Katholische „Heime“ und „Waisenhäuser“ in der Schweiz.

Katholische „Heime“ und „Waisenhäuser“ in der Schweiz.

Beitragvon Martin MITCHELL » Sa Dez 05, 2015 2:02 am

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ERSTENS

Die katholischenHeimeundWaisenhäuserin der Schweiz waren damals vorwiegend unter den folgenden Beschreibungen bekannt:

Erziehungsanstalt für katholische Mädchen

Erziehungsanstalt für katholische Knaben

katholische Erziehungsanstalt für stumpfsinnige Kinder

Wie viele einer bestimmten Sorte es jeweils zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Schweiz gab, wie sie jeweilig damals alle benannt waren, und wo in der Schweiz sie sich damals alle befanden, habe ich persönlich bisher noch nicht feststellen können.

Nur mal als Beispiel jedoch, wird auch hier über diese katholischenHeimeundWaisenhäuser“ berichtet:
»Kloster entschuldigt sich für Übergriffe« (5. Mai 2014, 12:49 Uhr) @
http://www.20min.ch/schweiz/ostschweiz/story/Kloster-Fischingen-gibt--bergriffe-auf-Kinder-zu-19418202


Siehe hierzu auch »Jedem Kinderheim seinen Kindsmissbrauch: Das Folterkloster Fischingen nimmt Stellung« (umschrieben von Von Benjamin von Wyl am 6. Mai 2014) @ http://www.vice.com/alps/read/jedem-kinderheim-seinen-kindsmissbrauch-das-kloster-fischingen-seine-vergangenheit


ZWEITENS

Eine diesbezügliche Veröffentlichung der Katholischen Kirche in der Schweiz:


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Markus Ries, Valentin Beck (Hg.)

Hinter Mauern
Fürsorge und Gewalt in kirchlich geführten Erziehungsanstalten im Kanton Luzern


ISBN: 978-3-290-20088-6

Markus Ries, Valentin Beck (Hg.)

Hinter Mauern

Theologischer Verlag Zürich
Markus Ries, Valentin Beck (Hg.)


Hinter Mauern
Fürsorge und Gewalt in kirchlich geführten Erziehungsanstalten im Kanton Luzern

Die Deutsche Bibliothek – Bibliografische Einheitsaufnahme
Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.dnb.de [color=#000040]abrufbar.

Umschlaggestaltung: Simone Ackermann, Zürich
Druck: ROSCH-BUCH GmbH, Scheßlitz
ISBN: 978-3-290-20088-6
© 2013 Theologischer Verlag Zürich

http://www.edition-nzn.ch

Alle Rechte vorbehalten

Wir danken den folgenden Personen und Institutionen für die Unterstützung zur Erstellung der Studie:
Dr. Dr. Felix Gmür, Bischof von Basel, Solothurn
Katholische Landeskirche des Kantons Thurgau
Katholische Kirche im Kanton Zürich
Katholischer Konfessionsteil des Kantons St. Gallen
Katholische Kirche Stadt Luzern
Römisch-Katholische Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ)
SWISSLOS Lotteriefonds Kanton Luzern
Vereinigung der Katholischen Kirchgemeinden des Kantons Zug (VKKZ)

Geleitwort der Auftraggeber

Als die katholische Kirche im Kanton Luzern die Studie Hinter Mauern in Auftrag gab, wussten wir, dass es in Heimen im Kanton Luzern zu Gewalt und Übergriffen gekommen war. Die Ergebnisse zeigen nun auf, dass dies in weit höherem Mass geschah, als wir uns vorgestellt hatten. Dokumentiert sind mehrfache sexuelle Übergriffe in einigen und ein sehr häufiges Fehlverhalten im Bereich der Strafe in allen untersuchten Heimen. Diese Tatsachen zur Kenntnis nehmen zu müssen schmerzt. Wir drücken unser tiefes Bedauern über die Missstände aus und wiederholen die Bitte vom November 2008: Wir bitten alle, die Unrecht erlitten haben, stellvertretend um Entschuldigung. Wir werden das in unseren Kräften Stehende tun, damit sich solches nicht wiederholt.

[ @
http://www.lukath.ch/dl.php/de/5152cbf2e2a55/130327_buch_hinter-mauern.pdf (6.20 MB – 380 Seiten) ]

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Siehe auch @ https://ottohostettler.wordpress.com/2010/07/06/gewalt-in-kinderheimen-die-liste-wird-langer/
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Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; Freiheit bedarf ständiger Wachsamkeit.“ MM
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Katholische „Heime“ und „Waisenhäuser“ in der Schweiz.

Beitragvon Martin MITCHELL » Mi Dez 30, 2015 4:33 am

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Schweizer Heimerziehung --- genauso wie in Deutschland.

