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(kath.) Bürgermeister legte einen Fürsorgezögling in Ketten.

BeitragVerfasst: Do Jan 15, 2015 1:50 pm
von Martin MITCHELL
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Bundesrepublik Deutschland, Ende der 1960er / Anfang der 1970er Jahre:
Ein vom Heim an einen Bauern verdingtes Heimkind von dem Bauern, der auch der Bürgermeister ist, gefoltert und in Ketten gelegt.


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ZEIT ONLINE

Folterkammer auf dem Bauernhof

Bürgermeister legte einen Fürsorgezögling in Ketten

VON KILIAN GASSNER

Aktualisiert 17. Juli 1970 - 07:00 Uhr

Traustein

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Der Bürgermeister der 886 Einwohner zählenden Gemeinde Emertsham im oberbayerischen Chiemgau, Thomas Mayr (63), wurde angeklagt und vom Schöffengericht der »fortgesetzten Verletzung der Obhutspflicht, Körperverletzung und Freiheitsberaubung« (geschehen im Sommer 1968) für schuldig befunden; seine Frau und Tocher Anna Mayr (28) und sein Sohn Karl Mayr (31) wurden ebenso angeklagt und gleichsam für schuldig befunden. Die Presse sprach dabei von einem „Sklavenprozeß“; das Heimkind, Detlev Kozian, war der „Sklave“ von dem hier die Rede ist und den man gefoltert hatte.

Das Heim war das kaltholische Glonner Pius-Heim ( „Piusheim“ ), das dem Landwirt und Bürgermeister von Emertsham, Thomas Mayr, den sich im Vollzug der freiwilligen Erziehungshilfe befindenden 17jährigen Zögling, Detlev Kozian, als landwirtschaftlichen Arbeiter auslieh.

Die ganze horrende Geschichte im Original lesen (berichtet am 17. Juli 1970 - 07:00 Uhr ) (Seite 1) @
http://www.zeit.de/1970/29/folterkammer-auf-dem-bauernhof und (Seite 2) @ http://www.zeit.de/1970/29/folterkammer-auf-dem-bauernhof/seite-2



Zu diesem katholischen Erziehungsheim »Piusheim Glonn« / Glonn Piusheim« / »Piusheim 85625, Erziehungsheim bei Glonn Ebersberg« gibt es mindestens vier verschiedene Threads im HEIMKINDER-FORUM.DE

http://heimkinder-forum.de/v4x/index.php/Thread/15260-Piusheim-Glonn/

http://heimkinder-forum.de/v4x/index.php/Thread/14378-Jugenddorf-Piusheim/

http://heimkinder-forum.de/v4x/index.ph ... -und-Schloß-Birckeneck-Freis/

http://heimkinder-forum.de/v4x/index.php/Thread/15179-Hat-Jemand-Informationen-zum-Erziehungsheim-in-Glonn-Bayern/

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(kath.) Bürgermeister legte einen Fürsorgezögling in Ketten.

BeitragVerfasst: Mo Feb 09, 2015 9:16 am
von Martin MITCHELL
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Bayern im Bund - Band 2Gesellschaft im Wandel: 1949 bis 1973

hrsg. vom Institut für Zeitgeschichte - München: Oldenbourg, 2002

Hrsg. von Thomas Schlemmer, Hans Woller

[ Buchauszug von
https://books.google.de/books?id=PZWkRCi_R-MC&pg=PA415&lpg=PA415&dq=%22Piusheim%22%2B%22Glonn%22%2B%22Bayern%22&source=bl&ots=frqmjFJeQn&sig=4HiXjtQ7WRIJ5tkVoV84jThDr8k&hl=de&sa=X&ei=7RPXVM7rF8T98QX69YJY&ved=0CDsQ6AEwBTgK#v=onepage&q=%22Piusheim%22%20%22Glonn%22%20%22Bayern%22&f=false ]

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[ Beitrag von ] WILFRIED RUDLOFF

