavi, ZDF-Erstausstrahlung 2013) spielen Senta Berger und Matthias Habich zwei Bundestagsausschusszeugen. Einst, vor der Einweisung in traumatisierende kirchliche Heime, waren sie ein jugendliches Liebespaar gewesen, nun treffen sie einander nach Jahrzehnten der Verdrängung wieder.

"
VON JETZT AN KEIN ZURÜCK" erzählt im Grunde eine ganz ähnliche Geschichte, bloß mit anderer Ausrichtung: Richtete sich die Rückblickstruktur des TV-Films primär an ein eher älteres Publikum, wendet sich Frosch konsequent an ein junges. Er illustriert mit Schwung das hoffnungsvolle Aufbegehren von Ruby und Martin, begleitet sie dann in die Heimsphäre, deren Aussehen und Arbeitsabläufe hochgradig detailgenau nachgezeichnet sind - in ihrem Fall die katholischen Barmherzigen Schwestern (mit einer denkmalhaften Erni Mangold als Oberin), in seinem Fall die Erziehungsanstalt der evangelischen Diakonie Freistatt. Wichtig war ihm, so Frosch, neben der Art der Zwangsarbeit auch, den Einsatz „erzieherischer“ Gewalt genau zu rekonstruieren - wobei er die bekannte Fülle an sexuellen Übergriffen nur andeutet.

Holzschnitzartig getextet ist das dem Vorspann unterlegte Wutbürger-gegen-„Gammler“-Lied „Wir“ von Freddy Quinn - weil dem das, so Froschs geäußerte Vermutung, mittlerweile peinlich scheint, ließ man es im Film von einem Quinn-Imitator singen. Und eindimensional werden auch einige Charaktere gezeichnet, Ben Becker und Ursula Ofner als Rubys bittere Eltern, Thorsten Märten als Martins apathischer Vater – aber letztlich dient das dem gewinnenden Zusammenspiel von Schulz und Spieker.

Hans Christian Leitich, ORF.at

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QUELLE: ORF.at @ http://orf.at/diagonale/stories/2269792/

Leider kommt der Film in die regulären Kinos in Österreich erst am 12. Juni 2015. Also müßt Ihr Euch in Österreich alle noch ein bißchen gedulden.

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Zuletzt geändert von Martin MITCHELL am Di Mär 24, 2015 11:47 am, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Martin MITCHELL » Mo Mär 23, 2015 7:33 am

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Und hier jetzt der neueste österreichische Medienbericht zu diesem wichtigen Film:

( Diese verheerende „Heimerziehung“ [ „Heimerziehungsgeschichte“ ] war von 1945 bis in die 1980er Jahre in Österreich genau die gleiche wie in Deutschland ! )

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KLEINE ZEITUNG @ http://www.kleinezeitung.at/s/kultur/wohin/kino/diagonale/4691559/DIAGONALE_Publikumspreis-fur-Von-jetzt-an-kein-Zuruck?_vl_backlink=/s/index.do

Zuletzt aktualisiert: 22.03.2015 um 19:53 Uhr

Publikumspreis für "Von jetzt an kein Zurück"

„Von jetzt an kein Zurück“ von Regisseur Christian Frosch ist der beliebteste Film der Diagonale. Der auf einer wahren Lebensgeschichte basierende Film schildert, wie ein junges Liebespaar zu Ende der 60er im Erziehungsheim landet.

[
FOTO: Regisseur Christian Frosch, Koproduzent Mathias Forberg ]

Ein Verleiher hatte ihm prophezeit, es würde schwer, für "diese schwierige Nische" ein Publikum zu finden. Weit gefehlt: "Man soll das Publikum nie unterschätzen", freut sich Regisseur Christian Frosch. Der gebürtige Waldviertler hat mit seinem Film „Von jetzt an kein Zurück“ zum Diagonale-Finale den Publikumspreis der Kleinen Zeitung gewonnen.

Für den überraschten Sieger ist der Publikumspreis „die Königsdisziplin. Egal, wie hoch der künstlerische Anspruch ist: Was kann man sich mehr wünschen, als dass die Leute den Film mögen?“ Mehr als 1300 Kinobesucher bestimmten per Abstimmungskarte über den beliebtesten Film des Festivals.

