Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND

Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND

Beitragvon Martin MITCHELL » So Feb 25, 2018 3:54 am

.
FR - Frankfurter Rundschau, MITTWOCH, 21. FEBRUAR 2018

QUELLE: http://www.fr.de/rhein-main/alle-gemeinden/hochtaunus/heilanstalt-mammolshoehe-toedliche-tests-an-kindern-a-1452279

Jetzt hier in Bezug auf das Bundesland Hessen!

.
Heilanstalt Mammolshöhe

Tödliche Tests an Kindern

In den 40er Jahren kamen mehrere Kinder bei Medikamentenversuchen an der Heilanstalt Mammolshöhe in Königstein ums Leben. Der Landeswohlfahrtsverband ist entsetzt.

21.02.2018

FR - Frankfurter Rundschau

Von Pitt von Bebenburg [ Landeskorrespondent, Wiesbaden; AUTOR: http://www.fr.de/autor.=pit/ ]

[ Einzelfoto: „Die ehemalige Kinderheilstätte Mammolshöhe des Landeswohlfahrtsverbands in Köningstein.“ Foto: Heimatverein Mammolshain ]

Bei Medikamentenversuchen in der Heilanstalt Mammolshöhe in Königstein sind in der Nachkriegszeit mehrere Kinder ums Leben gekommen. Mitarbeiter des damaligen Anstaltsleiters, des Arztes Werner Catel, schrieben in einem Fachartikel 1949 von zwei Todesfällen. Aus neueren medizinhistorischen Recherchen geht hervor, dass es mindestens vier Todesopfer bei den Versuchen gab.

Die Anstalt für tuberkulosekranke Kinder gehörte ab 1953 zum Landeswohlfahrtsverband Hessen und davor zu einer Vorgängerorganisation, dem Bezirks-Kommunalverband Wiesbaden. Der Landeswohlfahrtsverband reagierte auf Anfrage der FR entsetzt und kündigte Nachforschungen an.

Der Arzt Catel, der bereits an der Tötung kranker Kinder in der Nazizeit mitgewirkt hatte, war von der Gesundheitsabteilung im hessischen Innenministerium auf seine Position berufen worden. Auf der Mammolshöhe testete er ein seinerzeit nicht zugelassenes Präparat gegen Tuberkulose mit der Bezeichnung „TB I 698“ (Thiosemicarbazon) an Kindern.

In einem Artikel für die Deutsche Medizinische Wochenschrift berichteten zwei Mitarbeiter Catels 1949, dass er das Medikament an 61 Patienten im Alter von neun Monaten bis 22 Jahren getestet habe. Die Ärzte bemerkten „bedenkliche, zu größter Vorsicht mahnende toxische Wirkungen“. Dabei „konnten wir leider bei zwei Patienten, trotz Beachtung aller Sorgfaltspflichten, den tödlichen Ausgang nicht abwenden“.

Die jüngere Forschung kommt zu dem Ergebnis, dass noch mindestens zwei weitere Kinder durch Catels Medikamententests zu Tode kamen. Beim letzten dieser Todesfälle starb demnach ein zehnjähriges Mädchen unter der Behandlung mit dem Präparat, das inzwischen für Erwachsene unter dem Markennamen Conteben zugelassen war. Erst der Tod des Mädchens habe bei Catel zu der Einsicht geführt, dass das Präparat „nur in besonderen klinischen Situationen“ bei Kindern unter zwölf Jahren und bei Kindern unter sechs Jahren gar nicht angewendet werden dürfte, schrieb der Autor Thomas Gerst in der sozialgeschichtlichen Fachzeitschrift „1999“. Er fuhr bitter fort: „Der Tod von vier Kindern, die an Gelenktuberkulose litten und bei herkömmlicher Therapie gute Aussichten auf Heilung gehabt hätten, war für diesen Erkenntnisgewinn Catels nötig gewesen.“

Die jüngere Forschung kommt zu dem Ergebnis, dass noch mindestens zwei weitere Kinder durch Catels Medikamententests zu Tode kamen. Beim letzten dieser Todesfälle starb demnach ein zehnjähriges Mädchen unter der Behandlung mit dem Präparat, das inzwischen für Erwachsene unter dem Markennamen Conteben zugelassen war. Erst der Tod des Mädchens habe bei Catel zu der Einsicht geführt, dass das Präparat „nur in besonderen klinischen Situationen“ bei Kindern unter zwölf Jahren und bei Kindern unter sechs Jahren gar nicht angewendet werden dürfte, schrieb der Autor Thomas Gerst in der sozialgeschichtlichen Fachzeitschrift „1999“. Er fuhr bitter fort: „Der Tod von vier Kindern, die an Gelenktuberkulose litten und bei herkömmlicher Therapie gute Aussichten auf Heilung gehabt hätten, war für diesen Erkenntnisgewinn Catels nötig gewesen.“

Catel war vor, während und nach der Nazizeit ein Verfechter der Ermordung von kranken Kindern gewesen, die er für nicht lebenswert erachtete. Er gehörte dem „Reichsausschuss zur wissenschaftlichen Erfassung erb- und anlagebedingter schwerer Leiden“ an, der von Adolf Hitlers Kanzlei eingesetzt war. Dessen Gutachter, darunter Catel, entschieden nach Aktenlage über die Einweisung der Säuglinge und Kinder in Anstalten, wo sie ermordet wurden.


Mammolshöhe

Die Klinik

Die Klinik Mammolshöhe in Königstein-Mammolshain wurde 1927 als Heilstätte für tuberkulosekranke Kinder eröffnet. Genutzt wurde dabei die um 1890 errichtete Villa May.

Der Chefarzt

Von 1947 bis 1954 war Professor Werner Catel der Chefarzt auf der Mammolshöhe. Catel hatte an der Ermordung von kranken Kindern in der Nazizeit, der sogenannten Kindereuthanasie, mitgewirkt.

Die Schließung

In den 70er Jahren gingen die Belegungszahlen deutlich zurück. Die Klinik wurde geschlossen.

Der Neubau

Nach 2000 wurden die Gebäude abgerissen und neue Wohnhäuser auf dem Grundstück errichtet.

Mehr zum Thema

Fotostrecke: Heilanstalt Mammolshöhe [s. http://www.fr.de/fotostrecken/cme27003,1061373]

Euthanasie: Furchtbares Kapitel [s. http://www.fr.de/rhein-main/landespolitik/heilanstalt-mammolshain-furchtbares-kapitel-a-1452281]

Heimkinder: Kritischer Hirneingriff [s. http://www.fr.de/rhein-main/landespolitik/hessen-aerztekammer-sieht-hirneingriff-kritisch-a-1449021]

Heimkinder: Kritischer Hirneingriff [s. http://www.fr.de/rhein-main/hephata-in-treysa-jeder-wurde-mit-diesem-zeug-abgefuellt-a-1449687,0#artpager-1449687-0]
.


#compensationnow (MM - Heimopfer-WEST)
.
Zuletzt geändert von Martin MITCHELL am Fr Mai 24, 2019 7:39 am, insgesamt 1-mal geändert.
Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; Freiheit bedarf ständiger Wachsamkeit.“ MM
Benutzeravatar
Martin MITCHELL
 
Beiträge: 1783
Registriert: So Jun 02, 2013 8:47 am
Wohnort: Adelaide, Süd Australien

Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND

Beitragvon Martin MITCHELL » So Feb 25, 2018 9:55 pm

.
FR - Frankfurter Rundschau, FREITAG, 23. FEBRUAR 2018

QUELLE: http://www.fr.de/rhein-main/landespolitik/werner-catel-regierung-laesst-toedliche-menschenversuche-erforschen-a-1454835

Jetzt hier in Bezug auf das Bundesland Hessen!