Im Schatten des Wirtschaftswunders 1949-1973

4. Heimerziehung

Im Juni 1969 tauchte vor dem Piusheim in Glonn (Landkreis Ebersberg) eine Gruppe von Münchner APO-Anhängern auf, verwickelte die Insassen des [ katholischen ] Erziehungsheims in eine Diskussion, forderte sie zur Flucht auf und bot ihnen Unterschlupfmöglichkeiten an
338. Wenig später folgten ähnliche Aktionen vor dem [ katholischen ] Erziehungsheim [ Schloß ] Birkeneck im Landkreis Freising und dem [ katholischen ] Mädchenheim [ Schloß ] Zinneberg339. Bald waren allein in Glonn 23 Jugendliche entflohen, der Großteil davon versteckte sich bei linken Aktivisten der Münchner APO-Szene340. Heimträger und Jugendfürsorgebehörden befanden sich in heller Aufregung, zumal auch aus anderen Städten in der Bundesrepublik von ähnlichen „Heimkampagnen“ der APO berichtet wurde341. Die Strafverfolgungsbehörden nahmen umgehend die Ermittlung auf und erstatteten gegen eine Reihe von „Aufwieglern“ Anzeige342. Unter reger Anteilnahme der Presse durchsuchte die Münchner Polizei etliche Wohnungen, in denen „Heimentweicher“ vermutet wurden. Die „Bild-Zeitung“ ließ sich nicht nehmen, von einem „Sex-Skandal mit Fürsorgezöglingen“ zu berichten343. 25 Personen wurden vorläufig festgenommen, darunter 21 Jugendliche aufgrund des „Verdachts des Entweichens bzw. Vermissung“344.

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338 BayHStA, MInn 89744, Jugenddorf Piusheim an die Regierung von Oberbayern vom 22.7.1969, die Berichte des Piusheims Glonn vom 27.6. und 29.6.1969, Bericht des bayerischen Innenministeriums, Sachgebiet S, an die Abteilung II vom 24.6.1969, Fernschreiben des bayerischen Innenministeriums an die Bundesregierung vom 1.7.1969; BayHStA, MInn 89033/1 Halbjahresbericht der Regierung von Oberbayern für die Zeit vom 1.4.-30.9.1969, S. 5.
339 BayHStA, MInn 89744, Bericht des bayerischen Innenministeriums, Sachgebiet S, an die Abteilung II vom 25.7.1969, Direktion Schloß Birkeneck an die Regierung von Oberbayern vom 8.9.1969 und Regierung von Oberbayern an das bayerische Innenministerium vom 6.8.1969.
340 Vgl. Der Spiegel vom 30.9.1969: „An der Südfront“. In diesem Artikel war von etwa 100 entwichenen Zöglingen die Rede, die nach und nach den Weg in die Münchner Kommunen gefunden hätten [ http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45547695.html ].
341 BayHStA, MInn 89744, Niederschrift über eine Besprechung im bayerischen Innenministerium mit Trägern von Erziehungsheimen, Vertretern von Bezirksregierungen und Ministerien am 2.7.1969; vgl. auch Christian Schrapper, Voraussetzungen, Verlauf und Wirkungen der „Heimkampagnen“, in: neue praxis 20 (1990), S. 417-428, und Matthias Almstedt/Barbara Munkwitz, Ortsbestimmung der Heimerziehung. Geschichte, Bestandaufnahme, Entwicklungstendenzen, Weinheim/Basel 1982, S. 29ff.
342 BayHStA, MInn 89744, Landespolizeidirektion Oberbayern an die Staatsanwaltschaften bei den Landgerichten München I und II vom 7.8.1969. Landespolizeidirektion Oberbayern an die Staatsanwaltschaft beim Landgericht München I vom 22.9.1969. Gegen die „Rädelsführer“ wurde Antrag auf Haftbefehl gestellt, weil sie der Zugehörigkeit zu einer Organisation verdächtigt wurden, deren Zweck und Tätigkeit darauf gerichtet war, strafbare Handlungen zu begehen.
343 Bild-Zeitung vom 25.9.1969: „Sex-Skandal mit Fürsorgezöglingen“.
344 BayHStA, MArb 3151, bayerisches Innenministerium an das Bundesministerium u.a. vom 25.9.1969.

Seite 415

Die „Aktion Südfront“, wie sich die „Aufwiegler“ nannten, waren das Unternehmen einiger Aktivisten, die des sterilen Theoretisierens müde waren und sich aus den endlosen Gruppenkämpfen der Münchner Linken lösen wollten. Die Vorkämpfer der „Südfront“ hatten sich nichts geringeres vorgenommen, als „die Kulturrevolution aus der Metropole in den süddeutschen Raum zu tragen“. Die 27 bayrischen Erziehungsheime und 130 Jugendheime waren hierzu Orte der Initialzündung ausersehen
344. []

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345 BayHStA, MInn 89744, Flugblatt „Aktion Südfront“ das an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität verteilt wurde.