Der in Berlin lebende Regisseur erzählt in "Von jetzt an kein Zurück" in kantigem Schwarzweiß von einem jungen Liebespaar in der deutschen Provinz zu Ende der 60er-Jahre. Ruby und Martin, zart rebellisch, landen wegen Bagatellen in Erziehungsheimen. Der Film schildert die Zustände dort, die Demütigungen durch Ordensschwestern und Ex-Nazis – und die Spätfolgen für ihre Opfer im radikalisierten Deutschland der ausgehenden 70er-Jahre. Keine leichte Kost, aber ein hinreißend erzähltes, toll gespieltes, hoch politisches Melodram um Liebe, Verrat und Schuld.

Entstanden ist der Film aus der spätnächtlichen Begegnung in einem Lokal: „Dort hat mir ein Typ sein Leben erzählt – im wesentlichen die Geschichte von Martin“, die Biografie eines Mannes, der nach dem Erziehungsheim ins linke Terrormilieu geriet. Bei Recherchen fand Frosch dann heraus: Eine Million Jugendliche wurden in den 60er und 70ern in deutschen Erziehungslagern
diszipliniert“, in Österreich dauerte der Schrecken gar bis in die 80er-Jahre.

Überraschend die Besetzung: Schauspielstar Ben Becker ist, ganz gegen den Strich gebürstet, als überforderter, prügelnder Vater zu sehen. „Er hatte erst Angst vor der Rolle“, sagt Frosch, "weil die Figur alt und unsympathisch ist. Außerdem hat Becker selbst eine Tochter im Alter von Ruby, das war für ihn also schwierig. Ich fand aber das Bipolare, das Grobe und dann wieder so Sentimentale, wie es so übergangslos hin und her springt, an seiner Figur interessant. Dafür braucht man einen brachialen Typen, und Becker hat dafür gut gepasst." Letztlich mochte der Schauspieler seine Rolle und den Film.

Nicht als einziger: „Von jetzt an kein Zurück“ steht bereits auf der Longlist zum Deutschen Filmpreis. Vormerken: Am 19. Juni läuft der Film regulär im Kino an.

UTE BAUMHACKL

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QUELLE: KLEINE ZEITUNG @ http://www.kleinezeitung.at/s/kultur/wohin/kino/diagonale/4691559/DIAGONALE_Publikumspreis-fur-Von-jetzt-an-kein-Zuruck?_vl_backlink=/s/index.do

Bei der KLEINE ZEITUNG besteht eine Kommentarmöglichkeit zu diesem Filmbericht, und auch direkt Betroffene dieser damaligen „Heimerziehung“ in Deutschland und in Österreich – und vieler andererorts ebenso – dürfen von dieser Kommentarmöglichkeit rege Gebrauch machen.
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Zuletzt geändert von Martin MITCHELL am Do Mär 26, 2015 5:34 am, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Martin MITCHELL » Di Mär 24, 2015 11:29 am

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Ich habe gerade von dem Drehbuchautor und Regisseur des "KINOSPIELFILMS" "VON JETZT AN KEIN ZURÜCK", Christian Frosch, nach seiner Rückkehr aus Österreich (Wien / Graz) nach Berlin (Di. 24.03.2015, um 07:40 Uhr (MEZ/CET)), folgende Nachricht erhalten:

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Lieber Martin,

Bin gestern Nacht aus Graz zurück gekommen. Dort lief der
FILM im Rahmen der Diagonale-Festival des Österreichischen Film.

Habe gerade gesehen, dass Sie auch fleißig für den
FILM in Österreich geworben haben und dafür auch noch gerügt wurden [ … von einer bestimmten Gruppierung, der verschiedenen sich leider auch in Österreich fortdauernd gegenseitig bekämpfenden Ehemaligen-Heimkinder-Gruppierungen „gerügt“ / „verstoßen“ / „ausgestoßen“ / „ausgesperrt“ / „diszipliniert“ / „bestraft ]
Ohje.

War ein paar Tage nicht online sonst hätte ich Ihnen gesagt, dass der reguläre Kinostart in Österreich erst 19. Juni ist.
Dies [ am 18.03.2015 in Graz ] war nur mal die Festivalpremiere.
Es war übrigens ein riesiger Erfolg.
Wir haben den Preis für den besten Schnitt bekommen und sind nur knapp am Hauptpreis vorbei geschrammt.
Eine "lobende Erwähnung".
ABER das aller wichtigste: Wir haben den Publikumspreis erhalten!


http://www.kleinezeitung.at/s/kultur/wohin/kino/diagonale/4691559/DIAGONALE_Publikumspreis-fur-Von-jetzt-an-kein-Zuruck#

Vielen Dank nochmals für Ihr Bemühen um den FILM .