Heimerziehung in der Schweiz --- genauso wie in Deutschland und wie in Österreich auch.

In der Neue Züricher Zeitung @ http://www.nzz.ch/schweiz/politische-literatur/bete-und-arbeite-1.18669351 wird zum Ende des Jahres 2015 wie folgt berichtet:

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Kinder im Klosterheim

Bete und arbeite!

Im Kinderheim des Klosters Fischingen herrschte ein unmenschliches Regime, wie eine neue Studie zeigt. Die Gesellschaft kümmerte sich kaum um das Schicksal von Kindern aus ärmlichen Verhältnissen.

• von Urs Hafner
• 29.12.2015, 05:30 Uhr

Öffentlicher Druck war der Auslöser. Weil sich in den Medien ehemalige Heimkinder zu Wort meldeten und berichteten, sie seien sexuell missbraucht worden, beschloss der Verein Kloster Fischingen, die Geschichte der Anstalt von Historikern aufarbeiten zu lassen. Von 1879 bis 1978 war im Thurgauer Kloster das von Geistlichen geführte Kinderheim St. Iddazell untergebracht. Es diente als Waisenhaus und Erziehungsheim. Heute besteht ausserhalb der Mauern das Sonderschulheim Chilberg weiter. Im Kloster wohnen wieder Benediktiner.

Opfer von Gewalt

Das schön gestaltete Buch der Beratungsstelle für Landesgeschichte bestätigt wenig überraschend die Vermutung, dass es in der abgelegenen Anlage St. Iddazell – wie in vielen anderen Kinderheimen – kalt war, und zwar auch im Sommer. Die überwiegend aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Kinder und Jugendlichen, die von Vormündern, Armenpflegen, Waisenämtern und auf Antrag ihrer Eltern interniert wurden, verbrachten die Tage mit Arbeiten, Beten, Schweigen und dem Erdulden von Strafen. Sie lebten in bitterer Armut.

Die von den Behörden mangelhaft überwachte, strikt hierarchisch geführte und bestens in das katholische Netzwerk eingebettete Anstalt – damals eine der grössten der Schweiz – war auf Spenden und die Erzeugnisse des von den Kindern bebauten Gartens angewiesen. Sie wurden Opfer sexueller, physischer und seelischer Gewalt, die das Personal ausübte, die Menzinger Schwestern, Lehrer und geistlichen Leiter. An diesem düsteren Gesamtbild ändern auch die positiven Erinnerungen nicht, auf welche die Historikerinnen und Historiker, die sich auf Interviews mit ehemaligen Zöglingen und Erziehern und schriftliche Quellen stützen, gestossen sind.

Jeder kämpfte gegen jeden

Die sorgfältig und überlegt vorgehenden Autoren betonen, dass sich widersprechende Erinnerungen nicht «falsch» sein müssen. Erinnerung ist immer selektiv und durch die Gegenwart geprägt. Zudem wurden manche Insassen privilegiert, und das chronisch überforderte Personal zeigte oft zwei Gesichter: Sadistische Exzesse wurden überraschend durch überschwängliche Sympathiebekundungen abgelöst.

Die Autoren schwingen sich nicht zu Richtern auf. Sie entwerfen ein differenziertes, den damaligen Mentalitäten Rechnung tragendes Gesamtbild, das vor allem mit der Schilderung des Alltags der Kinder und der unheilvollen inneren Dynamik der «totalen Institution» überzeugt. Man gewinnt den Eindruck, dass oft jeder gegen jeden kämpfte, auch unter den Kindern. Weiterer Erforschung bedürfen die Hinweise, dass das Heim in Zusammenarbeit mit der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen Zöglinge für Medikamentenversuche missbrauchte.

Nur einen Mangel weist die weitgehend klar formulierte Studie auf: die Darstellung. Zu kleinteilig ist das Inhaltsverzeichnis, zu offensichtlich hat man, der Vorgabe des Untersuchungsberichts gehorchend, einzelne Punkte abgearbeitet und Ergebnisse aufgelistet, die nur für den Auftraggeber von Interesse sind. Es wäre erfreulich, wenn die zu erwartenden weiteren derartigen Studien (etwa der Unabhängigen Expertenkommission Administrative Versorgungen) historiografisch ansprechendere Lösungen fänden.

Sabine Jenzer, Thomas Meier et al.: Kinder im Klosterheim. Die Anstalt St. Iddazell Fischingen 1879–1978 Verlag des Historischen Vereins des Kantons Thurgau, Frauenfeld 2015. 244 S., Fr. 48.–.

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QUELLE: Neue Züricher Zeitung @ http://www.nzz.ch/schweiz/politische-literatur/bete-und-arbeite-1.18669351
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