.
Werner Catel

Regierung lässt tödliche Menschenversuche erforschen

Ein Historiker soll die Menschenversuche des früheren Mammolshöhe-Chefarztes Werner Catel aufklären.

23.02.2018 22:35 Uhr

FR - Frankfurter Rundschau

Von Pitt von Bebenburg [ Landeskorrespondent, Wiesbaden; AUTOR: http://www.fr.de/autor.=pit/ ]

[ Einzelfoto: „Die ehemalige Kinderheilstätte Mammolshöhe des Landeswohlfahrtsverbands in Köningstein.“ Foto: Heimatverein Mammolshain ]

Die Tätigkeit des Euthanasie-Arztes Werner Catel und seine tödlichen Experimente mit Medikamenten in der Kinderheilstätte Mammolshöhe sollen von einer Historikerin oder einem Historiker im Auftrag des Landes aufgearbeitet werden. Das hat die Landesregierung beschlossen, wie ein Sprecher des Sozialministeriums am Freitag auf Anfrage der FR mitteilte.

Die Untersuchung solle gemeinsam mit dem Landeswohlfahrtsverband (LWV) Hessen auf den Weg gebracht werden. Der LWV war zeitweise Träger der Anstalt in Königstein-Mammolshain gewesen. Die Gesundheitsabteilung des Innenministeriums hatte Catel, der an der Ermordung behinderter Kinder in der Nazizeit beteiligt war, 1947 als Leiter der Einrichtung berufen.

Rund 70 Jahre danach liegen der Landesregierung nach eigenen Angaben keine Akten mehr aus der damaligen Zeit vor. Aufgrund der FR-Anfrage hätten Innen-, Kultus-, Wissenschafts- und Sozialministerium ihre Aktenlage geprüft, sagte der Sprecher. In keinem dieser Häuser gebe es Akten zu dem Arzt oder den Vorfällen. „Rein formal ist es so, dass es eine behördliche Überwachung klinischer Prüfungen beziehungsweise eine Meldeverpflichtung bei deren Durchführung zum damaligen Zeitpunkt nicht gab“, fügte der Sprecher hinzu.

Bei den Versuchen an tuberkulosekranken Kindern waren mindestens vier Kinder getötet worden. Ein Arzt hatte deswegen Beschwerden bei der Ärztekammer und dem Ministerium eingelegt, die aber abschlägig beschieden wurden.

Die Landesärztekammer teilte auf Anfrage mit, bei den Versuchen handele es sich „aus heutiger Sicht“ um Verstöße gegen internationale Vereinbarungen zum ärztlichen Handeln, etwa gegen das 1948 verabschiedete „Genfer Gelöbnis“.

.


#compensationnow (MM - Heimopfer-WEST)
.
Zuletzt geändert von Martin MITCHELL am Fr Mai 24, 2019 7:40 am, insgesamt 1-mal geändert.
Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; Freiheit bedarf ständiger Wachsamkeit.“ MM
Benutzeravatar
Martin MITCHELL
 
Beiträge: 1783
Registriert: So Jun 02, 2013 8:47 am
Wohnort: Adelaide, Süd Australien

Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND

Beitragvon Martin MITCHELL » So Feb 25, 2018 11:41 pm

.
Schon seit dem Jahre 2003! - Anfänglich waren es die Kirchen, allen voraus die deutsche Katholische Kirche und die deutschen Katholischen Schwesternorden und die deutschen Katholischen Brüderorden, kurz darauffolgend dann auch die deutschen Evangelen, die den Ehemaligen Heimkindern (sprich „Heimopfern“) den Zugang zu ihren deutschsprachigen Diskussionsplattformen und Blogs entzogen haben, d.h. alle solche zuvor von den Kirchen und Orden betriebenen Internet-Plattformen geschlossen haben oder auf sonstige Weise unzugänglich gemacht haben, damit sich ihre Opfer NICHT DARIN zu den von diesen *Organisation* (sprich „Betreibern der nachriegsdeutschen Heime“) begangenen Menschenrechtsverbrechen äussern können.

Jetzt folgen immer mehr auch sogenannte "POLITIK-FORUM" (oder solche, die meinen „Politik-Forum“ zu sein) und solche, die sogar „Demokratie …“, „Freiheit …“, und sonstige rosige „Frei ……“-Begriffe in ihren Domain-Namen beinhalten und vortäuschen.

Sie alle wollen unbedingt dafür sorgen, dass „diese Heimopfer“ keine Lobby haben oder bekommen und „keine Litfaßsäule“ haben, wo, wenn dort etwas festgemacht werden würde, der ganz normale Bürger, ja möglicherweise, ganz schnell und einfach mal – und immer wieder mal – auf diese jahrzehntelang an den Heimkindern begangenen Menschenrechtsverbrechen aufmerksam werden und gemacht werden könnte. Das muß unbedingt unterbunden und verhindert werden meinen sie und beten sie im Stillen dafür.

Die gleichen *Leute* und *Organisationen* heucheln aber auch weiterhin öffentlich gerne tiefe und große Betroffenheit über das was den vielen, vielen Betroffenen in diesen nachkriegsdeutschen Heimen und Anstalten als Säuglinge, Kleinkinder, Schulkinder, Jugendliche und junge Erwachsene (Behinderte! und Nichtbehinderte!) widerfahren ist und damals wissentlich und planmäßig angetan wurde.

Und auch der mitwirkende und diese Menschenrechtsverbrechen fördernde Deutsche Staat (Westdeutsche Staat!), jetzt „gesamtdeutsche Bundesrepublik Deutschland“ genannt, schehrt sich heute einen Dreck um diese seine Opfer; gleicherweise auch wie die mitschuldigen deutschen „alten Bundesländer“.


Uns geht es darum aufzudecken was andere versuchen zu verstecken!


#compensationnow (MM - Heimopfer-WEST)
.
Zuletzt geändert von Martin MITCHELL am Fr Mai 24, 2019 7:50 am, insgesamt 6-mal geändert.
Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; Freiheit bedarf ständiger Wachsamkeit.“ MM
Benutzeravatar
Martin MITCHELL
 
Beiträge: 1783
Registriert: So Jun 02, 2013 8:47 am
Wohnort: Adelaide, Süd Australien

Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND

Beitragvon Martin MITCHELL » Di Feb 27, 2018 8:33 am

.
QUELLE: CONNECTIV.EVENTS @ https://connectiv.events/medikamentenversuche-an-saeuglingen/ :

IMPRESSUM @ https://connectiv.events/connectiv/#impressum
connectiv.events s.l. (sociedad limitada)
Avd. Rey Jaime I, 107
07180 Santa Ponsa | Mallorca
Spain
NIF: ES-B16537169
Registro Mercantil Palma de Mallorca | PM-82173 Tomo 2721 Folio 18
Director general: Anna Maria August
Email:
info@connectiv.events
Tel.-ES: +34-871 570531


Dieser zusammenfassende Artikel zum betreffenden Thema jetzt hier in Bezug auf mehrere der alten Bundesländer der Bundesrepublik Deutschland!