Christian

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Beitragvon Martin MITCHELL » Di Mär 24, 2015 11:43 am

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Ich hatte heute (24.03.2015) auch Anlass folgende E-mail von Australien aus hauptsächlich nach ÖSTERREICH aufzusetzen und an verschiedene Empfänger DORT abzusenden:


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Erinnert Ihr Euch noch an Eure Unterstützer: Georg Hönigsberger, Karl Welunschek, Erni Mangold, Karl Markowic, Christian Frosch ????Und seid Ihr Euch nicht alle durchaus bewußt, dass sie alle zusammenarbeiten um Euch zu unterstützen ????


Ich möchte daher insbesondere die österreichischen Ehemaligen Heimkinder auch unbedingt auf folgenden kürzlich von mir im HEIMKINDER-FORUM.DE getätigten Beitrag aufmerksam machen, um zu zeigen wie alles doch eng zusammnehängt!

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http://heimkinder-forum.de/v4x/index.php/Thread/16942-»Verwaltete-Kindheit-Der-österreichische-Heimskandal«-–-Heimerziehung-in-Österre/?postID=457055#post457055


Ich schrieb dort am Mo. 23.03.2015, um 11:23 Uhr:

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In Bezug auf die zwei unmittelbar vorhergehenden Beiträge hier in diesem Thread ( ersterer von Boardnutzer »sonichtso« and zweiterer von Boardnutzer Journalist und Buchautor »Georg Hönigsberger« ), muß ich jetzt noch, nachträglich, unbedingt folgendes diesbezügliches, hoch relevantes YouTube-Video, dass ich gerade erst gefunden habe, hinzufügen:

https://www.youtube.com/watch?v=HpQXweD0Tgw ( Länge: 7 Min. und 43 Sek. )

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Published on Nov 14, 2013

Heute (13.11.2013) wurde das Buch "Verwaltete Kindheit" von Irmtraut Karlsson und Georg Hönigsberger vorgestellt. Ein sehr interessanter Abend ging zu Ende.

Emotionen wurden still geäußert, als die Zuhörer den Worten gelauscht hatten. Karl Welunschek hatte die Einleitung gesprochen. Erni Mangold und Karl Markowic, liehen dem Inhalt des Buches ihre Stimmen...

Zum Abschluss wurde unser Georg [Hönigsberger] mit einem kleinen Geschenk und einem Festbüchlein geehrt.

LG – Robert Volek


Ich darf hier die Worte von Georg Hönigsberger /
Kurier.at [Österreich] zitieren:



Liebe Alle,

ich kann es nicht in Worte fassen, wie sehr ich gestern Abend persönlich berührt war. Zuerst, dass das Theater so voll war und so viele Interesse an dem Thema zeigten. Es war für mich sehr ergreifend, dass so viele ehemalige Heimkinder unter den Gästen waren. Viele von Euch kenne ich ja persönlich. Leider kamen wir zu wenig zum plaudern, aber das holen wir bei den nächsten Gelegenheiten nach.

Besonders berührt hat mich Eure Überraschung am Ende der Lesung. Ich musste mich sehr beherrschen, dass keine Tränen aus meinen glasigen Augen träufeln. Danke für Euer wunderschönes Buch, das ich mir heute Abend endlich zu Gemüte führen werde. Und vielen Dank für das wundervolle Bild von Helmut. Ich habe noch kein Platzerl dafür (derzeit steht's noch in der Redaktion) Aber bald wird es seinen Ehrenplatz in meinen vier Wänden bekommen.

Vielen herzlichen Dank an Euch alle.

Alles Liebe, Georg [Hönigsberger].

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PS. - Die österreichische Schauspielerin und Regisseurin Erni Mangold ist natürlich auch als Schauspielerin in dem "KINOSPIELFILMS" "VON JETZT AN KEIN ZURÜCK", den Drehbuchautor und Regisseur Christian Frosch am 18.03.2015 auch auf der Östereich-Premiere auf der Diagonale in Graz vorgestellt hat, vertreten.

