DIAKONIE - Fürsorgehölle ANSTALT FREISTATT im Wietingsmoor.

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Beitragvon Martin MITCHELL » So Sep 04, 2016 3:07 pm

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Nach weiterem Versuch meine kürzlich verfasste Email an Pfarrer Erich Helmer (Zeitzeuge!) einst Angestellter in FREISTATT angezeigt im unmittelbar vorhergehenden Beitrag hier in diesem Thread – doch noch an ihn zuzustellen (unter einer anderen Email-Adresse), hat dieser mir am 03.09.2016 wie folgt geantwortet:

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Sehr geehrter Herr Mitchell,

haben Sie Dank für Ihr Schreiben vom 01. Sept. [2016] mit der Bitte um einen ausführlicheren Bericht über die
DIAKONISCHEN HEIME IN FREISTATT und die damit verbundenen Behandlungen an den dort unterbrachten Jugendlichen.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich mit meinen fast 94 Jahren absolut keinen Schwung mehr habe, um längere Berichte abzufassen. Ausserdem habe ich im Internet sehr viele Berichte von Ihnen gelesen, die über die damaligen Zustände bezgl. der Behandlung der dort untergebrachten Jugendlichen berichteten, dass weitere Aussagen sich erübrigen.

Ihre Grüße und Wünsche erwidere ich gern und wünsche Ihnen alles Gute.

Erich Helmer, Pfr.em.

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Es wird also nichts mehr aus seiner Feder und aus seinem eigenen direkten Wissen kommen.
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Beitragvon Martin MITCHELL » Di Sep 13, 2016 2:59 am

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Am Di. 13.09.2016 habe ich folgende weitere Email an Erich.Helmer[a]web.de gesandt.

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SUBJECT: Nochmaliger Kontakt von dem ex-Freistätter aus Australien mit einer etwas anderen Bitte.

Sehr geehrter Herr Pastor Erich Helmer,

es ist wirklich schade, dass ich Sie nicht habe dazu bewegen können Ihre eigenen Erfahrungen als Pfarrer in der
Erziehungseinrichtung FREISTATT im Jahre 1968 zu schildern; denn ein hohes Alter allein ist m.M.n diesbezüglich nun doch nicht wirklich ein Hinderness.

Meine Recherchen ergeben jedoch, dass Sie schon im Jahre 1991 ein 80-seitiges Buch veröffentlicht haben: »(1991) Unvergeßlich, Erlebte Erzählungen, ERICH HELMER«. Vielleicht enthält diese Ihre derzeitige Veröffentlichung ja auch etwas über Ihre Erfahrungen als Pfarrer in der
Erziehungseinrichtung FREISTATT im Jahre 1968. Aber auch wenn das Buch nichts über die Erziehungseinrichtung FREISTATT enthält, würde ich es trotzdem – gerade weil Sie es sind der darin erzählt – gerne lesen.

Deshalb, falls Sie ein gratis Exemplar dieser Ihrer „Erzählungen“ übrig haben, wäre ich Ihnen sehr dankbar wenn Sie mir dies auf mein Postfach (bzw. Postfach eines meiner australischen Freunde) wie folgt adressiert

Martin MITCHELL
C/- CBSCustom Based Software
P O Box
000000
INGLE FARM SA 5098
A U S T R A L I A

zukommen lassen könnten.

Vielen Dank.

Mit freundlichen Grüßen

Martin MITCHELL

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Beitragvon Martin MITCHELL » Mi Sep 14, 2016 3:20 am

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Die heutige Bethel-eigene [FREISTATT] WOHUNGSLOSENTREFFEN-WEBSEITE @ http://www.wohnungslosentreffen.de/faq.html ist ausnahmsweise auch von Australien aus aufrufbar. IMPRESSUM @ http://www.wohnungslosentreffen.de/impressum.html. Diese Webseite besteht erst seit dem 31.05.2016.