.
Medikamentenversuche an Säuglingen

8. Februar 2018 | Gesundheit | Ernährung | Medizin | Dr. h.c. Michael Grandt

Pharmaunternehmen ließen in Säuglings- und Kinderheimen jahrzehntelang gefährliche Stoffe testen. Chemische Medikamente wurden zudem als »Erziehungsmittel» verwendet. In den Jahren 1949 bis 1975 beherbergten Heime rund 800.000 Kinder. Die Gewalt – und jetzt auch medizinische Versuche – gehören zu den dunkelsten Kapiteln der frühen Bundesrepublik. Doch der Reihe nach:

Säuglinge als »Testpersonen»

In den 1960er-Jahren starben in West-Berlin mehrere Menschen, nachdem sie sich mit Polio-Lebendimpfstoff »schützen» ließen. »Schluckimpfung ist süß, Kinderlähmung ist grausam», so lautete damals der Slogan, der mir selbst noch in den Ohren ist. Aktuelle Forschungen zeigen, wie deutsche Pharmafirmen ihre riskanten Impfstoffe an Menschen ausprobierten – um ihre Präparate zu verbessern und auf den Markt zu bringen. Unglaublich: »Testpersonen» waren Säuglinge und Kinder in kirchlichen oder staatlichen Heimen.

Leichte Beute

Damals waren die Heimkinder de facto rechtlos und damit leichte Beute. Die Nutznießer: zahlreiche Pharmaunternehmen wie Merck, Schering (heute: Bayer), Janssen, Pfizer, Verla-Pharma oder die Behringwerke. Aber damit nicht genug: Selbst Gesundheitsämter gaben in Säuglingsheimen Studien in Auftrag, um Nebenwirkungen von Impfstoffen kennenzulernen. Bei den Impf- und Arzneimitteltests der 1950er bis 1970er-Jahre fehlen bisher die Hinweise, dass die Kinder, ihre Eltern oder Jugendämter aufgeklärt und um Einwilligung gefragt wurden. Ob diese überhaupt existieren, ist fraglich. Laut SPIEGEL gab es die Versuche in Kinderheimen aber tatsächlich.

Tatort: Westberlin, Kinderheim Elisabethstift

Insgesamt 139 Säuglinge und Kinder mussten dort riskante Impfversuche ertragen und das offensichtlich ohne Zustimmung der Eltern oder der Jugendämter.

● Den Kindern wurde Blut abgenommen.

● Den Kindern wurde per Lumbalpunktion mehrfach Nervenwasser abgenommen, um das Vorhandensein von Viren zu untersuchen.

● Dies war ein schmerzvoller und gefährlicher Eingriff, dem die gesetzlichen Vertreter der Kinder hätten auf jeden Fall zustimmen müssen.


Behringwerke, Marburg 1954

Zwei Versuchsaffen starben – trotz Impfung – an Kinderlähmung.
»Trotzdem drängten die Behringwerke bereits 1956 darauf, in Deutschland einen Impfstoff gegen Kinderlähmung einzuführen. » (DER SPIEGEL)

Und weiter: »Führungskräfte des Unternehmens hatten offenbar keine Probleme mit Menschenversuchen: ein Direktor der Behringwerke, Albert Demnitz, ließ vor 1945 im Konzentrationslager Buchenwald Fleckfieberimpfoff an Häftlingen der berüchtigten ‚Todes-Baracke 46‘ ausprobieren. Sein Kollege Richard Haas hatte ebenfalls mit der Fleckfieberstation des KZ kooperiert – dennoch wurde er 1950 bei den Behringwerken Leiter der humanmedizinischen Forschung. Bis 1980 war Haas außerdem Präsident der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Kinderlähmung.»


Vorgeschichte im Dritten Reich

Riskante Impfstoffe – etwa gegen Gelbfieber, Gasbrand, Typhus, Ruhr, Tetanus und Scharlach – wurden ebenfalls während der Nazizeit bei Menschenversuchen getestet. Aber nicht nur in Konzentrationslagern, sondern auch in Kinderheimen.

Tatort: Krefeld, Säuglingsheim 1961

Die Behringwerke lieferten Polioimpfstoff an ein Säuglingsheim. Die Mediziner bedankten sich sogar für die Möglichkeit, nach Tierversuchen nun endlich mit Säuglingen experimentieren zu können. Über das Risiko wussten sie durchaus Bescheid: »Die Wirkungsprüfung von Polio- oder Kombinationsimpfstoffen beim Menschen ist mit einigen grundsätzlichen Schwierigkeiten belastet.» Doch das hinderte niemand daran, Experimente an »an zwei Gruppen von je 20 gesunden Säuglingen bzw. Kleinkindern zwischen 4 und 18 Monaten» durchzuführen.

Heimkinder als »Versuchskaninchen»

Aber nicht nur für Impfversuche wurde auf Heimkinder zurückgegriffen, auch Psychopharmaka wurden an ihnen ausprobiert. Darunter waren Medikamente wie

● Decentan

● Truxal

● Dipiperon, die bei den jungen Testpersonen oft schwere Nebenwirkungen auslösten.

Die Akten des Pharmaunternehmens Merck über ein Essener Kinderheim dokumentieren bei Kindern im Alter von 5 bis 13 Jahren:

● »Schrei- und Blickkrämpfe»

● »Glasige Augen»

● »Krampfartig steife Hände»

● »Er biss auf die herunterhängende Zunge»

● »hat laut Geschrien»


Medikamente als chemisches Erziehungsmittel

Aber nicht nur, dass Medikamente an Kindern getestet wurden, in vielen Heimen waren diese auch als »chemisches Erziehungsmittel» beliebt. Das jedenfalls geht aus einem Protokoll aus dem Merck-Archiv hervor: »Die Schwestern des Hauses fordern laufend die 4-mg-Dragees nach, da sie somit endlich Ruhe auf den Stationen haben und die Kinder auch tadellos schulfähig gehalten werden.»

Anmerkung: Die betroffenen Pharmaunternehmen unterstützen die Aufarbeitung.

http://www.michaelgrandt.de/medikamentenversuche-an-saeuglingen/

Quelle:

Dr. h.c. Michael Grand
.

Uns geht es darum aufzudecken was andere versuchen zu verstecken!


#compensationnow (MM - Heimopfer-WEST)
.
Zuletzt geändert von Martin MITCHELL am Fr Mai 24, 2019 7:42 am, insgesamt 1-mal geändert.
Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; Freiheit bedarf ständiger Wachsamkeit.“ MM
Benutzeravatar
Martin MITCHELL
 
Beiträge: 1783
Registriert: So Jun 02, 2013 8:47 am
Wohnort: Adelaide, Süd Australien

Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND

Beitragvon Martin MITCHELL » Mo Mär 05, 2018 7:54 am

.
QUELLE: Bayerischer Landtag @ https://www.bayern.landtag.de/www/ElanTextAblage_WP17/Drucksachen/Basisdrucksachen/0000013500/0000013801.pdf

Auch Bayern stellt jetzt diesbezügliche Aufarbeitung in Aussicht.