Zu Erni Mangold siehe
WIKIPEDIA @ http://de.wikipedia.org/wiki/Erni_Mangold

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Wer also will aufgeben, – auch weiterhin, auf jede mögliche Weise – , zu versuchen, in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz, die gesamtgesellschaftliche Aufmerksamkeit auf »DIE EHEMALIGE-HEIMKINDER-SACHE« zu lenken, sich Gehör zu verschaffen und letztentlich für alle Betroffenen Gerechtigkeit zu erlangen ????
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Beitragvon Martin MITCHELL » Do Apr 16, 2015 5:49 am

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"KINOSPIELFILM" "VON JETZT AN KEIN ZURÜCK"

KUNSTUNDFILM @ http://kunstundfilm.de/2015/03/von-jetzt-an-kein-zurueck/

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KUNSTUNDFILM

Von Ingrid Beerbaum, veröffentlicht am 11.03.2015


(Kinostart: 12.3.2015) Unter den Talaren Muff von 1000 Jahren: Bis etwa 1970 ging es in BRD-Jugendheimen zu wie in NS-Lagerhaft. An diesen Skandal erinnert Regisseur Christian Frosch nüchtern, aber schonungslos: ein aufwühlender Sozial-Schocker.

Autoritäre Eltern und eine Staatsgewalt, die alles wegsperrt, was nicht der Norm entspricht: Das assoziiert man normalerweise mit totalitären Regimes − und vergisst, dass es in der Bundesrepublik bis Anfang der 1970er Jahre vielerorts nicht viel besser aussah. Es waren auch diese Zustände, die Studenten Ende der 1960er Jahre auf die Straßen trieben.

Regisseur Christian Frosch hat sich einer solchen Geschichte angenommen, doch sie hat im Gegensatz zu etlichen Filmen über diese Epoche nicht direkt mit den Protagonisten des RAF-Terrors zu tun. „Von jetzt an kein Zurück“ erzählt von gewöhnlichen Jugendlichen in der westdeutschen Provinz im symbolträchtigen Jahr 1968.

Nebenjob ja, Freund nein

Der 17jährige Martin (Anton Spieker) will Schriftsteller werden und stellt alles infrage. Sein Schwarm Ruby (Victoria Schulz) geht in seine Klasse und lebt für die Musik. Sie hat eine schöne Stimme und jobbt nach der Schule in einem Plattenladen. Was ihr streng katholischer Vater (großartig: Ben Becker) gerade noch duldet − aber keine Beziehung zu einem Jungen, geschweige denn diesem haltlosen Träumer.

Offizieller Filmtrailer


Official Trailer @ https://www.youtube.com/watch?v=DVWduLYcbBM

Bei den barmherzigen Schwestern

Martin und Ruby treffen sich heimlich und schmieden große Pläne; das bleibt nicht unentdeckt. Als letzter Ausweg erscheint ihnen, nach Westberlin abzuhauen, wo die Studenten-Revolte tobt. Doch ihre Flucht endet jäh weit vom Ziel entfernt im Landstraßen-Graben.

Martin wird in das protestantische Erziehungsheim „Freistatt“ gesteckt. Ruby kommt ins katholische Mädchenheim „Bei den barmherzigen Schwestern“, das Mitleid nur im Namen trägt. Beide müssen sich nun allein in einer feindlichen Umwelt behaupten, in der alles darauf angelegt ist, ihren Charakter zu brechen.

Zu radikal für Förder-Gremien

Neun Jahre später sehen sie sich wieder: Ruby ist eine leidlich erfolgreiche Schnulzensängerin geworden, die innere Leere mit Alkohol und Tabletten dämpft. Martin war in eine militante Gruppe abgetaucht und im Knast gelandet. Ihre Liebe hat zwar überdauert, aber sie können sie abermals nur im Verborgenen leben. Und beide sind nicht mehr die arglosen Teenager von einst.

Unprätentiös und ohne Effekthascherei blättert der Film ein dunkles Kapitel bundesdeutscher Geschichte auf, das erst in jüngster Zeit etwas Aufmerksamkeit erhält. Dafür hat Regisseur Christian Frosch lange recherchiert; auch die Realisierung war zeitraubend. Einschlägigen Fernseh- und Filmförder-Gremien war dieser Stoff zu heikel und die Darstellung zu radikal.

Vater prüft Jungfräulichkeit der Tochter

Frosch hat größtenteils mit Handkamera in Schwarzweiß gefilmt; farbig sind nur die Episoden, die Ruby 1977 als Schlagersängerin zeigen. Das erinnert in den besten Momenten an Klassiker der nouvelle vague und New Hollywood; etwa, wenn Ruby und Martin mit einem Schulfreund nach Fliegenpilz-Genuss im Rausch freie Liebe ausprobieren.