Die heutige Bethel-eigene [FREISTATT] WOHNUNGSLOS.INFO (aka FREISTÄTTER-ONLINE-ZEITUNG-WEBSEITE ) @ http://www.wohnungslos.info/ aber bleibt weiterhin für Australien gesperrt. IMPRESSUM @ http://www.wohnungslos.info/impressum. Diese Webseite besteht seit dem 20.11.2011, war aber von diesem Zeitpunkt an bis heute, durchgehend, noch nie von Australien aus aufrufbar; und alle meinerseitigen diesbezüglichen Kontaktaufnahmen mit dem Betreiber werden von Bethel ignoriert.
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Beitragvon Martin MITCHELL » Sa Sep 17, 2016 2:38 am

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Am 31.05.2016 erschien in der Braunschweiger Zeitung @ http://www.braunschweiger-zeitung.de/region/ehemalige-heimkinder-klagen-an-id2312700.html ein Artikel mit folgender Überschrift:

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Ehemalige Heimkinder klagen an

Braunschweig. Viele, die vor Jahrzehnten misshandelt wurden, warten auf Wiedergutmachung – auch der Braunschweiger Dieter Maikowski.
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Dieser Artikel steht mir nicht zur Verfügung; man kann ihn nur gegen die Zahlung einer Gebühr einblicken und lesen (die meisten von uns wissen also leider nicht was Dieter Maikowskis Geschichte war und ist).

Zu diesem Artikel hat der ehemalige Erzieher, Pfarrer Erich Helmer (der damals [1968] dort in FREISTATT nur vorrübergehend angestellt war) folgenden Leserkommentar abgegeben; und er hat mir gerade (am 16.09.2016) eine Kopie dieses seines Leserkommentars zukommen lassen:

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Auf Ihren Artikel vom 31.05[.2016] "Heimkinder klagen an" nehme ich Bezug und möchte dazu Stellung nehmen:

Ihr Artikel von Herrn Dieter Maikowski hat mich sehr betroffen gemacht, denn plötzlich stand jene Zeit vor mir, die ich nach meiner Verabschiedung als Militärpfarrer erlebt habe. Von meinem damaligen Militärbischof hatte ich für die Zeit bis zur Übernahme einer neuen Stelle ein Angebot angenommen, vorübergehend als Hilfskraft in der "
diakonischen Erziehungsanstalt" (also einer kirchlichen Einrichtung!) in FREISTATT bei Diepholz mitzuwirken. Nach meiner dortigen Ankunft wurde mir gesagt: "Wir haben hier junge Leute, die aber streng "angefasst" werden müssen, weil sie lernen müssen, sich der Umwelt anzupassen, wir erwarten also Hilfestellung in der Erziehung."

Was ich dann erlebte war mehr als erschreckend. Ich nenne nur einige Beispiele:

Jeder Tag begann schon sehr früh, oft um fünf Uhr. Nach dem "Bettenbau" wurde kontrolliert, ob alles in Ordnung war. War der Fußboden nicht sauber genug, mußten die Heiminsassen mit ihrer Zahnbürste (!) den Boden putzen. Streikte einer, so bekam er Faustschläge.

Beim Frühstückstisch in einem Eßsaal saßen alle an den Tischen und bekamen meistens Haferbrei oder eine andere Mehlspeise. Wir - die "Erzieher" saßen gegenüber an einem gesonderten Tisch und bekamen Butter, Wurst oder Schinken, jeweils einen üppigen Frühstückstisch.

Nach dem Antreten zur Tagesarbeit gab es Boxhiebe oder Fußtritte für alle, die nicht schnell genug waren oder eine eigene Meinung laut werden ließen. Das Torfstechen, war so gestaltet, dass es nach Zeit und Leistung ging und wehe dem, der versuchte, einen Moment zu pausieren.