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Zum Angebot dieses erstmalig im Jahre 2002 erschienenen Fachbuches »Bayern im Bund - Gesellschaft im Wandel: 1949 bis 1973« (das insgesamt 490 Seiten umfasst ) bei AMAZON siehe @ http://www.amazon.de/Bayern-Bund-Gesellschaft-Wandel-1949/dp/3486565958
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(kath.) Bürgermeister legte einen Fürsorgezögling in Ketten.

BeitragVerfasst: Di Feb 10, 2015 12:54 am
von Martin MITCHELL
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Hier, in diesem Thread, handelt es sich um das Piusheim in der Gemeinde Baiern, Markt Glonn, in Oberbayern.

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[ http://www.markt-glonn.de/index.php/verwaltungsgemeinschaft/2012-09-26-09-38-24/baiern ]

Topografie

Die Gemeinde Baiern liegt im südlichsten Eck des Landkreises Ebersberg. Mischwälder, Wiesen, Äcker und Filzen prägen die vom Inntalgletscher vorgeschobenen Moränenhügel (bis 610 Meter über dem Meeresspiegel). 12 Einöden, 11 Weiler und 10 Dörfer fügen sich auf der knapp 20 Quadratkilometer großen Gemeindeflur in die Voralpenlandschaft ein. Die größten Orte sind Antholing, Berganger, Netterndorf und das Jugenddorf Piusheim.

Einwohnerschaft

Die 1400 Einwohner leben überwiegend von Landwirtschaft und Handwerk oder pendeln in die 40 Kilometer entfernte Landes- hauptstadt. Das Gemeindegebiet ist mit Buslinien an das öffentliche Nahverkehrs-system Münchens angebunden. Schlagadern des Verkehrs sind die Kreisstraße EBE 15 von Nord nach Süd und die Staatsstraße 2079 (München - Rott am Inn) in ost-west- licher Richtung

Verwaltung, Vereine und Schule

Da es keinen Ort mit dem Gemeindenamen "Baiern" gibt, wurde im zentral gelegenen Kulbing 1963 die Gemeindeverwaltung eingerichtet.

Mit dem Bau der Abwasseranlage, der Ausweisung eines Gewerbegebietes, dem Kindergarten-Neubau u.v.m. hat die Gemeinde den Grundstein für ein zukünftiges organisches Wachstum gelegt.

Seit jeher wird das Vereinsleben in der Gemeine Baiern gepflegt. So widmen sich ca. 30 Vereine und Gruppen dem kulturellen Leben. Dessen Mittelpunkt ist das1996 erbaute Vereinsheim in Antholing.

Seit 1905 werden im Piusheim männliche Jugendliche betreut. Unter der Trägerschaft der Katholischen Jugendfürsorge werden im Heim differenzierte Maßnahmen der Jugendhilfe angeboten. Eine Förderstätte für psychisch kranke Erwachsene ist angeschlossen.

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SELBST WEITERLESEN IM ORIGINAL @ http://www.markt-glonn.de/index.php/verwaltungsgemeinschaft/2012-09-26-09-38-24/baiern

Siehe auch @ http://www.kjf-muenchen.de/wir/geschichte.html

Siehe auch @ http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_46426 ( „Erziehungsanstalt Piusheim (Gemeinde Baiern, Landkreis Ebersberg)“ )

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(kath.) Bürgermeister legte einen Fürsorgezögling in Ketten.

BeitragVerfasst: Di Feb 10, 2015 2:10 am
von Martin MITCHELL
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Großes Foto »Erziehungsanstalt Piusheim, Weidach ˂Ebersberg˃«, bei Glonn, in Oberbayern (Foto: Bayerischen Staatsbibliothek München 1949) @ http://bavarikon.de/de/image/kpbO-BSB-BAR-0000000000045591

Kleines Foto »Erziehungsanstalt Piusheim, Weidach ˂Ebersberg˃«, bei Glonn, in Oberbayern @ http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/thumbnail/artikel/artikel_46426_bilder_value_1_tupamaros1.jpg
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