Kleine Fluchten aus der Enge ihrer katholischen Kleinstadt, die Frosch in nüchternen Bildern schonungslos beschreibt: Der erzkonservative Vater besteht darauf, sich selbst von Rubys intakter Jungfräulichkeit zu überzeugen, da er seiner Frau nicht vertraut. Sie schiebt willentlich ihr Kind ins Schwesternheim ab; vielleicht, weil sie sich nicht anders zu helfen weiß, oder aus Eifersucht auf deren rebellisches Naturell.

Oralsex als Schutzgeld-Ersatz

Martins Vater (Thorsten Merten) ist dagegen in russischer Kriegsgefangenschaft zum invaliden Säufer und Drogensüchtigen geworden. Damit ist er erpressbar und kann nicht verhindern, dass die Behörden seinen Sohn ins Jugendheim einliefern; es gleicht einem Zwangsarbeits-Lager.

Dort herrscht ein Klima aus Angst und Verleugnung, Kadavergehorsam und Heuchelei: Selten hat ein Film derartige, an NS-Lagerhaft erinnernde Erziehungs-Praktiken so drastisch dargestellt. Da zwingt etwa ein Mitinsasse einen Freund von Martin zum Oralsex als Form der Schutzgeld-Erpressung.

Erziehung mit Essen von Erbrochenem

Im Mädchenheim geht es kaum humaner zu: Sadistische Nonnen nutzen jede Gelegenheit, um ihre Schützlinge zu demütigen. Als Ruby den ihr vorgesetzten Fraß nicht essen mag, zwingt man sie, ihn mitsamt ihrem Erbrochenen hinunterzuschlingen. Später kann sie mit ihrer schönen Stimme die Betschwestern etwas milder stimmen. Martin überlebt den Jugendknast dagegen nur mit Härte; danach sagt er dem Gesellschafts-System den Kampf an.

Atmosphärisch dicht und beeindruckend gefilmt, bewegen sich hervorragende Jungschauspieler durch eine abgeschlossene Welt, die längst verschwunden scheint, aber bis heute nachwirkt: Die Heim-Leidensgenossen von Martin und Ruby werden nun pensioniert. Was sie erdulden mussten, war einer der Auslöser für die extreme Radikalität, mit der ein Teil der 68er-Bewegung gegen die alten Strukturen anging.

Meinhof schreibt Fernsehspiel

So schrieb eine gewisse Ulrike Meinhof das Drehbuch für das SWR-Fernsehspiel “Bambule” über den Aufstand in einem Mädchenheim, das am 24. Mai 1970 in der ARD ausgestrahlt werden sollte. Da Meinhof am 14. Mai an der Befreiung von Andreas Baader beteiligt war und mit ihm in den Untergrund ging, wurde die Sendung schleunigst abgesetzt − und erst 24 Jahre später nachgeholt.

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Beitragvon Martin MITCHELL » Do Mai 07, 2015 11:28 pm

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epd film @ http://www.epd-film.de/filmkritiken/von-jetzt-kein-zurueck

Kritik zu Von jetzt an kein Zurück

Christian Frosch wirft einen Blick zurück im Zorn auf die Jahre '68 bis '77, indem e das Schicksal zweier sensibler Teenager zeigt, die der Enge der westdeutschen Provinz entfliehen wollen und in christlichen Erziehungsheimen landen

16.03.2015 | Sascha Westphal

Es ist kaum auszuhalten, das Leben in der westdeutschen Provinz im Jahr 1968. Die Nachrichten berichten zwar von Aufbrüchen und Protesten, doch Berlin ist unendlich weit entfernt. In der Kleinstadt, in der Ruby und ihr etwas älterer Freund Martin leben, scheint die Zeit dagegen stehengeblieben zu sein. Hier herrscht noch der »Muff von tausend Jahren«. Das Sagen haben Männer wie Rubys Vater, ein despotischer Kleinbürger und Katholik, oder der Direktor des Gymnasiums, der Martin zwar ein paar wohlmeinende Worte mitgibt, ihn aber letztlich auch nur brechen will.

Zucht und Ordnung, lange Röcke und kurze Haare, das ist das Deutschland, in dem das von Victoria Schulz und Anton Spieker gespielte Teenagerpaar gefangen ist. Mit jeder neuen Erniedrigung wachsen ihre Sehnsucht und ihr Verlangen, bis sie schließlich auf der Vespa eines Freundes den Ausbruch wagen und so tragisch wie banal scheitern.