Ich war entsetzt über alle diese Dinge und forderte mehr Mitmenschlichkeit, Geduld und Liebe, man sei doch eine kirchliche Einrichtung...! Die Antwort war: das sei man auch, aber hier käme man nur mit Härte und Zwangsmethoden weiter...

Ich habe das Verhalten meinem damaligen Militärbischof und der zuständigen Landeskirche mitgeteilt.


Es änderte sich nichts.

Es ist unmöglich, alle erlebten Zustände aufzuschreiben.

Mein Versuch, den jungen – angeblich so schwierigen – Menschen ein klein wenig liebevoller zu begegnen fand kein Verständnis bei den "Erziehern".

Und das bei einem diakonischen Werk !!

Ich kann Herrn Maikowski nur wünschen, dass er eine Wiedergutmachung von der Kirche bekommt.

Erich Helmer, Peine (93 Jahre)

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Zuletzt geändert von Martin MITCHELL am So Okt 09, 2016 12:33 pm, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Martin MITCHELL » So Okt 09, 2016 8:35 am

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Martin MITCHELL hat geschrieben:.
Am 31.05.2016 erschien in der Braunschweiger Zeitung @ http://www.braunschweiger-zeitung.de/region/ehemalige-heimkinder-klagen-an-id2312700.html ein Artikel mit folgender Überschrift:

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Ehemalige Heimkinder klagen an

Braunschweig. Viele, die vor Jahrzehnten misshandelt wurden, warten auf Wiedergutmachung – auch der Braunschweiger Dieter Maikowski.
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Dieser Artikel steht mir nicht zur Verfügung; man kann ihn nur gegen die Zahlung einer Gebühr einblicken und lesen (die meisten von uns wissen also leider nicht was Dieter Maikowskis Geschichte war und ist).
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Es scheint sich hierbei um den Ex-Freistätter der späten 1960er Jahre, Dieter MAIKOWSKI, Berliner Straße 12, 38104 Braunschweig, Telefon: (05 31) 37 31 26 zu handeln; (GOOGLE-Erde bestätigt!) er wohnt in einem fünfstöckigen Miethaus in Braunschweig-Gliesmarode.
Kennt ihn jemand von Euch? Hat jemand von Euch seine Geschichte in der Braunschweiger-Zeitung (vom 31.05.2016) gelesen?
Ich glaube er weiß garnicht mal selbst, dass nur sehr, sehr wenige Leute überhaupt über seine Geschichte Bescheid wissen (wenn er doch ganz sicherlich gehofft hatte, dass durch sein Reden mit der Braunschweiger-Zeitung die ganze Welt davon erfährt). Ich glaube nicht, dass er Internet hat.

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Beitragvon Martin MITCHELL » Fr Jan 20, 2017 3:23 am

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WELT - N24

QUELLE: https://www.welt.de/vermischtes/article161284145/Die-schwarze-Paedagogik-in-deutschen-Kinderheimen.html

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So wurden Heimkinder in Deutschland gequält.

PANORAMA - QUALEN FÜRS LEBEN

schwarze Pädagogik in deutschen Kinderheimen

Von Jessika Kamper | Stand: 19.01.2017 | Lesedauer: 4 Minuten

[ FOTO: „In Freistatt, einer Außenstelle der Bodelschwinghschen Anstalten Bethel, mussten die Zöglinge jeden Tag Torf stechen.“ ----- Übrigens, das bin ich unten links in diesem Foto: unentlohnte Zwangsarbeit im Moor in Freistatt im Sommer 1963. - MM ----- Viele mehr solcher FOTOS sind, z.B., auch hier zu finden @ http://heimkinderopfer.blogspot.com.au/2010_05_01_archive.html (einfach mal langsam dort runter scrollen. - MM ]

Bis in die 70er-Jahre hinein lebten und litten Abertausende Kinder in westdeutschen Heimen. Angelehnt an die Erinnerungen eines ehemaligen Zöglings, erzählt nun ein Film von ihrem Schicksal.