.
Bayerischer Landtag

17. Wahlperiode --- 24.01.2018 --- Drucksache 17/20311

Dringlichkeitsantrag

der Abgeordneten Katharina Schulze, Ludwig Hartmann, Kerstin Celina, Thomas Gehring, Ulrike Gote, Jürgen Mistol, Gisela Sengl, Christine Kamm, Ulrich Leiner und Fraktion (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Medikamententests an ehemaligen Heimkindern in Bayern aufklären

Der Landtag wolle beschließen:

Die Staatsregierung wird aufgefordert, sich für eine Aufklärung und Aufarbeitung von Medikamententests an ehemaligen Heimkindern in Bayern einzusetzen. Dazu soll die Staatsregierung sich an die zuständigen Stellen der verschiedenen politischen Ebenen wenden, ebenso wie an potenziell involvierte Pharmaunternehmen und an die damaligen Träger der Kinderheime, Heilpädagogischen Einrichtungen und Kinder- und Jugendpsychiatrien, um herauszufinden, ob und in welcher Form eine Beteiligung dieser an Versuchsreihen und Arzneimittelstudien an Minderjährigen erfolgt ist. Aufgeklärt werden müssen insbesondere Versuchsreihen im Zusammenhang mit der Anwendung von Impfstoffen gegen Kinderlähmung und zum Pockenschutz. Auch der missbräuliche Einsatz von sedierenden Medikamenten und von Psychopharmaka ohne medizinische Indikation in stationären Einrichtungen der Jugend- und Behindertenhilfe sowie in psychiatrischen Einrichtungen sollte in diesem Zusammenhang untersucht werden.

Zu diesem Zweck werden alle noch vorhandenen Aktenbestände und schriftlichen Nachweise über Testreihen, Impfstudien und Tests mit Psychopharmaka in bayerischen Kinder- und Erziehungsheimen, Einrichtungen für Kinder mit Behinderungen sowie Kinder- und Jugendpsychiatrien systematisch gesichert, gesichtet und archiviert. Die Staatsregierung sorgt ferner dafür, dass die noch vorhandenen Unterlagen im Rahmen eines Forschungsprojekts wissenschaftlich ausgewertet und im Rahmen einer Publikation veröffentlicht werden.

Über die bayerische Anlauf- und Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder versucht die Staatsregierung aktiv Kontakt zu von medizinischen Tests betroffenen ehemaligen Heimkindern aufzunehmen und bietet ihnen Hilfe bei der Beschaffung der notwendigen Nachweise und Unterlagen an. Aussagen und Dokumente von Betroffenen werden ebenfalls gesichert und ausgewertet.


Begründung:

Von den 1950er bis in die 1970er Jahre haben in Deutschland zahlreiche Medikamententests mit Heimkindern stattgefunden. Die Pharmazeutin Sylvia Wagner liefert in ihrer Studie „Ein unterdrücktes und verdrängtes Kapitel der Heimgeschichte – Arzneimittelstudien an Heimkindern“ zahlreiche Belege für etwa 50 Testreihen in ganz Deutschland, darunter auch Impfstudien und Tests mit Psychopharmaka in Bayern. Diese Testreihen fanden ohne nachvollziehbare rechtliche Grundlage und häufig auch ohne Kenntnis oder gar Einwilligung der sorgeberechtigten Eltern statt.

Außerdem kam es auch im Alltag der Einrichtungen nach Berichten ehemaliger Heimkinder häufig zum Einsatz von sedierenden Medikamenten oder von Psychopharmaka, ohne dass hierfür eine medizinische Indikation vorgelegen hätte. Dieser missbräuchliche Einsatz von Medikamenten zur Ruhigstellung der Kinder und Jugendlichen erfüllt nach Einschätzung des Runden Tisches Heimerziehung des Bundestages den Tatbestand der schweren Körperverletzung.

Bis in die 70er Jahre gab es keine verbindlichen rechtlichen Vorschriften für die Zulassung neuer Medikamente. In der Aufarbeitung des Schicksals der ehemaligen Heimkinder wurde das Thema Medikamententests bisher weitgehend ausgeklammert. Es besteht also ein großer Aufklärungs- und Forschungsbedarf. Die ehemaligen Heimkinder wurden einfach als günstiges „Menschenmaterial“ für medizinische und pharmazeutische Tests benutzt. Das hierdurch verursachte Unrecht und Leid an den betroffenen ehemaligen Heimkindern wurde bisher weder systematisch erforscht noch angemessen entschädigt.

Auch der Staatsregierung liegen nach eigener Auskunft bisher keine Akten oder schriftliche Nachweise über Medikamententests an Heimkindern vor. In einem ersten Schritt müssen deshalb sämtliche noch vorhandenen Unterlagen aus bayerischen Kinderheimen, Behindertenheimen und Psychiatrien gesichert und archiviert werden. In einem zweiten Schritt muss dann ein Forschungsprojekt zur wissenschaftlichen Aufarbeitung der Arzneimittelstudien, Impftests und Tests mit Psychopharmaka an ehemaligen Heimkindern, Kindern aus Behindertenheimen und Kinder- und Jugendpsychiatrien vergeben werden.

.

Siehe auch diesbezüglich „die schriftliche Anfrage der Landtagsabgeordneten Kerstin Celina BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN vom 14.08.2017 und „die Antwort der Bayerischen Landesregierungdarauf vom 09.02.2018:

17. Wahlperiode --- 09.02.2018 --- Drucksache 17/18599 @ https://www.bayern.landtag.de/www/ElanTextAblage_WP17/Drucksachen/Schriftliche%20Anfragen/17_0018599.pdf (insgesamt 4 Seiten)


#compensationnow (MM - Heimopfer-WEST)
.
Zuletzt geändert von Martin MITCHELL am Fr Mai 24, 2019 7:44 am, insgesamt 3-mal geändert.
Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; Freiheit bedarf ständiger Wachsamkeit.“ MM
Benutzeravatar
Martin MITCHELL
 
Beiträge: 1783
Registriert: So Jun 02, 2013 8:47 am
Wohnort: Adelaide, Süd Australien

Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND

Beitragvon Martin MITCHELL » Di Mär 06, 2018 6:04 am

.
Ein ungefähr gleichlautender (aber von mir speziell etwas kürzer gefasster) Beitrag wie der hier unmittelbar vorhergehende Beitrag @ http://www.ehemalige-heimkinder-tatsachen.com/viewtopic.php?p=1546#p1546, zu den Vorgängen im Bayerischen Landtag, wurde gestern (05.02.2018) im POLITIK-FORUM.EU auf Nimmerwiedersehen in die Ablage befördert:

Weil Moderator »H2O« anonym ist (und weil er sich sicher ist, dass niemand feststellen kann wer er ist) und einfach nur weil eres kann“, hat er den folgenden von mir am Montag, 5. März 2018 (um ca. 09:45 Uhr; nächstfolgend auf http://www.politik-forum.eu/viewtopic.php?f=23&t=27003&p=4136928#p4136928) im POLITIK-FORUM.EU abgegebenen Beitrag sofort als Spam kategorisiert und in die Ablage befördert“ (d.h., in den Mülleimer geworfen!); sodass niemand im diesbezüglichen Thread »Werden EHEMALIGE HEIMKINDER wirklich entschädigt?«, mit Subheading »Medikamentetests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND«, weiß, dass ich den Beitrag dort getätigt habe oder weiß was ich in diesem jetzt dort für immer verschwundenen Beitrag mitgeteilt habe: And nobody will be any the wiser, denkt er.

An völlig anderer Stelle im POLITIK-FORUM.EU @ http://www.politik-forum.eu/viewtopic.php?f=23&t=238&p=4148088#p4148088 gibt er dann stolz an als Moderator diesbezüglich völlig berechtigt und gerecht gehandelt zu haben:

.
von H2O
Mo 5. Mär 2018, 10:16
Forum:
9. Offenes Forum - Sonstiges
Thema: Moderation des Offenen Forums

Re: Moderation des offenen Forums

[MOD] Den Beitrag über Verhandlung von Entschädigungsansprüchen in Bayern als Spam in die Ablage verschoben. Nicht ersichtlich, was hier diskutiert werden soll. H2O

.