Die Enge der Provinz und die Enge in den Köpfen der Erwachsenen sind in Christian Froschs Melodrama geradezu erdrückend. Wenn sie unter sich sind, können Ruby und Martin sie zwar für Momente vergessen. Aber dieses Gefühl von Glück und Freiheit, das etwa in ein paar Stücken Fliegenpilz liegen kann, hält nicht an. Eine Zeit lang öffnen sich die Handkamerabilder. Das Breitwandformat weicht dann dem freieren, nicht so einengenden Cinemascope. Sobald die beiden wieder zurück sind in der Welt der Väter und Lehrer, Polizisten und Richter, verengt sich auch das Bild wieder, wird erneut zu einer Art Schraubstock und zum Ausdruck der Atmosphäre von Gewalt und Verdrängung.

Nach ihrem Fluchtversuch landen die Liebenden im System. Ruby wird in ein Kloster der Barmherzigen Schwestern geschickt. Und Martin kommt nach
Freistatt, in das berüchtigte Erziehungsheim der Diakonie, das im Endeffekt eine Art Arbeitslager war [ 1899-1995 ! --- DIAKONIE FREISTATT TORFWERK in Betrieb bis 1996 ! ]. Mit der Trennung der beiden wird Von jetzt an kein Zurück zum Heim- und Gefängnisfilm. In einem fast dokumentarisch anmutenden Stil erzählt Frosch von den Methoden, mit denen rebellische Jugendliche zu funktionierenden Untertanen dressiert werden sollten. Jedes der rauen Schwarz-Weiß-Bilder, in denen Frank Amann die Gewalt und die Willkür der Barmherzigen Schwestern wie der Aufseher in Freistatt porträtiert, wird zu einem filmischen »J’accuse«.

Christian Froschs Zorn angesichts der Verhältnisse, die sein Liebespaar zerstören, erfüllt jeden Augenblick des Films. Von jetzt an kein Zurück hat etwas Maßloses, in seinem Groll wie auch formal. So folgt auf das Heimkapitel ein Sprung ins Jahr 1977. Ruby schlägt sich nun als Schlagersängerin durch und ertränkt ihre Erinnerungen in Alkohol. Martin, der Schriftsteller werden wollte, war aufgrund von Verbindungen zur terroristischen Szene im Gefängnis. Als die beiden noch einmal zusammentreffen, ist ihre Zukunft längst vorüber. In diesen Momenten erinnert Froschs Aufschrei an Rainer Werner Fassbinders Arbeiten jener Jahre. Wie Fassbinder gelingt auch Frosch eine Repolitisierung des Melodramatischen. Die Emotionen, die er provoziert, lähmen nicht, sondern sind ein Ansporn zu handeln.

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INFORMATION ZUR QUELLE DIESER FILM-REZENSION:
IMPRESSUM @
http://www.epd-film.de/impressum
Redaktion epd Film: Rudolf Worschech (verantw.), Sabine Horst, Barbara Schweizerhof
Tel.: 069-58098-119/177/104
Fax: 069-58098-271
E-Mail:
film@epd.de
Internet: http://www.epd-film.de Sekretariat:
Tel.: 069-58098-205
E-Mail: filmsekretariat@epd.de
Herausgeber:
Jörg Bollmann, Direktor des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik gGmbH, Dr. Thomas Schiller, Chefredakteur des Evangelischen Pressedienstes.

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Beitragvon Martin MITCHELL » Mi Jul 15, 2015 9:08 am

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KINOFILM über die damalige Heimerziehung in der BRD. Hier in diesem Thread ist die Rede von Christian Frosch’s FILM "VON JETZT AN KEIN ZURÜCK", seit Fr. 19.06.2015 auch in österreichischen Kinos.

Siehe diesbezüglich auch folgendes INTERVIEW direkt aus Österreich in Salzburger Nachrichten ( vom Do. 18.06.2015 ) @ http://www.salzburg.com/nachrichten/welt/kultur/sn/artikel/von-jetzt-an-kein-zurueck-gewalt-statt-barmherzigkeit-154553/

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Salzburger Nachrichten

Welt | Kultur

"Von jetzt an kein Zurück": Gewalt statt Barmherzigkeit

Von Magdalena Miedl | Do. 18.06.2015 - 19:11 Uhr

In kirchlichen Erziehungsheimen ging es übel zu. Ein Melodram erzählt davon.