Oft wurde er gefragt, ob er denn auch schöne Erinnerungen hätte an jene Zeit in Freistatt. Seine Antwort ist immer: „Nicht eine einzige.“ 16 Monate verbrachte Wolfgang Rosenkötter ab April 1961 in der niedersächsischen Fürsorgeeinrichtung. 16 Monate, in denen der damals 16-Jährige statt christlicher Nächstenliebe Misshandlung erfuhr. 16 Monate, die der Film „Freistatt“ in 98 Minuten aufarbeitet – stellvertretend für das Schicksal der ehemaligen rund 800.000 Heimkinder.

Freistatt, eine kleine Gemeinde im Landkreis Diepholz, war früher „Ersatzzuhause“ für schwer erziehbare Jungen zwischen 14 und 21 Jahren. Jungen wie Wolfgang Rosenkötter. Seine Geschichte ist exemplarisch für viele Kinder, die in den 50er- und 60er-Jahren in deutschen Heimen lebten.

Wolfgang, ein Scheidungskind, pendelt zwischen den Eltern, seit er fünf ist. „Emotionale Nähe habe ich nie wirklich kennengelernt.“ Mit 15 Jahren schickt ihn das Jugendamt – auf Wunsch seines Vaters – das erste Mal in ein Heim, zweimal reißt er aus, zweimal bringt ihn sein Vater zurück. Er kommt in ein strengeres Heim, dort das gleiche Spiel. Am Ende der Kette steht Freistatt, eine Außenstelle der Bodelschwinghschen Anstalten Bethel.

Der Vater glaubte ihm nicht

Im umliegenden Moor stechen zwischen 1945 und 1975 rund 7000 Zöglinge Torf für die Diakonie – unbezahlt, tagein, tagaus. Hinzu kommen psychische und physische Gewalt, ausgehend nicht nur von den Erziehern, sondern auch von den Kindern selbst. Die Hausordnung war, so beschreibt es die spätere Untersuchung „Endstation Freistatt“, ein wirksames Mittel, um die Zöglinge sozial zu isolieren und eine Atmosphäre des Misstrauens zu schaffen.

„Das System war perfide“, bestätigt Wolfgang Rosenkötter. „Sobald einer Mist gebaut hat, wurden auch die anderen bestraft. Die Kollektivstrafen bewirkten, dass wir uns gegenseitig disziplinierten. Solidarität gab es nicht.“ Zweimal versuchte er damals zu fliehen, einmal schaffte er es bis nach Hause. Doch sein Vater glaubte ihm nicht – trotz blutigem Rücken. Zurück in Freistatt folgte die Strafe postwendend: Prügel mit dem Billardstock und drei Wochen Isolationszelle.


[ FOTO: „Ein Schlafsaal in Freistatt, einer Außenstelle der Bodelschwinghschen Anstalten Bethel“ ]

Rund 3000 staatliche und kirchliche Heime gab es in der frühen Bundesrepublik. Oft abgeschiedene Orte, in denen die erzieherischen Methoden des Nationalsozialismus weiterlebten und größtenteils unausgebildete Erzieher die repressive Schwarze Pädagogik praktizierten. Erst die „Heimkampagne“ der Außerparlamentarischen Opposition setzt ab Mitte der 60er-Jahren einen allmählichen Wandel in Gang.

Wolfgang Rosenkötters Zeit im Heim endet 1962. Psychisch und physisch kaputt, ohne Schulabschluss, mit fünf D-Mark und einem Busfahrschein in der Tasche kehrt er zurück in seine Heimatstadt Bielefeld. Seinen Vater sieht er nur einmal kurz vor dessen Tod wieder. „Er war es, der mich abgeschoben hat. Ich konnte ihm nicht verzeihen.“