POLITIK-FORUM.EU stellt sich übrigens als „Verein zur Förderung der politischen Diskussion e.V.“ im Internet vor; umso mehr ist es völlig unverständlich, dass Hinweise zu diesbezüglichen offiziellen Plenarprotokollen zu solch wichtigen politischen Themen von einem „Politik-Forum einfach gelöscht werden.


#compensationnow (MM - Heimopfer-WEST)
.
Zuletzt geändert von Martin MITCHELL am Fr Mai 24, 2019 7:45 am, insgesamt 1-mal geändert.
Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; Freiheit bedarf ständiger Wachsamkeit.“ MM
Benutzeravatar
Martin MITCHELL
 
Beiträge: 1783
Registriert: So Jun 02, 2013 8:47 am
Wohnort: Adelaide, Süd Australien

Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND

Beitragvon Martin MITCHELL » So Mär 11, 2018 1:59 am

.
Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND und anderer diverser Abusus begangen an dieser Opfergruppe über Jahrzehnte hinweg in WESTDEUTSCHLAND.


TRANSPARENZ: Australian Royal Commission: ENTSCHÄDIGUNG


AUS ÖSTERREICH in Deutsch (09.03.2018, 13:33 Uhr):
https://www.kathpress.at/goto/meldung/1608301/australische-bundesstaaten-wollen-missbrauchsopfer-entschaedigen
(mehr detaillierte Berichterstattung)


AUS DEM VATIKAN in Deutsch (09 März 2018, 16:15 Uhr):
http://www.vaticannews.va/de/welt/news/2018-03/-australien-missbrauch-kirche-entschaedigung.html
(kurz gefasste Berichterstattung)


DEUTSCHE WELLE AUS DEUTSCHLAND in Deutsch (09.03.2018, ca. 13:20 Uhr):
http://m.dw.com/de/australien-entsch%C3%A4digt-tausende-opfer-sexueller-gewalt/a-42905772
(sehr extensive und detaillierte Berichterstattung)


Andere Länder, einschließlich Deutschland selbst, sollten sich ein Beispiel an Australiens Entschädigungs-Programm nehmen !!


#compensationnow (MM - Heimopfer-WEST)
.
Zuletzt geändert von Martin MITCHELL am Fr Mai 24, 2019 7:48 am, insgesamt 1-mal geändert.
Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; Freiheit bedarf ständiger Wachsamkeit.“ MM
Benutzeravatar
Martin MITCHELL
 
Beiträge: 1783
Registriert: So Jun 02, 2013 8:47 am
Wohnort: Adelaide, Süd Australien

Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND

Beitragvon Martin MITCHELL » So Mär 11, 2018 11:42 pm

.
Martin MITCHELL hat geschrieben:.
Ein ungefähr gleichlautender (aber von mir speziell etwas kürzer gefasster) Beitrag wie der hier unmittelbar vorhergehende Beitrag @ http://www.ehemalige-heimkinder-tatsachen.com/viewtopic.php?p=1546#p1546, zu den Vorgängen im Bayerischen Landtag, wurde gestern (05.02.2018) im POLITIK-FORUM.EU auf Nimmerwiedersehen in die Ablage befördert:
.

DAS LÖSCHEN VON RELEVANTEN BEITRÄGEN zum Thema »Werden EHEMALIGE HEIMKINDER wirklich entschädigt?«, mit Subheading »Medikamentetests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND«.

Um noch einmal auf die Moderation – sprich „Beförderung in die Ablage“ „als SPAM bestimmter unangenehmer innenpolitischer Beiträge (bezüglich deutscher Innenpolitik!) – im POLITIK-FORUM.EU zurückzukommen:

.
POLITIK-FORUM.EU
Verein zur Förderung der politischen Diskussion e.V.

Eleonorenstraße 19
30449 Hannover,
Niedersachsen,
Deutschland.

Kurzbeschreibung:

Verein zur Förderung der politischen Diskussion e.V. mit Sitz in Hannover ist im Vereinsregister mit der Rechtsform Verein eingetragen. Das Unternehmen wird beim Amtsgericht 30175 Hannover unter der Vereinsregister-Nummer VerR 200802 geführt. Das Unternehmen ist wirtschaftsaktiv. Die letzte Änderung im Vereinsregister wurde am 01.10.2008 vorgenommen.
Das Unternehmen wird derzeit von 4 Managern (4 x Vorstand) geführt. Das Unternehmen verfügt über einen Standort.

Geschäftsbereich:

Gegenstand des Unternehmens:

Zweck des Vereins ist es im Internet die freie Diskussion zu aktuellen Themen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaften und Gesellschaft zu ermöglichen.

.

QUELLE: https://www.firmenwissen.de/az/firmeneintrag/30449/2190550209/VEREIN_ZUR_FOERDERUNG_DER_POLITISCHEN_DISKUSSION_E_V.html (wann diese Details dort eingetragen wurden ist nicht gewiß)

RELEVANTE DETAILS ZUSAMMENGEFASST:
.
Gründer der Internetplattform POLITIK-FORUM.EU (gegründet 2009): André Prätorius (Jurist), Oberbürgermeisterkandidat für Bitterfeld-Wolfen, in Sachsen-Anhalt, der Partei der freien Demokraten (FDP-Mitglied seit 2005) [Anscheinend jedoch hat er, möglicherweise in 20014, zur Partei DIE LINKE gewechselt und hat seither auch nichts mehr zu Tun mit den heutigen Betreibern des POLITIK-FORUM.EU; das ist durchaus möglich.].
.

QUELLE: https://www.mz-web.de/7983090 (erwähnt am Ende dieses Artikels von CHRISTINE KRÜGER in Mitteldeutsche-Zeitung vom 28.10.2009, um 18:27 Uhr).

.
OBERBÜRGERMEISTERWAHL 2009

Kandidat der FDP


Auf der Mitgliederversammlung vom 18. Juni 2009 hat der FDP-Ortsverband André Prätorius zum Kandidaten für die Wahl zum Oberbürgermeister der Stadt Bitterfeld-Wolfen gewählt.

Kurzvita

1977 geboren in Wolfen, aufgewachsen in Bitterfeld

1996 Abitur

1996-1997 Bundeswehr

1998-2003 Jurastudium in Halle/Saale an der MLU (1. Staatsexamen/Diplomjurist)

2003-2005 Referendariat in LSA (2. Staatsexamen/Volljurist)

Seit 2003 in diversen Kanzleien beschäftigt

Kontakt
Email
andre.praetorius@fdp-bitterfeld.de
Telefon: 03494/826910

Die Kraft der Freiheit - FDP ----- Die Zukunft der Freiheit - FDP

[Zum Oberbürgermeister ist André Prätorius jedoch nicht gewählt worden.]

.

QUELLE: http://www.fdp-bitterfeld.de/obwahl09.html

.
Impressum:

Verein zur Förderung der politischen Diskussion e.V.
(Registerblatt VR 200802, Vereinsregister Hannover)

Altvaterstraße. 1
85221 Dachau,
Bayern (Oberbayern),
Deutschland

Vertretungsberechtigter: Bernd Fitzthum

E-Mail bei Beanstandungen den Inhalt betreffend:
vorstand@politik-forum.eu
E-Mail bei technischen Problemen: admin@politik-forum.eu
Website: http://www.politik-forum.eu

.