Zwei junge Leute verlieben sich ineinander, versuchen den Repressionen ihrer Eltern zu entfliehen und werden ins Heim gesteckt. Für die Hauptdarsteller Victoria Schulz und Anton Spieker gab es kürzlich den Nachwuchspreis beim Deutschen Filmpreis, der österreichische Regisseur Christian Frosch bekam für seinen Film den Diagonale-Publikumspreis - und spricht im SN-Interview über die Verbrechen kirchlicher Heime.

SN: Wo kommt die Geschichte Ihres Films her?

CHRISTIAN FROSCH: Die Kleinstadtenge im ersten Teil habe ich selbst so erlebt, die Siebzigerjahre im Waldviertel waren von der Mentalität her wie woanders die Fünfzigerjahre. Das war damals wahnsinnig eng. Aber der eigentliche Anlass, den Film zu machen, war eine nächtliche Begegnung mit einem Mann, der in einem solchen Heim war.

SN: Das muss ein beeindruckendes Zusammentreffen gewesen sein.

CHRISTIAN FROSCH: Ich war nachts unterwegs in Berlin Kreuzberg. In einem Lokal fragt mich einer, was ich beruflich so mache, und als er hört, dass ich Filme drehe, sagt er: "Ich hab die Geschichte für deinen nächsten Film: mein Leben!" Normalerweise überlege ich in so einem Moment, wie ich schnell wegkomme. Aber dann hat der begonnen zu erzählen, reflektiert und genau, und das hat mich wirklich gepackt. Wir haben tags darauf telefoniert, und beim nächsten Treffen hat er jemand Zweiten mitgenommen, der ebenfalls in einem Heim war. Ich wurde sozusagen gekapert als jemand, der "über unsere Geschichte etwas machen will". Ich hätte mich natürlich wehren können. Aber viele von diesen Leuten haben mit mir zum ersten Mal richtig über ihre Erfahrungen gesprochen. Es waren über fünfzig Interviews, wirklich erschütternde Geschichten.

SN: Haben Sie die extremsten Erfahrungen herausgepickt oder ist repräsentativ, was in Ihrem Film geschieht?

CHRISTIAN FROSCH: Die Kreativität von Sadismen ist unendlich groß, ich hab die ganz schlimmen Dinge eher vermieden. Der ganze Bereich sexueller Missbrauch etwa ist weitgehend ausgespart, da gibt es nur Anspielungen. Aber diese komische Obsession mit der Jungfernschaft ist etwas sehr Katholisches, diese Sexualisierung durch Verleugnung von Sexualität erzeugt eine ganz merkwürdige Perversion. Es haben auch alle erzählt von der Leibfeindlichkeit in diesen Anstalten. Sie durften nicht nackt duschen, jede Form von Körperlichkeit war verboten, gleichzeitig waren das Mädchen und junge Frauen, die zum Teil schon sexuell sehr erfahren waren. Letztendlich ist das eine völlig kranke Welt.

SN: Es gibt viele Beispiele von Heimliteratur und Filmen zum Thema. Haben Sie sich daran orientiert?

CHRISTIAN FROSCH: Ich habe mich an die realen Erfahrungsberichte aus meinen Interviews gehalten. Mir war wichtig, dass die zwei Heime, die ich zeige, stimmen. Bei dem katholischen Heim habe ich mich an den Barmherzigen Schwestern in Dortmund orientiert. Und das andere ist Freistatt in Niedersachsen, wo die Jugendlichen im Moor arbeiten mussten. Da haben mir Leute bestätigt, die das erlebt haben: "Ja, so war's, nur viel schlimmer!"

SN: Waren die Skandale, die es in Deutschland in den letzten Jahren zu verschiedenen Heimen und Schulen gab, ein Motor für diesen Film? In Österreich gab es ja kaum Skandale, obwohl die Heime genauso existierten.

CHRISTIAN FROSCH: Ich würde sagen, in Österreich ist das ein anhaltender Skandal. Eine Motivation war sicher das Gefühl, diese Geschichte muss erzählt werden. Zugleich ist aber ein Spielfilm etwas anderes als eine Reportage. Für mich war wichtig, dass das kein reiner Heimfilm wird, sondern ein Zeitporträt. Es spielt zwischen 1967 und 1977, das Vorher und Nachher ist notwendig, sonst habe ich eine schlimme Horrorgeschichte, aber man muss auch die Zeit spüren. Ich habe mich für die späten Sechzigerjahre entschieden, weil das die Zeit ist, in der diese zwei Welten am meisten auseinanderklaffen: der gesellschaftliche Aufbruch und die noch immer im Faschismus hängen gebliebene Gesellschaft.