Ein Buch bringt den Stein ins Rollen

Freistatt, etwa vier Jahrzehnte später: Rüdiger Scholz wird von der bethelschen Vergangenheit, wie er sagt, kalt erwischt. Als er 2005 seine Stelle als Leiter der Kinder- und Jugendhilfe antritt, steht die Veröffentlichung von „Schläge im Namen des Herrn“ kurz bevor, jenem Buch, in dem Autor Peter Wensierski erstmals detailliert von Kindesmisshandlungen in deutschen Heimen berichtet. „Auf einmal wechselte der Fokus von der Zukunft auf die Vergangenheit“, erinnert sich Scholz. „Sich dem zu stellen, war für uns jedoch der einzig richtige Weg.“ Das Buch brachte einen Stein ins Rollen, der viele der ehemaligen Zöglinge und Anstalten erfasste.

Die Qualen der Heimkinder von „Freistatt“


[ FOTO aus dem FILM »FREISTATT«: „Der 14-jährige Wolfgang wird von seinem Stiefvater in das Fürsorgeheim Freistatt gesteckt. Dort gehören unmenschliche Erziehungsmethoden und Demütigungen zur Tagesordnung. Er versucht zu fliehen.“ ]

Auch Wolfgang Rosenkötter holen seine Erinnerungen in dieser Zeit wieder ein. All die Jahre über hatte er sie aus Selbstschutz und Scham verdrängt, weder engsten Verwandten noch Freunden je davon erzählt – von der ununterbrochenen Angst, dem Druck, den Erniedrigungen. Dann lädt ihn die Diakonie Freistatt zu einer Lesung Wensierskis ein, und eines kommt zum andern: das Zusammentreffen mit Rüdiger Scholz und die Ernennung zur Vertrauensperson für die Jugendlichen im Heim, die späte Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und am Ende das Kennenlernen von Marc Brummund, dem Regisseur von „Freistatt“. Für Wolfgang Rosenkötter beginnt damals, so drückt er es aus, sein drittes Leben – das beste bisher.

Nach 130 Filmgesprächen und Reisen bis nach Singapur kann er mit dem Erlebten gut umgehen. Mit Abstrichen. „Wir alle sind traumatisiert. Es gibt Dinge, die werden mich immer wieder einholen.“ Entscheidend aber ist: Ihm wird endlich geglaubt. Der letzte wichtige Schritt hierfür war 2014 der Einblick in seine Akte: „Es war der finale Beweis, dass meine Erinnerungen keine Fantasie sind.“

Der Text erschien ursprünglich in der Januarausgabe des „ARTE Magazins“.

„Freistatt“ läuft am [Freitag], 20. Januar [2017] um 20.15 Uhr auf Arte.

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Beitragvon Martin MITCHELL » Sa Jan 21, 2017 10:32 pm

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Um noch einmal zu dem diesbezüglichen Film zurückzukehren.

Folgender Leserkommentar von einem ex-Freistätter der 1960er Jahre kann und darf uneingeschränkt veröffentlicht und weiterveröffentlicht werden:


Nur so viel zum Film FREISTATT, der kürzlich (20.01.2017) erstmalig auch im deutschen Fernsehen (ARD) erschien.

( Siehe
https://www.welt.de/vermischtes/article161284145/Die-schwarze-Paedagogik-in-deutschen-Kinderheimen.html )

Das Bethel-eigene Freistatt und der gleichnamige Film.