QUELLE: http://www.politik-forum.eu/app.php/page/impressum?sid=96cbd631137380786d685b746822b23f (wann diese Details dort eingetragen wurden ist nicht gewiß)

.
Registrant: NOT DISCLOSED! [ = NICHT BEKANNT GEGEBEN! ]

[Für das POLTIK-FORUM.EU sind also keine Realnamen irgendwo ausfindig zu machen!]
.

QUELLE: https://www.whois.com/whois/politik-forum.eu


#compensationnow (MM - Heimopfer-WEST)
.
Zuletzt geändert von Martin MITCHELL am Fr Mai 24, 2019 7:53 am, insgesamt 1-mal geändert.
Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; Freiheit bedarf ständiger Wachsamkeit.“ MM
Benutzeravatar
Martin MITCHELL
 
Beiträge: 1783
Registriert: So Jun 02, 2013 8:47 am
Wohnort: Adelaide, Süd Australien

Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND

Beitragvon Martin MITCHELL » Do Apr 05, 2018 7:55 am

.
Neues Ruhr Wort
Unabhängige katholische Wochenzeitung

QUELLE: http://neuesruhrwort.de/2018/04/04/nrw-will-aufklaerung-wegen-medikamentenversuchen-in-kinderheimen/

Jetzt hier in Bezug auf Nordrhein-Westfalen!

.
NRW will Aufklärung wegen Medikamentenversuchen in Kinderheimen

Von: rwm 4. April 2018

Die nordrhein-westfälische Landesregierung verlangt weitergehende Aufklärung über den Verdacht von Medikamentenversuchen an Kindern in Einrichtungen der Jugend- und Behindertenhilfe zwischen 1950 und 1975. Die Pharmaunternehmen, die über Dokumente und spezielle Erkenntnisse von „über individuelle Heilbehandlungen hinausgehende Medikamenteneinsätze bei Kindern und Jugendlichen“ verfügten, hätten zwischenzeitlich Kooperationsbereitschaft signalisiert, teilte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Mittwoch im Düsseldorfer Landtag mit.

Die Rückmeldungen der Krankenhäuser, in denen im fraglichen Zeitraum Medikamentenversuche an Kinder und Jugendlichen vermutet würden, ergäben „ein sehr heterogenes Bild“, erklärte Laumann. Hier seien gegenwärtig noch nicht alle Überprüfungen abgeschlossen. Die Landesregierung erwarte weitere Rückmeldungen und dränge auf Aufklärung. Vor der Veröffentlichung von Ergebnissen wolle er laufende wissenschaftliche Aufarbeitungen in den unter Verdacht stehenden Einrichtungen in NRW abwarten, so der Minister. Die Krefelder Pharmazie-Doktorandin Sylvia Wagner hatte vor zwei Jahren aufgedeckt, dass es zwischen 1950 und 1975 mindestens 50 Medikamentenversuchsreihen in NRW-Kinderheimen gegeben hatte.

Hierbei soll es vor allem um die Erprobung von Psychopharmaka und Impfstoffen gegangen sein. In mindestens einem Fall gab es Hinweise darauf, dass ein Neuroleptikum auf ausdrücklichen Wunsch der Jugendhilfe eingesetzt wurde, um Kinder ruhiger und lernfähiger zu machen. Neben einem Düsseldorfer Kinderheim werden in der Doktorarbeit konkrete Vorwürfe gegen das katholische Kinderheim Franz-Sales in Essen, die Bodelschwinghschen Anstalten in Bielefeld-Bethel und die Rheinische Landesklinik für Jugendpsychiatrie in Viersen-Süchteln erhoben. Laumann erklärte, die Einrichtungen arbeiteten die Vorwürfe derzeit wissenschaftlich auf. Aufgrund der Vielzahl der Akten und Dokumente sei mit erhöhtem Zeitaufwand zu rechnen. Falls bis Ende 2018 nicht alle Rückmeldungen vorlägen, werde das Gesundheitsministerium bei den betreffenden Einrichtungen den Stand der Aufarbeitung erfragen. Danach werde das Landesparlament umgehend über das Ergebnis [informieren].

Wagner war im Archiv der Firma Merck Dokumente aus dem Jahr 1958 gestoßen, die Auskunft geben über eine Anwendungsbeobachtung des Medikaments Decentan, das 1957 auf den Markt kam und – laut Merck – erst 2014 durch ein Nachfolgepräparat abgelöst wurde. Das Dokument trägt den Stempel von Dr. Waldemar Strehl, der zur betreffenden Zeit Anstaltsarzt im Franz Sales Haus war. „Den Vorwurf, dass Medikamente an Kindern aus dem Franz Sales Haus getestet worden sein sollen, nehmen wir sehr ernst und werden die Sachlage gründlich und mit Hilfe von externen Experten untersuchen“, hatte der Leiter der Einrichtung, Günter Oelscher, im Oktober 2016 erklärt. „Aus der Anwendungsbeobachtung geht hervor, dass Dr. Strehl 29 Patienten im Alter von 5-46 Jahren mit dem neuen Präparat behandelt hat. Gemäß unserer Bewohnerakten fielen diese Personen in ihren Gruppen durch große Bewegungsunruhe auf. Laut Anwendungsbeobachtung verabreichte Dr. Strehl einigen Kindern sehr hohe Dosen des neuartigen Medikaments, die zu starken Nebenwirkungen führte“, so Oelscher, der im vorigen Jahr in den Ruhestand getreten ist.

Strehl bei Kindern gefürchtet

Dr. Strehl habe die Nebenwirkungen in der Anwendungsbeobachtung festgehalten und sei abschließend zu dem Urteil gekommen, dass er Decentan für seine Praxis für ungeeignet halte, da es nur bei einigen Bewohnern wie gewünscht zu einer Ruhigstellung und zur Herstellung der Schulfähigkeit geführt habe. Während er die Behandlung bei acht Kindern nach zwei bis vier Tagen einstellte, verabreichte Dr. Strehl den Angaben zufolge das neue Medikament vier Kindern in niedrigeren Dosen über einen längeren Zeitraum. Bei den übrigen Personen bleibe die Dauer der Behandlung mit Decentan unklar. „Im Archiv des Franz Sales Hauses finden sich lediglich in zwei der Bewohnerakten ordnungsgemäße Eintragungen der Medikamentengabe. Die Aufzeichnungen belegen, dass die beiden Patienten gut auf Decentan angesprochen haben und das Mittel mehrere Monate erhielten. Dies geht auch aus einem ärztlichen Bericht an die Mutter hervor“, so Oelscher.

Über Waldemar Strehl ist wenig bekannt. 1940 promovierte er beim dem NS-Rassenhygieniker Friedrich Erhard Haag und erhielt nach Kriegsende in der Entnazifizierung einen „Persilschein“. Mitter der 1950er-Jahre fing er als Arzt im Frans- Sales-Haus an. Dort sei er bei den Kindern gefürchtet gewesen. So schilderte Bernhard Frings bereits 2012 in seiner Studie neben der Verordnung von Medikameten zur Ruhigstellung auch die Verabreichung sogenannter „Kotz-“ und „Betonspritzen“ durch Strehl, die zu Erbrechen beziehungsweise vorübergehender Bewegungsunfähigkeit führten und offenbar der Bestrafung dienten.