SN: Kaum ein Film über diese Zeit verdeutlicht so sehr, wie zwingend der Aufbruch war. Ihr Film zeigt ein Deutschland an der Kippe.

CHRISTIAN FROSCH: Ja, das betrifft auch Österreich: Es gibt einige Filme über die Sechziger- und Siebzigerjahre, besonders über die RAF, aber es fehlt immer die Vorgeschichte zur Revolte. Woher diese Gewaltbereitschaft kam, ist für junge Leuten heute, glaube ich, nicht mehr nachvollziehbar. Es gab Ende der Sechzigerjahre die sogenannte Heimkampagne: Da wurden plötzlich die Heimkinder von linken Journalisten ins Zentrum gerückt. Und die Anführer dieser Kampagne hießen Gudrun Ensslin, Andreas Baader und Ulrike Meinhof. Einige ehemalige Heimkinder sind dann auch zur RAF gegangen. In den Texten von Meinhof zu dem Thema schreibt sie etwa: "Das, was in den Heimen passiert, ist der wahre Kern der Gesellschaft, das, was die Gesellschaft will. Darauf kann man nicht mehr mit friedlichen Mitteln reagieren." Das war eine Fehleinschätzung, aber dadurch wird einiges verständlich.


FILM. "VON JETZT AN KEIN ZURÜCK". Drama, Österreich 2015. Regie: Christian Frosch. Mit Victoria Schulz, Anton Spieker, Ben Becker, Erni Mangold, Walfriede Schmitt. Start: 19. 6.2015

Dieser Artikel ist aus der gedruckten Ausgabe der "Salzburger Nachrichten".

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QUELLE: Salzburger Nachrichten @ http://www.salzburg.com/nachrichten/welt/kultur/sn/artikel/von-jetzt-an-kein-zurueck-gewalt-statt-barmherzigkeit-154553/
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Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; Freiheit bedarf ständiger Wachsamkeit.“ MM
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NEWS: Kinofilm re FREISTATT (boys) u. re VINCENZHEIM (girls)

Beitragvon Martin MITCHELL » Mi Jan 13, 2016 1:53 am

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Der in Berlin ansässige össterreichische Filmemacher, Regisseur und Drehbuchautor Christian Frosch machte mich gestern darauf aufmerksam

"VON JETZT AN KEIN ZURÜCK"

Vier Nominierungen für den deutschen Kritikerpreis 2015 für

BESTER SPIELFILM
BESTE DARSTELLERIN (Viktoria Schulz)
BESTE MUSIK (Andreas Ockert)
BESTER SCHNITT (Karin Hammer, Daniel Scheimberg)

Zwei Nominierungen für den österreichischen Filmpreis für

BESTES DREHBUCH (Christian Frosch)
BESTES KOSTÜMBILD (Stefanie Jauß)

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QUELLEN:
http://www.vdfk.de/news/view/195-nominierungen-fur-den-preis-der-deutschen-filmkritik-2015-stehen-fest und
http://www.oesterreichische-filmakademie.at/2016/nominierungen2016.html

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NOMINIERUNGEN FÜR DEN PREIS DER DEUTSCHEN FILMKRITIK 2015 STEHEN FEST

Nominierungen für den Preis der deutschen Filmkritik 2015:
Filmkritiker nominieren 32 deutsche Produktionen für Auszeichnungen in 12 Kategorien

Die Jurys des Verbandes der deutschen Filmkritik haben ihre Favoriten für den seit 1956 vergebenen Preis der deutschen Filmkritik bekannt gegeben - insgesamt 32 verschiedene Filme aus dem vergangenen Kinojahr wurden für die 12 Kategorien der renommierten Auszeichnung nominiert:
Gleich vier Nominierungen erhalten [] auch Christian Froschs „Von jetzt an kein zurück“ über die Auswirkungen der 1968er-Revolte. [] ist Christian Froschs facettenreiches Porträt der BRD-Ära als bester Spielfilm, für die beste Darstellerin (Victoria Schulz), die beste Musik und den besten Schnitt nominiert.

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QUELLE: http://www.vdfk.de/news/view/195-nominierungen-fur-den-preis-der-deutschen-filmkritik-2015-stehen-fest
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