Ich, der ich seit dem 17. Juni 2003 sehr, sehr viel im Internet über diese berüchtigte Bethel-eigene Institution „Anstalt Freistatt im Wietingsmoor“ geschrieben und veröffentlicht habe, habe diesen Kinofilm und jetzt auch Fernsehfilm FREISTATT selbst noch nicht gesehen, weiß jedoch haargenau was darin dargestellt wird; habe es selbst ein Jahr lang im Jahre 1963 am eigenen Leibe in „Anstalt Freistatt“ erlebt und erlitten.
Sie haben mich nicht gebrochen und ich habe mich auch nicht für auch nur einen Moment von diesen Bastarden verbiegen lassen. Dann, eines Tages – eines Abends – im Speisesaal, als ich ungefähr 17½ Jahre alt war, hat man mir vor versammelter Mannschaft mitgeteilt, dass Wort kam vom Hauptjugendamt in Berlin, dass ich nach Australien auswandern dürfe, um mich dort meinen Eltern und drei jüngeren Halbgeschwistern, die schon 2 Jahre zuvor nach Australien ausgewandert waren, anzuschließen.
Aber erst als ich 44 Jahre später (2006), mit Hilfe des SPIEGEL-Journalisten Peter Wensierski, meine Akte aus „Anstalt Freistatt“ bekam, erfuhr ich warum man mich plötzlich hat ziehen lassen; man befürchtete, dass ich einen Aufstand und Streik organisieren würde / könnte, der das für Bethel lukrative Torfgewinnungs-Geschäftunternehmen Freistatt im Wietungsmoor („die Erziehungsarbeit in Freistatt“) „gefährden“ / „stören“ / „zerstören“ würde / könnte.
Bei meiner Ausreise aus Deutschland am 23. März 1964 (per Passagiermaschine von Hamburg nach Sydney) war ich 17 Jahre und 9 Monate alt.
Volljährigkeit in Westdeutschland lag damals erst beim Erreichen des 21. Lebensjahres. Ich bin diesen Bastarden also nur wegen meiner andauernden Rebellion schon so ungefähr 2½ Jahre früher entkommen.
Übrigens, in dieser Akte war mindestens ein Brief meines Vaters aus Australien an mich in „Anstalt Freistatt“ in Niedersachsen, den ich zum ersten Mal 44 Jahre später (nach dem Tode meines Vaters) sah, den man mir im Jahre 1963 nicht ausgehändigt hatte. – Das Original, ein Luftpostbrief / Aerogramme, das sie sich in 1963 angeeignet haben, obwohl es ihnen nie gehörte, haben sie heute immer noch.

unterzeichnet: Martin MITCHELL


martinidegrossi[a]yahoo.com.au

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Zuletzt geändert von Martin MITCHELL am Do Jan 26, 2017 9:48 pm, insgesamt 2-mal geändert.
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Beitragvon Martin MITCHELL » Do Jan 26, 2017 10:55 am

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Nicht nur bezüglich Freistatt Mitte der 1960er Jahre … aber überhaupt bezüglich dieser perversen überall in Westdeutschland praktizierten Heimerziehung von anno dazumal:

QUELLE: http://www.swp.de/ulm/nachrichten/suedwestumschau/einmal-heimkind_-immer-heimkind-die-lehren-der-vergessenen-kinder-14349000.html

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SÜDWEST PRESSE

KARLSRUHE

Einmal Heimkind, immer Heimkind -
Die Lehren der vergessenen Kinder


lsw | 25.01.2017

„Liebe Mutti! Man hat mich jetzt von Flehingen nach Freistatt verlegt. Das liegt bei Bremen. Ich muss Torf stechen und ich werde es nicht mehr lange machen. Denn ich werde mit meinem Leben Schluss machen, es hat keinen Zweck mehr.“ Das verzweifelte Kind, das diesen Brief Mitte der 1960er-Jahre schrieb, lebte weiter. Doch was war das für ein Leben? Zwangsarbeit, Demütigung und Disziplinierung durch Schläge – für viele Heimkinder gehörte in den 1950er- und 1960er-Jahren seelischer und körperlicher Missbrauch zum Alltag. Auch wenn es Waisenhäuser heute nicht mehr gibt und moderne Erziehungsheime nichts mit denen von damals gemein haben – das Leid der „vergessenen Kinder“ ist für die in der Jugendarbeit Tätigen bis heute Mahnung.

Das Land Baden-Württemberg arbeitet das traurige Kapitel seit Jahren auf, unter anderem mit einer Wanderausstellung des Landesarchivs: „Verwahrlost und gefährdet? Heimerziehung in Baden-Württemberg 1949 - 1975“. Die solle zeigen, dass das Geschehene nicht vergessen wird, sagt Sozialminister Manfred Lucha (Grüne).