Forscher der RUB beauftragt

Forscher der Ruhr-Universität Bochum werden sich ab April 2018 in einer Studie „Zur Frage des Medikamentenmissbrauchs an Heimkindern im Franz Sales Haus (1945-1975). Historische Klärungen – ethische Perspektiven“ die Vorwürfe aufarbeiten. Die von einem Historiker zu erstellende „institutionen- und sozialgeschichtliche Studie auf der Basis verschiedener Quellen der Einrichtung wie auch regionaler und nationaler Archive“ gelte es „in ethischer Perspektive sowohl zeitgeschichtlich zu kontextualisieren als auch vor dem Hintergrund heutiger ethischer Debatten einzuordnen und zu bewerten“, heißt es dazu bei der Katholischen Fakultät der RUB. „Dabei werden unterschiedliche Facetten von Arzneimittelmissbrauch im Kontext der Heimerziehung berücksichtigt und einer differenzierten Analyse unterzogen. Hierbei spielen Fragen nach dem ärztlichen und pädagogischen Fürsorgeethos in der Heimerziehung ebenso eine wichtige Rolle wie auch die noch herauszuarbeitende gesamtgesellschaftliche Akzeptanzbereitschaft unterschiedlicher Formen potentiell missbräuchlichen Umgangs mit Medikamenten.“ Entsprechend sollen Impulse für einen ethisch verantwortlichen Arzneimitteleinsatz in der gegenwärtigen und künftigen Behindertenarbeit unter Berücksichtigung christlicher Wertvorstellungen erarbeitet werden.

Das Projekt wird vom
Lehrstuhl für Theologische Ethik in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Christliche Gesellschaftslehre der Evangelisch-Theologischen Fakultät Bochum durchgeführt [ Siehe @ http://www.kath.ruhr-uni-bochum.de/theoleth/forschung/index.html.de ]. Es ist nicht das erste Forschungsprojekt, dass sich mit der Geschichte des Franz-Sales-Hauses beschäftigt: 2010 hatten ehemalige Heimkinder schwere Anschuldigungen gegen ihre damaligen Betreuer wegen Misshandlungen und Missbrauchs in den 1950er- und 1960er-Jahren erhoben, woraufhin die Unternehmensführung eine grund­legende Aufarbeitung beschloss und einen „Runden Tisch“ einrichtete. Mit den ehemaligen Heimbewohnern seien persönliche Gespräche geführt worden. Sie hätten glaubhaft über Gewaltanwendungen, Isolation, missbräuchliche Medikamentengabe und vereinzelten sexuellen Missbrauch berichtet. Oelscher entschuldigte sich damals im Namen aller ehemaligen Mitarbeiter und zeigte sich tief erschüttert. Als Studien liegen vor: Bernhard Frings: Heimerziehung im Essener Franz Sales Haus 1945-1970, Münster 2012. Ders, Die (fast) vergessenen Heimkinder – Aufarbeitung und Hilfen im Franz Sales Haus, Essen 2012.

rwm/kna
Redaktion Neues Ruhrwort
Ludgeristraße 1, 45897 Gelsenkirchen

redaktion@neuesruhrwort.de

02 09-405 2 01 93

.


#compensationnow (MM - Heimopfer-WEST)
.
Zuletzt geändert von Martin MITCHELL am Fr Mai 24, 2019 7:55 am, insgesamt 1-mal geändert.
Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; Freiheit bedarf ständiger Wachsamkeit.“ MM
Benutzeravatar
Martin MITCHELL
 
Beiträge: 1783
Registriert: So Jun 02, 2013 8:47 am
Wohnort: Adelaide, Süd Australien

Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND

Beitragvon Martin MITCHELL » Fr Apr 27, 2018 11:56 am

.
Die Bundesrepublik Deutschland hat ein großes Problem – und wie es dieses Problem lößt:

QUELLE: DIE TAGESZEITUNG junge Welt @ https://www.jungewelt.de/artikel/331509.bund-stellt-sich-dumm.html :

.
Aus: Ausgabe vom 27.04.2018, Seite 3 / Schwerpunkt

Bund stellt sich dumm

Arzneimittelversuche an Heimkindern in der BRD: Regierung weiß nichts darüber und sieht keine Verpflichtung, zur Aufklärung beizutragen

Von Jana Frielinghaus

[ FOTO: Der Essener Ralf Aust, hier 1965 als Kind im Franz-Sales-Haus, berichtete Ende 2016 gegenüber dem Stern, dass alle Kinder dort täglich Tabletten einnehmen mussten. --- Foto: Aust/dpa ]

Hintergrund: Konzerne profitieren

Die Pharmakologin Sylvia Wagner befasst sich seit drei Jahren im Rahmen ihrer Dissertation mit Arzneimittelstudien an Heimkindern in der BRD der 50er bis 70er Jahre. Die aufwendige Forschungsarbeit finanziert sie allein. Im September 2016 veröffentlichte sie erste Ergebnisse in der Publikation Sozial.Geschichte Online (Heft 19/2016) der Universität Duisburg-Essen. Wagner durchforstete für ihre Studie viele Jahrgänge von Fachjournalen. Sie war überrascht, mit welcher Offenheit die Verfasser von Forschungsberichten über ihre Versuchsanordnungen mit Heimkindern berichteten. An keiner Stelle fand sie Angaben dazu, ob die Einwilligung von Angehörigen eingeholt worden war. Ebensowenig fand sie kritische Reaktionen auf die Veröffentlichungen.

Die meisten der von Wagner ermittelten Testreihen fanden in Säuglingsheimen statt, in 33 von 50 Berichten ging es um die Erprobung von Impfstoffen, in den anderen überwiegend um Psychopharmaka. Im Forschungsbericht über einen Test des Neuroleptikums Decentan an Kindern im Essener Franz-Sales-Haus ist von »plötzlichen Schreikrämpfen«, »Bewegungsarmut« und »psychisch starker Veränderung« die Rede.

An den Erkenntnissen aus den Versuchen waren vor allem die Pharmafirmen interessiert: Kooperationspartner der Kliniken in Schleswig waren laut NDR beispielsweise die Unternehmen Bayer, Merck, Janssen und UCB. Bayer teilte dem Sender auf Anfrage mit, man sehe keine Veranlassung für Wiedergutmachungsleistungen, da nicht rechtswidrig gehandelt worden sei. Das stimmt insofern, als es vor 1978 keine in einem Bundesgesetz formulierten Vorschriften für Unternehmen hinsichtlich der Erprobung und Zulassung von Arzneimitteln gab. Man habe für die Zeit vor 1978 zudem »keine Dokumente gefunden, die auf eine Verbindung unseres Unternehmens mit der Durchführung von Prüfungen mit diesen Präparaten in Kinderheimen« hinweisen, teilte der Konzern mit.