Die Ausstellung, die im Sommer 2015 startete, macht von heute an bis zum 30. März im Generallandesarchiv Karlsruhe Station. Erweitert ist sie durch Dokumente einer Sammlung von etwa 11 000 Schicksalen vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1980er-Jahre. Der noch weitgehend ungehobene Archiv-Schatz aus der Erziehungsanstalt Flehingen bei Karlsruhe umfasst rund 100 Regalmeter Zöglingsakten. „Sie dokumentieren lückenlos die Lebensumstände der Kinder“, sagt der Vizechef des Archivs, Jürgen Treffeisen. Eine Rarität. Andere Heimakten landeten schon mal im Müll.

Tausende der rund 800 000 Kinder und Jugendlichen in westdeutschen Heimen von Kommunen, Kirchen oder Landeswohlfahrtsverbänden litten unter seelischer und körperlicher Gewalt – auch in vielen der mehr als 600 Einrichtungen im Südwesten. „Ein Übermaß an Gewalt war an der Tagesordnung“, weiß Sozialpädagogin Irmgard Fischer-Orthwein von der Beratungsstelle des Fonds Heimerziehung aus vielen Gesprächen mit Betroffenen. Die wollen manchmal einfach nur das Erlebte loswerden, weil sie ihre Heimvergangenheit aus Scham selbst der Familie verschwiegen haben.

Einmal Heimkind, immer Heimkind – „das ist noch heute eine ganz starke Stigmatisierung“, sagt sie. Betroffene hätten oft Schuldgefühle, weil sie ins Heim kamen. Dabei gelangte ein Kind bis in die 1960er-Jahre ganz schnell dorthin: „Es gab damals Kindesentzüge, nur weil ein Elternteil gestorben oder weil ein Kind unehelich geboren war“, berichtet der Vizechef des Landesjugendamtes, Reinhold Grüner. „Das war ein Makel.“ Diese Kinder, aber auch schlechte Schüler, schwer erziehbare oder straffällige Jugendliche sollten im Heim vor Verwahrlosung geschützt werden.

Früh aufstehen, Gebet, Arbeit, Schule – wer nicht parierte, bekam zwei Tage „Hungerkost“ und musste ins „Arrestlokal“. Dort ließen geschlossene Läden, ein winziger Luftschlitz und verschimmelte sowie vertrocknete Kotreste kaum Luft zum Atmen. Das wurde im Juli 1913 dann doch vom Großherzoglichen Bezirksarzt moniert.

„Zucht und Ordnung“ lernten in Flehingen auch der 1944 im KZ Neuengamme hingerichtete kommunistische Widerstandskämpfer Hans-Heinrich Hornberger und der NSDAP-Reichstagsabgeordnete Herbert Haselwander. Auch wenn viele Heimkinder später ein normales Leben führten – auffallend ist für Sozialpädagogin Fischer-Orthwein der große Anteil derjenigen, die in keinem Beruf Fuß fassen oder wegen körperlicher und seelischer Folgen nur eingeschränkt arbeiten konnten. Wegen Mangelernährung oder weil die Ohrfeigen im Heim einen Hörschaden hinterließen.

Die Wanderausstellung soll Betroffenen bei der Aufarbeitung ihrer Vergangenheit helfen. Sie ist für Reinhold Grüner vom Landesjugendamt auch „brandaktuell“: Weil sie aufzeigt, wie sich eine „strukturelle Form von Gewalt“ etablieren kann, wenn niemand hinschaut.

Nach Aufdeckung der Missstände im Zuge der Studentenbewegung wurde der Kinderschutz laut Sozialministerium verstärkt in den Blick genommen. Die große Wende erfolgte in den 1990er-Jahren mit dem neuen Kinder- und Jugendhilfegesetz. Eine effiziente Heimaufsicht, Meldepflichten, genügend qualifiziertes Personal sowie mit Jugendlichen besetzte Heimbeiräte sollen heute dafür sorgen, dass so etwas nie wieder vorkommt. „Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht“, räumt Grüner ein. „Aber wir haben keinen Mantel des Schweigens mehr – und die Kinder sind heute viel selbstbewusster als früher.“

lsw | 25.01.2017

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Beitragvon Martin MITCHELL » So Apr 09, 2017 1:03 am

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Die Hölle von Freistatt

Wer den gleichnamigen Film "FREISTATT" immer noch nicht kennt oder ihn noch einmal sehen möchte, bitte vormerken !!

ARD: Mittwoch 12. April 2017, um 20.15 Uhr

und anschließend die Dokumentation "ENDSTATION FREISTATT", Das Erziehungslager im Moor, in Niedersachsen, Bundesrepublik Deutschland („Westdeutschland“)

ARD: Mittwoch 12. April 2017, um 21.45 Uhr

Wer es dann immer noch nicht gesehen hat, oder wer eine Nachteule ist, schaut sich die Widerholungen nach Mitternacht an

ARD: Donnerstag, 13. April, um 00:05 Uhr

und

ARD: Donnerstag, 13. April 2017, um 01:35 Uhr.


QUELLEN: http://programm.ard.de/TV/Programm/Sender/?sendung=2810698848337 und http://programm.ard.de/TV/Untertitel/Nach-Rubriken/Dokus--Reportagen/Alle-Dokus/?sendung=28106106542356
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Beitragvon Martin MITCHELL » Do Dez 21, 2017 11:25 pm

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Das Bethel-eigene Freistatt und der gleichnamige Film

Dieser wichtige Film wurde auch im Ausland gezeigt!

Die Hölle von Freistatt

FILM REVIEW FOR THIS FILM IN ENGLISH: http://www.imdb.com/title/tt3127698/reviews

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[ FREISTATT (2015) = ] SANCTUARY (2015)

User Reviews

[The] Truth about the way kids are treated by a Sadist world

17 July 2017 | by idaaning

Thanks [Marc] Brummund for such an excellent work! There should be more such courageous people who can tell the truth [to] the face of a super-hypocrite society in which we live. We live in a society which has no shortage of Sadists and very unfortunately children are the softest sufferer. I spent a year and half in a Missionary School in West Bengal, Kolkata. I was luckier than Wolfgang [in FREISTATT in Germany] [in this film] because my mother protected me; she did listen to me when I came home for summer vacations and complained that I will die if I go back to the mission. The film is actually so realistic, unlike what many reviewers here feel [on this Internet-platform: http://www.imdb.com/title/tt3127698/reviews (8 reviews altogether so far)]. I know that because I had been in a similar institution, though thousands of kilometres away [in another country on a different continent]. I remember how cruel had been many people in my locality after I returned from the coveted missionary school. There were many who asked why I returned, some suggested that I was kicked out. So I can understand why Wolfgang hit the neighbour he met on the street after he left him home without meeting his mother. Rest assured that such terrible places [like FREISTATT] are still there [i.e., do still exist] in almost every country [of the world] and will be there as long as we don't properly learn to treat others of our own species respectfully.

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Die Freistätter-Webseite http://www.wohnungslos.info/ bleibt jedoch von den heute für FREISTATT verantwortlichen Leuten weiterhin für Australien gesperrt und ich selbst habe den FILM "FREISTATT", hier in Australien (wo ich seit dem 24. März 1964 ansässig bin), bisher auch nicht sehen können/dürfen.
Wobei sie doch die Freistätter-Webseite http://www.wohnungslos.info/ ganz einfach auch für Australien freischalten könnten und – zusätzlich – auch
den Film von dort aus permanent streamen könnten. – Wollen diese aber auch heutigen dortigen Heuchler jedoch einfach nicht.

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