Nach Ansicht von Christian Schrapper, Pädagogikprofessor an der Universität Koblenz-Landau, zeigt sich im Umgang mit den Heimkindern der in der BRD noch lange nachwirkende Geist der Nazizeit. In den Einrichtungen der Jugendfürsorge sei er bis in die 60er Jahre von Vorstellungen über die Minderwertigkeit zum Beispiel von Kindern aus schwierigen familiären Verhältnissen geprägt gewesen. Daraus ergebe sich das Verständnis von Heimkindern als »Menschenmaterial, das für medizinische Versuche genutzt werden kann«, zitierte ihn die Ärztezeitung nach Wagners Veröffentlichung im November 2016. (jf)


kurzlink.de/studie_wagner [ Siehe @ http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-42079/04_Wagner_Heime.pdf ]

[ u.a. ] kurzlink.de/Schleswig [ Siehe @ https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Heimkinder-Kritik-an-Aufarbeitung-des-Landes,heimkinder194.html ]

[ Siehe diesbezüglich desweiteren auch: »Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND« @ http://www.ehemalige-heimkinder-tatsachen.com/viewtopic.php?f=30&t=151 ]

–––––––––––––––––––––––––––––––––––––

Seit etwa zwölf Jahren sind die Grausamkeiten, die Hunderttausende Kinder in Einrichtungen der Jugendfürsorge der alten Bundesrepublik erlitten haben, ein öffentliches Thema. Anfang 2009 wurde auf Druck ehemaliger Insassen von der damaligen Bundesregierung von CDU, CSU und SPD der »Runde Tisch Heimerziehung« (RTH) eingerichtet. Ende 2010 veröffentlichte das Gremium einen Abschlussbericht, zudem wurde der Hilfsfonds »Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland 1949 bis 1975« eingerichtet. Zahlungen daraus erhielten jedoch nur Menschen, die Folgeschäden und materielle Bedürftigkeit nachweisen konnten. Vom RTH angehörte ehemalige Heimkinder berichteten über fortgesetzte psychische und körperliche Misshandlungen, vorenthaltene Löhne – und darüber, dass sie dauerhaft zur Einnahme von Medikamenten gezwungen worden sind. Vielfach handelte es sich dabei um Psychopharmaka zur Ruhigstellung. Oft wussten die Betroffenen gar nicht, was ihnen da teilweise gewaltsam verabreicht worden war. Gerade das letztgenannte Thema wurde vom RTH jedoch nur am Rande abgehandelt. In seinem Abschlussbericht heißt es dazu, wenn es zu »generellen und kollektiven Behandlungen bzw. Sedierungen gekommen« sei, die »weniger den Kindern und Jugendlichen als der Disziplin im Heimalltag oder gar der Erforschung von Medikamenten zuträglich waren, ist dies als Missbrauch zu beurteilen und erfüllt ggf. den Tatbestand der (schweren) Körperverletzung – auch nach damaligen Maßstäben«. Ob und in welchem Umfang so etwas vorgekommen sei, könne »so viele Jahre später schwer beurteilt werden«.

Kann es doch. Gezeigt hat das zunächst die Pharmakologin Sylvia Wagner mit ihrem Forschungsprojekt zu Arzneimitteltests an Heimkindern in der BRD (siehe Spalte). Sie hat in 50 Fällen belegen können, dass es in staatlichen und kirchlichen Fürsorgeeinrichtungen Versuchsreihen an Minderjährigen gab, die zudem oft unter der Regie von Ärzten mit Nazivergangenheit stattfanden. In der Folge recherchierten Medien weiter, mehrere Landesparlamente und -regierungen befassten sich mit dem Thema.

Die Bundesregierung allerdings sieht sich nicht in der Pflicht, zur Aufklärung beizutragen, Behörden und Unternehmen zur Öffnung ihrer Archive zu veranlassen oder über einen weiteren Entschädigungsfonds nachzudenken. Das macht ihre Antwort auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag vom 18. April deutlich, die jW vorliegt. In ihrer Vorbemerkung verweist Sabine Weiss (CDU), Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, auf die Arbeit des RTH und die Einrichtung des erwähnten Fonds sowie die Einrichtung der Stiftung »Anerkennung und Hilfe« von Bund, Ländern und Kirchen für ehemalige Insassen von Psychiatrien und Behindertenheimen Ende 2016. Damit sieht das Ministerium die Arbeit der Bundesregierung als erledigt an. Zudem wird darauf verwiesen, dass aufgrund des bis 1978 kaum gesetzlich regulierten Arzneimittelmarktes strafrechtliche Konsequenzen für damalige Akteure auszuschließen seien. Weiter schreibt Weiss u. a.: »Der Bundesregierung liegen keine Kenntnisse zu ›Arzneimitteltests‹ an Heimkindern vor.«

Sylvia Gabelmann, Sprecherin der Linksfraktion für Arzneimittelpolitik und Patientenrechte, die die Fragen zusammen mit Kollegen eingereicht hatte, ist empört: »Die Bundesregierung stellt sich hier dümmer, als sie ist«, sagte sie am Donnerstag gegenüber jW. Schon mittels einer kleinen Internetrecherche könne jeder Laie innerhalb kürzester Frist umfangreiche Informationen darüber erhalten, dass es Medikamentenstudien an Kindern in den 50er und 60er Jahren mindestens in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hessen gegeben hat.

Pharmakologin Wagner sieht sowohl die Länder als auch den Bund in der Pflicht. Auf allen Ebenen müssten diesbezüglich umfangreiche Forschungsaufträge vergeben werden, sagte sie am Mittwoch im Gespräch mit jW und erinnerte daran, dass an Tests von Impfstoffen auch Bundesbehörden beteiligt waren. Die »Stiftung Anerkennung und Hilfe« sei zudem nur für Menschen geschaffen worden, die in Behindertenheimen und Psychiatrien gelitten haben. Nachträglich sei gesagt worden, dass auch Opfer von Arzneimitteltests dort Anträge auf Unterstützung stellen könnten. Doch solche Versuche habe es auch in »normalen« Kinderheimen gegeben. Die Bundesregierung teilte der Linksfraktion mit, sie beabsichtige nicht, den Auftrag der Stiftung zu erweitern.

Von vielen Untersuchungsreihen dürften Landesbehörden mindestens Kenntnis gehabt haben. So fand Wagner in Fachzeitschriften zwei Untersuchungsberichte aus der Kinderpsychiatrie des Landesklinikums in Schleswig-Hesterberg. Ein NDR-Team stieß bei Recherchen auf sechs weitere Aufsätze über Tests in derselben Einrichtung – und auf mehr als 30 Schilderungen von Versuchen in der Erwachsenenpsychiatrie in Schleswig-Stadtfeld. Nach Berechnung der Journalisten wurden an den beiden Landeskliniken von 1953 bis 1978 Medikamente an rund 3.500 Probanden getestet, darunter etwa 1.000 Kinder. Der neue Gesundheitsminister von Schleswig-Holstein, Heinrich Garg (FDP), kündigte im Oktober an, er wolle die beteiligten Pharmafirmen »ansprechen«. Ob das Land mutmaßlich Betroffenen Entschädigungen zukommen lässt, macht Garg vom Ergebnis einer Studie abhängig, für die sein Haus 100.000 Euro bereitstellen will.

Für Niedersachsen hat Wagner u. a. nachgewiesen, dass an der früher landeseigenen psychiatrischen Klinik in Wunstorf bei Hannover noch in den 70er Jahren an mehreren hundert Kindern Medikamente erprobt wurden.

Mehr aus: Schwerpunkt


Zweierlei Maß bei Medikamententests [ Siehe @ https://www.jungewelt.de/loginFailed.php?ref=/artikel/331510.zweierlei-ma%C3%9F-bei-medikamententests.html ]

Nur für angebliches DDR-Unrecht fühlt sich der Bund in jedem Fall zuständig.


Jana Frielinghaus
.


#compensationnow (MM - Heimopfer-WEST)
.
Zuletzt geändert von Martin MITCHELL am Fr Mai 24, 2019 7:38 am, insgesamt 2-mal geändert.
Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; Freiheit bedarf ständiger Wachsamkeit.“ MM
Benutzeravatar
Martin MITCHELL
 
Beiträge: 1783
Registriert: So Jun 02, 2013 8:47 am
Wohnort: Adelaide, Süd Australien

VorherigeNächste

Zurück zu PLAUDER ECKE / SONSTIGES

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron